Die Ökonomisierung des Vertrauens

Eine Kritik gegenwärtiger Vertrauensbegriffe

Aufgrund der Dominanz eines ökonomistisch verengten Rationalitätsideals wird Vertrauen zunehmend als Reputationskalkül oder quasi-vertragliche Kreditbeziehung definiert. Michaela I. Abdelhamid zeigt: Was hier als »Vertrauen« bezeichnet wird, soll vielmehr der Wertschöpfung sowie der Legitimation strategischer Entscheidungen, Sanktionen und Abhängigkeitsverhältnisse dienen. Mit verständlichen Analysen und Begriffsschärfungen bietet sie die Grundlage, um die Probleme solcher Inszenierungen erkennen oder auch die Gegenstände sogenannter Vertrauenskrisen reflektieren zu können.

32,99 € *

2018-02-14, 242 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4205-6

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Michaela I. Abdelhamid

Michaela I. Abdelhamid, Technische Universität Darmstadt, Deutschland

... mit Michaela Abdelhamid

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In der gegenwärtig ökonomistisch geprägten Perspektive gilt Vertrauen insbesondere als kalkulierbares Risiko und strategische Entscheidung. In dieser dogmatisch verengten Lesart kann Vertrauen jedoch weder als Form menschlicher Rationalität erkannt noch ein Verständnis der Gegenstände und Ursachen sog. Vertrauenskrisen gewonnen werden. Unter diesem Widerspruch kann das menschliche Selbstverständnis ebenso wie der gute Ruf des Begriffs ›Vertrauen‹ leiden. Wir brauchen eine Perspektiverweiterung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Gesellschaften, die über institutionellen Wettbewerb und monetäre Anreizsysteme organisiert sind, verstärken ihr eigenes Unsicherheitspotenzial. Verlässlichkeit und Verbindlichkeit werden von kurzfristigem Gewinnstreben und autoritären Kontrollstrategien, wozu auch sog. ›Vertrauen‹ gehört, bedrängt. Kontrolle und Steuerung stellen gesellschaftliche Koordination in Anbetracht sogenannter ›Alternativlosigkeit‹ nicht sicher, im Gegenteil: sie gefährden sie.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

In Philosophie, Neuroökonomie, Empirischer Wirtschaftsforschung, Managementforschung usw. wird Vertrauen zwar diskutiert, jedoch überwiegend unter Risikokalkulations- und Kontrollerwägungen. Die Auseinandersetzung über die verbindende Frage, wie gesellschaftliche Koordination gelingen kann, könnte ohne den Alleingeltungsanspruch mathematisch-naturwissenschaftlicher Begründungsstandards und die Kurzatmigkeit von Nutzenkalkülen erheblich an Kreativität und Lebensbedeutsamkeit gewinnen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mich würde interessieren, wie Jürgen Habermas die erdrückende Rhetorik von ›Vertrauen‹ als einem strategischen Verpflichtungs- und Disziplinierungsinstrument vor dem Hintergrund seines Begriffs des ›technokratischen Sogs‹ bewertet. Mit Vertreter_innen alternativer Ansätze wie z.B. dem bedingungslosen Grundeinkommen würde ich gerne die herausgearbeiteten ökonomistischen Tauschkonzepte diskutieren, die dringend einer kritischen Auseinandersetzung bedürfen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Nicht Vertrauen ist unser Problem, sondern die Anwendung eines einseitigen, dogmatisch ausgelegten und lebensfernen Rationalitätsbegriffs.

Autor_in(nen)
Michaela I. Abdelhamid
Buchtitel
Die Ökonomisierung des Vertrauens Eine Kritik gegenwärtiger Vertrauensbegriffe
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
242
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4205-6
DOI
10.14361/9783839442050
Warengruppe
1521
BIC-Code
HPS KJG
BISAC-Code
PHI034000 BUS008000
THEMA-Code
QDTS KJG
Erscheinungsdatum
2018-02-14
Auflage
1
Themen
Sozialität, Wirtschaft
Adressaten
Arbeitssoziologie, Philosophie, Politikwissenschaften, Ökonomie, Managementtheorie, Arbeits- und Organisationspsychologie, Burnout-Forschung sowie Praktiker_innen im Bereich Unternehmensberatung, -führung, Personalverwaltung und -entwicklung
Schlagworte
Vertrauen, Instrumentelle Rationalität, Zuversicht, Reputation, Entscheidung, Kommerzialisierung, Ökonomisierung, Sozialität, Wirtschaft, Sozialphilosophie, Wirtschaftsethik, Philosophie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung