Dinge – Nutzer – Netze: Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen

Museen sind stets auch virtuelle Räume: Als Einrichtungen des gemeinsamen Erinnerns schlagen sie Brücken zwischen dem An- und Abwesenden, der Materialität ihrer Exponate und einer Vergangenheit, die nur in ihren Hinterlassenschaften ihr Wirklichsein zu behaupten vermag. Dennoch sind in einer Gesellschaft, für die Virtualität Normalität geworden ist, die Institution Museum und ihr Umgang mit den längst nicht mehr ›neuen‹ Medien nach wie vor Austragungsorte erhitzter Debatten über das ›Echte‹, das ›Authentische‹ und die Erfahrbarkeit des Wirklichen. Dennis Niewerth geht der Frage nach, worin die »Virtualisierung des Musealen« besteht. Und er zeigt, was das Museum als Bollwerk der Kulturpädagogik im Sinne einer »Musealisierung des Virtuellen« einer Gesellschaft anzubieten hat, die unter der Fülle ihrer Erinnerungen begraben zu werden droht.

39,99 € *

2018-09-27, ca. 426 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4232-2

Dieser Artikel erscheint am 27. September 2018

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Dennis Niewerth

Dennis Niewerth, Deutsches Schifffahrtsmuseum – Leibniz-Institut für Maritime Geschichte (Bremerhaven), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Thema Digitalisierung und mit ihm jenes der »virtuellen Museen« ist in der Museumswissenschaft und -praxis präsent wie kaum ein anderes. Jedoch scheint der Museumsbetrieb noch sehr in der Idee befangen zu sein, mit digitalen Medien deute sich für die Institution Museum ein Bruch an: zwischen dem ›Echten‹ und der Kopie, zwischen Innen und Außen, Didaktik und Entertainment. Diese Diskussion gilt es neu aufzurollen – unter Berücksichtigung der medialen Voraussetzungen des Dispositivs »Museum« ebenso wie jener der Realitäten digitaler Technik.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meinem Buch spreche ich ganz bewusst nicht vorrangig von »Digitalität«, sondern von »Virtualität« – und zeige auf, dass diese Eigenschaft digitaler Medien auch dem Museum als Vermittlungseinrichtung immer schon innegewohnt hat. Die Arbeit fragt zwar durchaus nach den Transformationsprozessen, die das Museum unter dem Einfluss von Computertechnik nach innen und nach außen durchmacht, aber sie akzentuiert dabei Kontinuitäten und Anschlüsse anstelle von Brüchen – sowohl auf medienhistorischer als auch auf museumspraktischer Ebene.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Meine Monographie verortet sich im Grenzgebiet einer Bestandsaufnahme über bisherige Debatten zur Museumsvirtualisierung und dem Anspruch, diese im Sinne einer medienhistorischen und -theoretischen Aufarbeitung neu zu kontextualisieren. Sie ist keine Streitschrift, sondern ein Angebot an Museumsleute und Wissenschaftler, über die längst im Vollzug befindliche ›Musealisierung des Virtuellen‹ ebenso neu nachzudenken wie über die ›Virtualisierung des Musealen‹ – und damit auch darüber, was das Museum der modernen Informationsgesellschaft anzubieten hat.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wenn ich eine Zeitmaschine hätte, dann würde ich gern André Malraux (den französischen Schriftsteller und Kulturminister unter Charles De Gaulle, der die Idee eines ›imaginären Museums‹ entwarf) und Vannevar Bush (den amerikanischen Wissenschaftsmanager, der mittels der sog. Memex-Maschine den Abruf wissenschaftlicher Literatur optimieren wollte) an einen Tisch bringen. Dass diese beiden Zeitgenossen einander weder getroffen noch gelesen haben, halte ich für eine kleine Tragödie.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Museen sind immer virtuell gewesen, und diese ihre Wesensart gilt es vor dem Hintergrund der Digitalisierung neu zu entdecken und fruchtbar zu machen.

Autor_in(nen)
Dennis Niewerth
Buchtitel
Dinge – Nutzer – Netze: Von der Virtualisierung des Musealen zur Musealisierung des Virtuellen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 426
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4232-2
Warengruppe
1581
BIC-Code
GM JFD
BISAC-Code
ART059000 SOC052000
THEMA-Code
GLZ JBCT1
Erscheinungsdatum
2018-09-27
Auflage
1
Themen
Museum
Adressaten
Medienwissenschaft, Museumswissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Digital Humanities sowie Praktiker_innen im Bereich Museumsmanagement
Schlagworte
Museum, Virtualität, Kulturerbe, Digitalisierung, Neue Medien, Kulturmanagement, Museumswissenschaft, Digitale Medien, Mediengeschichte

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