Vir inversus – Männlichkeiten im spanischen Schelmenroman

Mit dem anonym publizierten Lazarillo de Tormes erscheint 1554 der erste Schelmenroman der Weltliteratur. Die Hauptfigur, der pícaro, gilt als Kleinkrimineller, der in locker miteinander verwobenen Episoden seine Lebensgeschichte erzählt und dabei aus der Froschperspektive des Außenseitermilieus einen kritischen Blick auf die Gesellschaft wirft. Er selbst und seine wechselnden Herren sind männlichen Geschlechts; seine Abenteuer handeln von Gewalt, Ehre und sozialer Ungleichheit.

Gregor Schuhen nimmt dies zum Anlass, die novela picaresca aus Sicht der Männlichkeitsforschung zu beleuchten und nach den spezifisch männlichen Praktiken und Idealvorstellungen zu fragen, die darin auf satirische Weise verhandelt werden.

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2018-04-23, 466 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4229-2

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Gregor Schuhen

Gregor Schuhen, Universität Koblenz-Landau, Koblenz-Landau, Deutschland

... mit Gregor Schuhen

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Schelmenroman ist aktueller denn je: Es geht darin um soziale Ausgrenzung, Armutsmigration sowie strukturelle und physische Gewalt gegen die unteren Stände. Auch wenn der Erzählton häufig heiter ist, bleibt einem oft genug das Lachen im Halse stecken. Die Aktualität des Genres zeigt sich auch am derzeitigen Boom neuer Schelmenromane, etwa von Daniel Kehlmann, Ingo Schulze oder Michael Köhlmeier. Ich untersuche vor allem den ersten aller Schelmenromane, den anonym erschienenen Lazarillo de Tormes aus dem Jahr 1554.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die brutale Welt des Schelmenromans ist eine Männerwelt, Frauen spielen darin eher Nebenrollen. Der Schelm arbeitet zumeist als Diener verschiedener Herren (Kleriker, niederer Adel, Handwerker, etc.) und muss seine eigenen Überlebensstrategien gegen den Geiz, die Gewalt und die Ausbeutung seiner Vorgesetzten entwickeln. Seine Existenz bleibt in diesem Wolfsspiel stets prekär. Mein Buch stellt den ersten Versuch dar, dieses männerdominierte Genre aus Sicht der Masculinity Studies zu untersuchen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Aufgrund der anhaltenden Aktualität des Schelmenromans gibt es einige Fragen, die sich an aktuelle Debatten anschließen lassen: Wie geht die Gesellschaft mit ihren schwächsten Mitgliedern um? Welche Rolle spielen äußerer Schein und impression management für den sozialen Aufstieg? Wie hängen Armut, Exklusion und Migration zusammen? Welche Rolle spielen Geburt, Herkunft und Stand - damals und heute? Diese Fragen werden bereits in den Schelmenromanen des 16. und 17. Jhds verhandelt und sind derzeit brisanter denn je.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Da der Schelmenroman sich mit Fragen von Armut, Prekarisierung und Sozialdeterminismus beschäftigt, wäre es spannend für mich, mit einem Armutsforscher darüber zu diskutieren, etwa mit Christoph Butterwegge. Darüber hinaus würde ich gerne mit zeitgenössischen Autoren über die derzeitige Popularität des Genres sprechen, etwa mit Kehlmann, Schulze oder Köhlmeier. Warum leben wir wieder in einer Zeit, die das Krisen-Genre Schelmenroman wiederentdeckt hat?

5. Ihr Buch in einem Satz:

Mein Buch ist der erste umfassende Versuch, die Welt des Schelmenromans als das zu untersuchen was sie vor allem ist – a man's world.

Autor_in(nen)
Gregor Schuhen
Buchtitel
Vir inversus – Männlichkeiten im spanischen Schelmenroman
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
466
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4229-2
DOI
Warengruppe
1566
BIC-Code
DSB JFSJ
BISAC-Code
LIT004280 SOC032000 LIT000000
THEMA-Code
DSB JBSF
Erscheinungsdatum
2018-04-23
Auflage
1
Themen
Geschlecht, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Masculinity Studies, Romanistik, Geschichte
Schlagworte
Schelmenroman, Spanien, Frühe Neuzeit, Männlichkeitsforschung, Lazarillo de Tormes, Literatur, Geschlecht, Spanische Literatur, Gender Studies, Allgemeine Literaturwissenschaft, Romanistik, Literaturwissenschaft

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