Die Unterweisung des Blicks

Visuelle Erziehung und visuelle Kultur im langen 19. Jahrhundert

Um 1800 entstand im deutschsprachigen Raum ein neues, von der Forschung bislang nicht als solches beschriebenes visuelles Regime, das die Sehgewohnheiten von Wissenschaftlern und Künstlern bis in die Moderne hinein prägte. Tobias Teutenberg zeigt: Die Ursprünge dieses Regimes liegen in der Anschauungs- und Zeichenpädagogik, wo Didaktiker wie Johann Heinrich Pestalozzi auf mathematischer Grundlage normative Methoden zur Systematisierung des Sehens entwickelten. Durch Publikationen und Adlaten verbreitete sich der pädagogischer Wahrnehmungsstil weiträumig. Er fand nicht nur Eingang in die Bildungssysteme der Zeit, sondern auch in die Kunstgeschichte, Psychologie und bildende Kunst.

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2019-06-13, 352 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4326-8

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Tobias Teutenberg

Tobias Teutenberg, Kunsthistoriker, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Thema visuelle Erziehung ist aktuell von großer Brisanz. Auf den Sehsinn fokussierte Regulationspraktiken sind nicht nur essentieller Bestandteil der Arbeitswelt, in der professionalisierte Augen immerzu kontrollieren, überblicken, beaufsichtigen, etc. Sie haben sich längst schon vom Körper gelöst: Googles Gier nach Bilddatenbanken und Fotoarchiven dient der Speisung unersättlich ikonophager Algorithmen, die man mit kognitiven Fähigkeiten zur Wiedererkennung, Verknüpfung und Kategorisierung visuellen Materials auszustatten gedenkt. Man muss kein Prophet sein, um erahnen zu können, dass diese fortschreitende Automatisierung des Sehens gravierende zivile wie auch militärische Konsequenzen für die Menschheit des 21. Jahrhunderts haben wird. Schon deshalb ist es von Interesse, sich als Historiker der Wahrnehmung mit den systematischen Anfängen der Augenerziehung im langen 19. Jahrhundert zu befassen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Geschichte des Sehens zu schreiben, ist ein Unterfangen, das bereits aus vielen verschiedenen Blickwinkeln angegangen wurde. Mein Verfahren unterscheidet sich von diesen Vorarbeiten insofern, als dass ich mich auf die Konditionierung des Auges durch die (Zeichen-)Pädagogik des langen 19. Jahrhunderts konzentriere und zugleich die Folgen dieser Einflussnahme für Beobachtungsdisziplinen wie der Kunstgeschichte, der Psychologie oder der bildenden Kunst aufzeige. Durch diese Herangehensweise war es möglich, der Riege der in dieser Zeitspanne aktiven visuellen Regime ein weiteres, bisher verborgen gebliebenes hinzuzufügen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Auf den Körper bezogene Regulationsutopien aufzuarbeiten, ist seit vielen Jahrzehnten über alle Ländergrenzen hinweg ein etabliertes Anliegen gleich einer ganzen Reihe von Geisteswissenschaften. Mein Buch steht in dieser Tradition und es wäre undenkbar ohne den Bezug zu den in diesem Zusammenhang entstandenen Körperdiskursgeschichten des 20. Jahrhunderts. Zugleich setzt es aber auch einen ganz eigenen Akzent, indem es neue Quellen erschließt und miteinander in Beziehung bringt, die bislang nicht in die Diskussion eingingen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich bin dankbar für den regen Austausch, den ich mit Expertinnen und Experten auf dem Feld der visuellen Kultur des 19. Jahrhunderts unterhalte. Interessant wäre es natürlich zu erfahren, was die entscheidenden Theoretiker der Sozialgeschichte des Sehens - Heinrich Wölfflin, Michael Baxandall oder Michel Foucault - zu den neuen Entwicklungen auf ihrem Spezialgebiet zu sagen hätten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine Studie zur Geschichte des Sehens im langen 19. Jahrhundert – eines Sehens, dass in dieser Zeit einem starken, für die visuellen Praktiken diverser Beobachtungsdisziplinen folgenreichen Regulationsdruck unterlag, der maßgeblich von Seiten der (Zeichen-)Pädagogik ausging.

Autor_in(nen)
Tobias Teutenberg
Buchtitel
Die Unterweisung des Blicks Visuelle Erziehung und visuelle Kultur im langen 19. Jahrhundert
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
352
Ausstattung
kart., Klebebindung, 133 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-4326-8
DOI
Warengruppe
1581
BIC-Code
AB ACV JNA
BISAC-Code
ART009000 ART015100 EDU016000
THEMA-Code
AB AGA JNB
Erscheinungsdatum
2019-06-13
Auflage
1
Themen
Bildung, Kunst
Adressaten
Bildende Kunst, Kunstgeschichte, (Zeichen-)Pädagogik, Psychologie, Soziologie
Schlagworte
Sehen, Bildende Kunst, Geschichte des Zeichnens, Kunstgeschichte, Geschichte der Pädagogik, Johann Heinrich Pestalozzi, Geschichte der Psychologie, Kunst, Bildung, Kunstpädagogik, Kunstgeschichte des 19. Jahrhunderts, Bildungsgeschichte, Kunstwissenschaft

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