Kritik des Transhumanismus

Über eine Ideologie der Optimierungsgesellschaft

Der Transhumanismus ist eine Sozialtheorie, die die moralische Pflicht zur Überschreitung der Grenzen des Menschen formuliert. Im Kontext des Wandels hin zu einer Optimierungs- und Upgradekultur sowie der umfassenden Digitalisierung kommt einer solchen Sozialtheorie besondere Bedeutung zu. Aber kann man aus den gesellschaftlichen Veränderungen, die Leben und Körper, Kommunikation und Arbeit sowie Selbst- und Weltverhältnisse in der Tat zutiefst betreffen, wirklich die Anzeichen einer innerweltlichen transhumanen Erlösung herauslesen?

Die Autoren des Bandes zeigen Perspektiven auf, die diese gesellschaftlichen Wandlungsprozesse ernst nehmen, aber zu ihrer humanen Gestaltung aufrufen.

26,99 € *

2018-10-27, ca. 178 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4287-2

Erscheint voraussichtlich bis zum 27. Oktober 2018

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Weiterempfehlen

Dierk Spreen

Dierk Spreen, Deutschland

Bernd Flessner

Bernd Flessner, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland

Herbert M. Hurka

Herbert M. Hurka, »Ästhetik & Kommunikation«, »Badische Zeitung«, Deutschland

Johannes Rüster

Johannes Rüster, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Selbstoptimierung, Enhancement einerseits und die Digitalisierung andererseits bestimmen zunehmend Arbeit und Leben der Menschen. Der Transhumanismus beansprucht, die Weltanschauung zum Zeitgeist zu sein. Seine Anhänger und Protagonisten sitzen an einflussreichen Diskursschaltstellen, etwa Ray Kurzweil, der die technische Entwicklung bei Google leitet, oder der Philosoph Nick Bostrom, der das Future of Humanity Institute an der Universität Oxford gründete und heute noch leitet. Die Vordenker des Transhumanismus beanspruchen, die Substituierbarkeit des Menschen durch digitale Technologie und Künstliche Intelligenz radikal auszuloten. Sie verbinden damit aber auch die Forderung, diese Substituierbarkeitspotenziale radikal auszunutzen. Dass das problematisch ist, liegt auf der Hand, weil es am Ende immer um die Menschen gehen muss.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der Band stellt den Transhumanismus in neue Kontexte und eröffnet seiner Kritik damit neue Wege. Den vier Autoren geht es nicht darum, die Möglichkeit der technischen Erweiterung des Körpers oder der menschlichen Fähigkeiten zu verdammen, sondern darum, wie eine Welt, in der die enge Mensch-Maschine-Kooperation alltäglich ist, in der wir Cyborgs sind, human gestaltet werden kann. Beim besten Willen können wir aus in diesen Entwicklungen und Möglichkeiten eben kein »transhumanes«, den Menschen überwindendes Telos herauslesen. Deshalb heftet sich das Buch an die Spuren des ganz realen Transhumanismus in der Politischen Ökonomie, in dem es nach der Substituierung des Menschen durch KIs fragt und die Struktur eines inzwischen nachgerade »transhumanistischen« Arbeitsmarktes analysiert. Deshalb werden die mythischen Vorannahmen, die im Gewand digitaler Aufklärung daherkommen, rekonstruiert – womit die Kritik der Dialektik der Aufklärung um einen aktuellen Beitrag bereichert wird. Deshalb wirft das Buch einen Blick auf den transhumanistischen Künstler Srelarc, dessen künstlerische Praktiken sich als ein Paradigma dafür lesen lassen, wie ein transhumanistisch überwundener Körper in concreto aussehen könnte. Deshalb wird gezeigt, dass transhumanistische Denkfiguren, gerade weil sie gegenüber ihren Wurzeln in der Science-Fiction defizitär sind, ähnlich wie Scientology sogar eine quasi religionsförmige Qualität annehmen können.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Industrie 4.0, Digitalisierung, Automatisierung Datafizierung und Algorithmisierung sind aktuelle Forschungsfelder in den Sozial-, Kultur- und Wirtschaftswissenschaften. In diesem Feld verortet sich der Transhumanismus und selbstredend auch seine Kritik. Es ging uns aber nicht darum, einen weiteren Band für die Bibliotheken des Elfenbeinturms zu produzieren. Die Befassung mit den Themen hat unseres Erachtens unmittelbare politische Bedeutung. Gute Politik kann man aber nur machen, wenn man begreift, was sich vor unseren Augen und durch unser Handeln vollzieht. Zu diesem Begreifen soll das Buch einen kleinen Beitrag leisten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit der KI ›Theodor W. Adorno‹. Es kann ja nicht mehr lange dauern, bis sich aus seinen Büchern der Geist Adornos wird digital rekonstruieren lassen. Und im Übrigen mit Donna Haraway.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es kommt darauf an, die Zukunft menschlich zu gestalten, nicht darauf, den Menschen zu überwinden.

Buchtitel
Kritik des Transhumanismus Über eine Ideologie der Optimierungsgesellschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 178
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4287-2
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JHB PDR
BISAC-Code
SOC022000 TEC052000
THEMA-Code
JBCC JHB PDR
Erscheinungsdatum
2018-10-27
Auflage
1
Themen
Mensch, Technik, Körper
Adressaten
Gesellschaftswissenschaften, Zukunftsforschung, Kunstwissenschaften, Religionswissenschaften, Theologie, Medienwissenschaften sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Transhumanismus, Cyborg, Optimierung, Digitalisierung, Religion, Kunst, Körper, Technik, Mensch, Kultursoziologie, Techniksoziologie, Kulturwissenschaft, Soziologie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung