Unsicheres Mitleid

Eine Begriffssuche im Ausgang von Wittgenstein

Wie kaum ein anderes Gefühl ist Mitleid von Unsicherheiten geprägt: Der Begriff »Mitleid« wird widersprüchlich verwendet – aber auch das Gefühl selbst kann schwanken. Dies wirft Fragen der Angemessenheit auf.

Georg Sillers genaue Lektüre Ludwig Wittgensteins zeigt, dass solche Unbestimmtheiten jedoch nicht als Defizite gesehen werden müssen: Erstens sind psychologische Begriffe in ihrer Bedeutungsvielfalt Teil unserer Lebensform und damit mehr als die Bezeichnung von Zuständen, zweitens stellt schwankendes Mitleid eine ganz eigene Haltung dar – und zwar häufig die des Respekts. Diese Perspektive ermöglicht neue Zugriffe auf Aristoteles, Nietzsche, Brecht, Arendt sowie die Neuropsychologie – und nicht zuletzt auf Wittgenstein selbst.

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2018-06-20, 264 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4322-0

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Georg Siller

Georg Siller, Meran, Italien

... mit Georg Siller

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Es gibt zwar schon einiges an philosophischer Literatur über das Mitleid, doch fehlt bislang ein sprachphilosophischer Zugang, der die Bedeutungsvielfalt von Mitleidsbegriffen berücksichtigt. Für einen solchen Zugang eignet sich der Ansatz des späten Wittgenstein ausgesprochen gut: Er geht davon aus, dass wir erstens mit psychologischen Begriffen ganz Unterschiedliches bezeichnen können, und dass wir zweitens mit diesen Begriffen sehr viel mehr machen als Phänomene zu bezeichnen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es sind – stark zusammengefasst – drei Perspektiven: Da ist einmal die Einsicht, dass eine kontextunabhängige Definition von ›Mitleid‹ gar nicht möglich ist. Dann wird im Buch immer wieder aufgezeigt, dass schwankendes Mitleid seinem Objekt mehr Autonomie, weil mehr Widersprüchlichkeit ermöglicht. Und schließlich greift gerade die Berücksichtigung solcher Widersprüchlichkeiten auf eine Neuinterpretation von Wittgensteins ›Aspekt-Wahrnehmen‹ zurück.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Wittgenstein selbst besitzt ungebrochene Aktualität. Aber auch die philosophische Auseinandersetzung mit Emotionen hat sich in letzter Zeit intensiviert, und hier finden vor allem jene Theorien breitere Zustimmung, die von der Vielgestaltigkeit einzelner Emotionen ausgehen. Es ist insofern erstaunlich, dass die Brücke zu Wittgenstein bisher nur selten geschlagen wurde. Mit ihm lässt sich z.B. eine einseitige Fokussierung auf Neurologie überzeugend hinterfragen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Texte Wittgensteins zu lesen, heißt auch, in einen Dialog mit ihm zu treten. Man kann also sagen, dass in diese Richtung schon etwas geschehen ist. Unabhängig davon diskutiere ich das Buch jedoch sehr gern mit allen, die grundsätzlich bereit sind, Gefühle mit Ambivalenzen in Verbindung zu bringen, egal, ob sie nun Wittgensteins Philosophie näher oder ferner stehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Unsicherheiten im Mitleid oder im Umgang mit ihm dürfen nicht als Defizite gesehen werden; sie sind wertvoller Teil menschlicher Lebensform.

Autor_in(nen)
Georg Siller
Buchtitel
Unsicheres Mitleid Eine Begriffssuche im Ausgang von Wittgenstein
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
264
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4322-0
DOI
10.14361/9783839443224
Warengruppe
1521
BIC-Code
HPC HPCF5 HPS
BISAC-Code
PHI009000 PHI039000 PHI034000
THEMA-Code
QDH QDHR9 QDTS
Erscheinungsdatum
2018-06-20
Auflage
1
Themen
Sozialität, Ethik
Adressaten
Philosophie, Emotionstheorie, Psychologie, Ethik, Kulturwissenschaften
Schlagworte
Mitleid, Emotion, Respekt, Philosophie der Emotionen, Wittgenstein, Aspektwahrnehmung, Aristoteles, Friedrich Nietzsche, Bertolt Brecht, Hannah Arendt, Sozialität, Ethik, Philosophiegeschichte, Analytische Philosophie, Sozialphilosophie, Philosophie

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