Solidarität und Solidarismus

Postliberale Suchbewegungen zur normativen Selbstverständigung moderner Gesellschaften

Der Begriff der Solidarität, der in der Zeit nach der Französischen Revolution geprägt wurde, steht in einer spezifischen Spannung zu den liberalen Sozialtheorien des 18. Jahrhunderts. Während er in den Sozialwissenschaften, bei Comte und Durkheim, als zentrale Beschreibungskategorie arbeitsteiliger Gesellschaften fungiert, avanciert er im Solidarismus der Jahrhundertwende (u.a. bei Léon Bourgeois) zum republikanischen Legitimationskonzept des entstehenden Wohlfahrtsstaates. Im 20. Jahrhundert erlebt er dann jedoch theoretisch und programmatisch einen eigentümlichen Niedergang.

Hermann-Josef Große Kracht wirft in seiner Ideengeschichte des Solidaritätsbegriffes die Frage nach einem ›Neustart solidaristischer Vernunft‹ auf.

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2017-11-09, 380 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4181-3

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Hermann-Josef Große Kracht

Hermann-Josef Große Kracht, Technische Universität Darmstadt, Deutschland

... mit Hermann-Josef Große Kracht

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil sich heute alle oft und gerne auf den Wert der Solidarität beziehen – und manche zunehmend das Gefühl haben, dabei irgendwie aneinander vorbei zu reden. Es könnte nämlich sein, dass die Solidarität gar kein ›Wert‹ ist; und auch wenig mit Tugend und Moral zu tun hat. Eine Rückbesinnung auf die überraschend wenig bekannte Theoriegeschichte des Solidaritätsbegriffs – in seinem Spannungsfeld zwischen Soziologie und politischer Theorie – ist deshalb dringend an der Zeit.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Nimmt man den erst im 19. Jahrhundert entstandenen politisch-sozialen Begriff der Solidarität – er ist ein spätes Kind der politischen Moderne – systematisch in den Blick, dann kann er – dies ist zumindest meine Vermutung – eine ›postliberale‹ Perspektive zur normativen Selbstverständigung moderner Gesellschaften eröffnen, die den heute dominierenden Freiheits- und Gerechtigkeitskonzeptionen aus der Tradition des politischen und ökonomischen Liberalismus theoretisch und empirisch überlegen ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der normative Gehalt der Kategorie der Solidarität ist – anders als etwa an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert – weitgehend in Vergessenheit geraten. Jedenfalls ist die Leistungsfähigkeit dieses Konzepts – gerade in der Verhältnisbestimmung zu den Theorien der Gerechtigkeit – heute deutlich unterbestimmt. Ich hoffe, dass mein Buch, das u.a. an den Erfolg des republikanischen ›solidarisme‹ der Jahrhundertwende erinnert, etwas daran ändern kann.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Es wäre ein Traum, wenn ich mein Buch ein paar Abende lang mit Émile Durkheim und Oswald von Nell-Breuning bereden könnte. Aber da beide seit langem tot sind, werden sich diese Abende bis auf Weiteres nicht realisieren lassen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die verschüttete Tradition des solidaristischen Denkens wird aufgeweckt – und gegen den politischen Liberalismus in Stellung gebracht.

»Ein hervorragendes Buch, dessen Lektüre der Rezensent dringend empfiehlt.
Das Buch ist vorzüglich lesbar geschrieben und vermittelt spannend, aber auch kritisch die Entwicklung dieses Diskurses.«
Arno Anzenbacher, Amos international, 12/3 (2018)
Besprochen in:
Zivilgesellschaft, 1 (2018)
Buchtitel
Solidarität und Solidarismus Postliberale Suchbewegungen zur normativen Selbstverständigung moderner Gesellschaften
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
380
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4181-3
DOI
Warengruppe
1733
BIC-Code
JPA HPS HBTB
BISAC-Code
POL010000 PHI034000 HIS054000
THEMA-Code
JPA QDTS NHTB
Erscheinungsdatum
2017-11-09
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Politik
Adressaten
Soziologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Theologie, Wissenschaftsgeschichte
Schlagworte
Solidarität, Solidarismus, Ideengeschichte, Auguste Comte, Émile Durkheim, Politik, Gesellschaft, Politische Theorie, Sozialphilosophie, Sozialgeschichte, Philosophiegeschichte, Soziologie

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