Die postmigrantische Gesellschaft

Ein Versprechen der pluralen Demokratie

Das Erstarken rechtspopulistischer Bewegungen führt zu einer Normverschiebung in europäischen Gesellschaften und erzeugt Spannungen, die sich in Polarisierung widerspiegeln. Es geht dabei weniger um Migration selbst als um die Prozesse, die stattfinden, wenn Migrant*innen und ihre Nachkommen ihre Rechte einfordern. Die Frage des Umgangs mit Migration wird so zur Chiffre für Anerkennung von Gleichheit in demokratischen Gesellschaften.

Naika Foroutan zeigt, dass die Migrationsfrage zur neuen sozialen Frage geworden ist – an ihr werden Verteilungsgerechtigkeit und kulturelle Selbstbeschreibung ebenso wie die demokratische Verfasstheit verhandelt. »Wie hältst Du es mit der Migration?« steht für die Frage danach, was ausgehandelt werden muss, damit die plurale Demokratie zusammenhält. Die postmigrantische Gesellschaft ist also eine, die sich im Kontext der Debatten um den Stellenwert von Migration neu ordnet.

Auszeichnung

2. Platz auf der Liste Beste Sachbücher Oktober 2019 der WELT 

 

19,99 € *

2019-07-15, 280 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4263-6

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Naika Foroutan

Naika Foroutan, Humboldt Universität zu Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ausgangspunkt dieses Buches ist eine Normverschiebung in europäischen Gesellschaften. In 27 Parlamenten sind rechtspopulistische Parteien vertreten und die Erosion demokratischer Normen lässt sich am Umgang mit der Migrationsfrage, die vom Innenminister Deutschlands zur ›Mutter aller politischen Probleme‹ erklärt wird, ablesen. Die Migrationsfrage hat sich somit zur dominanten Chiffre für die Frage Europas nach seiner demokratischen Verfasstheit entwickelt. Sie ist die neue soziale Frage des 21. Jahrhunderts – an ihr entscheiden sich exemplarisch Fragen der Verteilungsgerechtigkeit, der kulturellen Selbstbeschreibung, der Normen- und Werteorientierung und der politischen Fremdwahrnehmung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch fragt, was passiert, wenn es nicht mehr darum geht, ob Deutschland ein Einwanderungsland ist, sondern die Frage in den Vordergrund tritt, wie dieses Einwanderungsland nach der Migration gestaltet wird und welche Konflikte dies mit sich bringt? Wer darf mitsprechen? Wer wird gehört? Was wird ausgehandelt? Dabei wird deutlich: Der Kernkonflikt in postmigrantischen Gesellschaften dreht sich nur an der Oberfläche um Migration – tatsächlich geht es um die Aushandlung von Anerkennung, Chancengleichheit und Teilhabe, die als umkämpfte Güter auch von Migrant*innen und ihren Nachkommen beansprucht werden. An Aufstieg, Emanzipation, Teilhabeansprüchen und Sichtbarkeit der Migrant*innen polarisieren sich die Gesellschaften Europas, weil Migrant*innen und ihre Nachkommen nach der Migration Anerkennung einfordern, die normativ versprochen aber empirisch nicht gewährt wird. Gleichzeitig gilt die Gleichheit neben Freiheit als zentrales Versprechen der modernen Demokratien, die sich auf Pluralität und Parität als Grundsatz berufen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch führt neben race, class und gender, als zentralen Differenzlinien der sozialen Ungleichheit, Migration als intersektionale Differenzkategorie an und diskutiert die Omnipräsenz des Migrationsdiskurses und seine Funktion als Metanarrativ. Über Migration werden derzeit in europäischen Gesellschaften Normen der pluralen Demokratie wie das Recht auf Anerkennung, Chancengleichheit und Teilhabe exemplarisch ausgehandelt. Die Dominanz des Migrationsdiskurses macht unsichtbar, dass dies auch andere marginalisierte Gruppen betrifft. Das Buch rückt daher zu den strukturellen und sozialen Prämissen, die in der Ungleichheitsforschung debattiert werden, kulturelle und identifikative Fragen der Abwertung in den Vordergrund und diskutiert eine paradigmatische Ausweitung der Integrationspolitik über die Migranten hinaus. Die Integrationsfrage müsste sich von der binären Logik emanzipieren, die Gesellschaft sei in Migrant*innen und Einheimische unterteilbar. Allein die quantitative Hybridiserung lässt diese binäre Codierung nicht mehr zu.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Kollegen und Kolleginnen aus anderen Ländern, um vergleichend zu erforschen, wie die postmigrantische Aushandlung von gesellschaftlichen Positionen und Privilegien in ihren Ländern beobachtet und diskutiert wird. Aber auch gerne mit interessierten Bürger*innen in Ost- und Westdeutschland – am liebsten in offenen Bürgerdialogen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Migrant*innen und ihre Nachkommen sind keine passiven Akteure – sie handeln nach der Migration auf Basis eines demokratischen Versprechens der Gleichheit ihre Rechte und Positionen aus und verändern damit die Gesellschaften fundamental.

O-Ton: »Wir können sagen: Wer Deutschland bewohnt, ist Deutscher« – Naika Foroutan im Interview in der Frankfurter Rundschau am 02.10.2019.
http://bit.ly/2p9MIal
O-Ton: »Junge Migranten fordern heute mehr Rechte
ein als ihre Eltern« – Naika Foroutan im Interview bei JUNG & NAIV am 01.09.2019.
http://bit.ly/2AQQh89
O-Ton: »Pluralität ist in unserer Verfassung verankert« – Naika Foroutan im Interview bei der Heinrich Böll Stiftung am 29.08.2019.
http://bit.ly/2lWOB8Q
O-Ton: »Die postmigrantische Gesellschaft im Blick« – Naika Foroutan im Gespräch bei DLF Kultur
https://www.deutschlandfunkkultur.de/naika-foroutan-im-gespraech-die-postmigrantische.974.de.html?dram:article_id=421770
Besprochen in:
www.derfreitag.de, Blog: Migration, 27.08.2019, Jamal Tuschick
www.textland-online.de, 28.08.2019 www.derfreitag.de, Blog: Migration, 03.09.2019, Jamal Tuschick
Deutschlandfunk Kultur – Buchkrititk, 03.09.2019, Matthias Dell
www.textland-online.de, 04.09.2019
Autor_in(nen)
Naika Foroutan
Buchtitel
Die postmigrantische Gesellschaft Ein Versprechen der pluralen Demokratie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
280
Ausstattung
kart., Klebebindung, 18 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-4263-6
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFN JHBA
BISAC-Code
SOC007000 SOC026000 POL010000
THEMA-Code
JBFH JHBA
Erscheinungsdatum
2019-07-15
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Flucht, Migration, Zivilgesellschaft
Adressaten
Sozialwissenschaft, Migrationsforschung, Soziologie, Politikwissenschaft, Islamwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Integration, Migration, Pluralität, Diversität, Demokratie, Rechtspopulismus, Islam, Muslime, Konflikt, Anerkennung, Gleichheit, Postmigrantisch, Privilegien, Deutschland, Einwanderungsland, Rassismus, Zivilgesellschaft, Flucht, Soziologische Theorie, Politische Soziologie, Soziologie

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