Der dialektische Kleist

Zur Rezeption Heinrich von Kleists in Literatur und Theater der DDR

Die sogenannte »kritische Aneignung« Heinrich von Kleists in der DDR zeigt das breitgefächerte Bild einer Jahrzehnte andauernden Kulturdebatte: vom anfänglichen Ausschluss seiner Werke aus dem Kanon über ihre Instrumentalisierung für Propagandazwecke in den 1950er Jahren hin zur Vorbildnahme Kleists durch Autor_innen in den 1970ern, die ihre Autorschaftskrise in ihm spiegelten. Durch die Aufbereitung neuen Archivmaterials von Kleist-Inszenierungen und durch die literarischen Bearbeitungen von Kleists Werken und seiner Biographie kann Stephan Ehrig neue Erkenntnisse über die vielfältige Kulturszene der DDR gewinnen und einen Beitrag dazu leisten, das einseitige Verständnis von DDR-Kultur als entweder regimetreu oder regimekritisch zu überwinden.

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2018-03-13, 338 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4180-6

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Stephan Ehrig

Stephan Ehrig, Universität Durham, Großbritannien

... mit Stephan Ehrig

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Einerseits ist es generell faszinierend nachzuvollziehen, inwieweit die Rezeptionsgeschichte eines Autors oder einer Autorin eigentlich fast entscheidender für die öffentliche Wahrnehmung sein kann als deren Werke selbst. Vor allem ist dies interessant, wenn sowohl das Werk als auch die Biographie eines Autors, wie im Fall Heinrich von Kleists, mehr Fragen und Leerstellen übrig lassen, als dass sie Antworten geben. Somit muss jede Generation diese Autor_innen für ihre Zeit neu konstruieren, und bei stark ideologisierten Gesellschaften wie der DDR kann dies besonders aufschlussreich sein. Im Falle Kleists, der durch die Nationalsozialisten instrumentalisiert wurde und somit vorbelastet war und der zudem nicht den unangefochtenen Klassikerstatus wie seine Zeitgenossen in Weimar hatte, kann man in der DDR eine spannende ästhetische Debatte nachvollziehen, bei der verschiedenste Akteure Kleist für ihre politischen Ziele vereinnahmen wollten. Daran kann man dann sowohl viel über die Literatur- und Theaterkultur in der DDR ableiten, die deutlich kreativer, unsystematischer und chaotischer ist, als man oft meint, aber auch viel darüber nachdenken, warum gerade ein Dichter wie Kleist vierzig Jahre DDR-Kultur so intensiv beschäftigt und inspiriert hat. Auf beides versucht das Buch möglichst ausführliche Antworten zu geben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Vor allem habe ich etliche Theaterarchive durchforstet und für das Buch eine Auswahl aus über 100 Inszenierungen von Kleist-Stücken in der DDR aufbereitet. Dabei konnte ich sowohl die immer noch wenig erforschten 1950er und 60er Jahre als auch viele kleinere Theater außerhalb Berlins und Leipzigs in den Fokus rücken. Man kann somit ein deutlich breiteres Spektrum abdecken, und darf überrascht sein, welche Stücke eigentlich am häufigsten inszeniert worden sind. Die zweite wichtige Perspektive ist die Parallelisierung mit Kleists Rezeption in der Literatur, bei der sich wesentliche Überschneidungen ergeben, die wiederum produktiv für ein generelles Verständnis der DDR-Kulturszene sind, die ja vor allem im Theater bis heute nachwirkt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Im Moment findet in verschiedensten Wissenschaftsbereichen eine Neubewertung der DDR statt, die sich vor allem in vielen kleinteiligen und interdisziplinären Studien niederschlägt, die eher den normalen Alltag und das Leben außerhalb der großen Zentren untersuchen, um damit die historische Sicht auf die DDR zu differenzieren und vor allem von reinen Diktatur- und Unterdrückungsnarrativen wegzugelangen (ohne sie freilich auszublenden). Dabei können dann auch viele der progressiven und künstlerisch ambitionierten Aspekte in das Gesamtbild mit aufgenommen werden. In diesem Sinne versteht sich auch dieses Buch als ein Beitrag, der die DDR-Kulturszene für ihre ästhetischen Errungenschaften würdigen möchte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Heiner Müller!

5. Ihr Buch in einem Satz:

Durch Kleist die Kulturszenen der DDR entdecken, und über jene wiederum auch Kleist neu entdecken.

Autor_in(nen)
Stephan Ehrig
Buchtitel
Der dialektische Kleist Zur Rezeption Heinrich von Kleists in Literatur und Theater der DDR
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
338
Ausstattung
kart., zahlr. farb. Abb.
ISBN
978-3-8376-4180-6
DOI
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB AN
BISAC-Code
LIT004170 PER011020
THEMA-Code
DSB ATD
Erscheinungsdatum
2018-03-13
Auflage
1
Themen
Theater, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Theaterwissenschaft, Rezeptionsforschung
Schlagworte
Kleist, DDR, Literatur, Theater, Rezeption, Kleist-Museum Frankfurt/Oder, Germanistik, Theaterwissenschaft, Kulturgeschichte, Literaturwissenschaft

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