Die Verwaltungsjuristin Theanolte Bähnisch (1899–1973) und der Deutsche Frauenring

Vom reformorientierten Preußen zur bundesdeutschen Westbindung – eine Wirkungsgeschichte

Die Regierungspräsidentin Theanolte Bähnisch (1899-1973) spielte im Wiederaufbau Deutschlands nach 1945 eine zentrale Rolle. Das Fundament ihres Engagements lag in ihrer Sozialisation im Geiste des reformorientierten, republikanischen Preußen begründet. Nadine Freund legt dar, wie die Präsidentin des Deutschen Frauenrings (DFR) – in Orientierung an der Idee der Überparteilichkeit – versuchte, insbesondere Frauen für die Etablierung einer zweiten deutschen Demokratie zu gewinnen. In ihrer Absicht, dabei ein Bollwerk gegen den Kommunismus zu errichten, wurde sie von deutschen und britischen Eliten aus Politik, Verwaltung, Militär, Erwachsenenbildung und Frauenbewegung unterstützt.

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4. September 2018, 1152 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4217-9

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Nadine Freund

Nadine Freund, Institut für Zeitgeschichte (München), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil kaum jemand Theanolte Bähnisch kennt, obwohl ihr Handeln Politik, Gesellschaft und Kultur in Europa bis in die Gegenwart hinein mitprägen. Die Lebenswege wichtiger Akteure der Westbindung Deutschlands und der europäischen Integration werden insgesamt noch zu wenig erforscht. Dabei waren gerade Akteure jenseits der Regierungszentralen in ihrer Zeit häufig viel populärer, als es ihre Rezeption in der Gegenwart glauben macht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es macht deutlich, dass Fundamente der Westintegration (West)deutschlands tief in der preußischen Verwaltungsreform, der bürgerlichen Sozialreform und der bürgerlichen Frauenbewegung in der Zeit der Weimarer Republik verankert sind. Es zeigt, wie und warum eine niedersächsische Behördenleiterin starken Einfluss auf die politisch-kulturelle Ausrichtung der zweiten deutschen Demokratie nehmen konnte und wie dabei vermeintliche Fraueninteressen zum Spielball im Kalten Krieg wurden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Auseinandersetzung mit Aspekten der Entstehung und der Stabilisierung von humanitärem und demokratischem Denken in einem vormals totalitären Staat leistet einen Beitrag zu aktuellen (Forschungs-)Debatten um politische Aushandlungsprozesse und der Suche nach einem demokratischen Minimalkonsens über Parteigrenzen hinweg.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit ehemaligen Mitarbeiterinnen des ZK der SED, welche die Aktivitäten Bähnischs und des Deutschen Frauenrings (DFR) überwachten und dokumentierten. Mich interessiert, wie sie ihre Arbeit in der Retrospektive bewerten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine Studie, die zeigt, dass Networking und die Fähigkeit zur Selbstinszenierung nicht erst in der Gegenwart ungeahnten Einfluss ermöglichen.

»Nadine Freund zeigt, wie spannend Verbandsgeschichte sein kann.«
Ulrich Brömmling, DHIVA, Sommer 2020
Besprochen in:
H-Soz-u-Kult, 14.02.2019, Marianne Zepp
Autor_in(nen)
Nadine Freund
Buchtitel
Die Verwaltungsjuristin Theanolte Bähnisch (1899–1973) und der Deutsche Frauenring Vom reformorientierten Preußen zur bundesdeutschen Westbindung – eine Wirkungsgeschichte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
1152
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-4217-9
DOI
10.14361/9783839442173
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLW3
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD NHTB
Erscheinungsdatum
4. September 2018
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Geschichte, Erziehungswissenschaft, Verwaltung, Rechtswissenschaft, Biographieforschung sowie Praktiker_innen im Bereich der Frauenbewegung und der Sozialdemokratie
Schlagworte
Theanolte Bähnisch, Deutscher Frauenring, Niedersachsen, Frauenbewegung, Westbindung, Weimarer Republik, Europäische Bewegung, Biographie, Kulturgeschichte, Deutsche Geschichte, Zeitgeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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