Durchbrochene Ordnungen

Das Dokumentarische der Gegenwart

Von der Entstehung technischer Analogmedien im 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart digitaler Medienpraktiken hinein ist eine Vielzahl dokumentarischer Formen entstanden. Im Zentrum dieses Bandes steht die Frage nach den Operationen, die im Rahmen unterschiedlicher Institutionen und Praktiken auf je spezifische Weise bild-, text- und tonmediale Elemente arrangieren, um so die Lesbarkeit, den Aussagewert und die Machtwirkungen des Dokumentierten zu steuern. Verschiedene Leitkonzepte spielen dabei eine zentrale Rolle: Das Dokumentarische 2.0 in den diversen Praktiken ubiquitärer Selbstdokumentation, etwa in Social Media (Neodokumentarismus), sowie das Dokumentarische zweiter Ordnung, das sich in kritischer Weise auf die Objektivitäts- und Evidenzansprüche dokumentarischer Wahrheiten bezieht und sie »gegendokumentarisch« unterläuft.

29,99 € *

27. Oktober 2020, 222 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4310-1
Dateigröße: 4.6 MB

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Friedrich Balke

Friedrich Balke, Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland

Oliver Fahle

Oliver Fahle, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

Annette Urban

Annette Urban, Ruhr-Universität Bochum, Bochum, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir befinden uns in einer Epoche exzessiven Dokumentierens. Plattformen, Online-Formate, mobile und soziale Medien, Fernsehen, Vlogs, Posts, webbasierte Selbstdokumentationen, aber auch klassische Print-Nachrichtenmagazine: Die Gegenwart ist eine Zeit des entfesselten Dokumentierens, in der Ereignisse in Text, Bild und Ton über digitale Kanäle rasant verbreitet und verarbeitet werden. Bislang gibt es keine wissenschaftliche Veröffentlichung, die die ganze Breite der Formen und Funktionen des Dokumentierens über Medien- und Diskursgrenzen hinweg untersucht und die gegenwärtigen digitalen Praktiken in eine medienhistorische Perspektive rückt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit dem Dokumentarischen etabliert der Band eine operative Perspektive auf seinen Gegenstand: Nicht, was Dokumente sind, steht im Mittelpunkt der Beiträge, sondern welche Praktiken und medientechnische Innovationen, welche Rahmungen und Zuschreibungen das Feld des Dokumentierbaren hervorbringen und transformieren und welche Regeln dokumentarischer Glaubwürdigkeit jeweils zur Anwendung kommen. Zugleich werden in den Beiträgen die von diesen Praktiken untrennbaren Ausschließungseffekte mithilfe eines Konzepts des Gegen/Dokumentarischen reflektiert und beschrieben, das sich an den blinden Flecken einer jeden dokumentarischen Ordnung abarbeitet und sie als durchbrochene erkennen lässt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Band greift die Impulse der jüngeren Forschung, die das Dokumentarische über die Grenzen der Disziplinen hinweg untersucht, auf und stellt sich der aktuellen Konjunktur der Erforschung dokumentarischer Praktiken auf zwei Ebenen: Die Effekte der Ausweitung des Dokumentarischen durch die sensortechnische Erfassung unseres alltäglichen Lebens sowie die populistische Infragestellung dokumentarischer Wahrheitsansprüche durch politisch motivierte Fiktionalisierungen (post-truth, deep fakes, conspiracy documentaries).

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Wissenschaftler*innen, die sich für die dokumentarische Mobilmachung der modernen Kultur seit 1800 interessieren und in diesem Zusammenhang die Rolle von Datenpraktiken wie der Statistik, literarischen Genres wie der Reportage, aber auch der Fotografie und des Films behandeln. Und mit Künstler*innen, die wie Hito Steyerl einen epochalen Wandel in unseren Erwartungen an dokumentarische Formen diagnostizieren und sich sowohl essayistisch als auch künstlerisch-performativ mit den aktuellen Dokumentarismen im Kunstfeld auseinandersetzen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch untersucht in historisch und medial breit gefächerten Fallstudien vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart, welche Operationen es sind, die die spezifischen Machtwirkungen des Dokumentarischen verbürgen und mit welchen Verfahren es gelingt, den Wirklichkeitsanspruch dokumentarischer Formen zu erweitern oder zu bestreiten.

Autor_in(nen)
Friedrich Balke / Oliver Fahle / Annette Urban (Hg.)
Buchtitel
Durchbrochene Ordnungen Das Dokumentarische der Gegenwart
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
222
Ausstattung
3 SW-Abbildungen, 31 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-4310-1
DOI
10.14361/9783839443101
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD DSB AC
BISAC-Code
SOC052000 HIS054000 LIT000000 ART015000
THEMA-Code
JBCT DSB AGA
Erscheinungsdatum
27. Oktober 2020
Themen
Medien, Literatur, Kunst
Adressaten
Medienwissenschaft, Kunstgeschichte, Germanistik, Komparatistik, Filmwissenschaft
Schlagworte
Medien, Film, Kunst, Literatur, Kultur, Dokumentation, Archiv, Fotografie, Mediengeschichte, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft

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