Verloren Gehen in den Polargebieten der Literatur

Subjekt und Raum bei Edgar Allan Poe und Christoph Ransmayr

Was passiert, wenn Texten die Protagonisten abhanden kommen? Das ›Verloren Gehen‹ literarischer Subjekte in den Polargebieten steht im Zentrum von Markus Gottschlings raum- und literaturtheoretischen Überlegungen. Anhand von Romanen Edgar Allan Poes und Christoph Ransmayrs untersucht er erstmals strukturell verwandte Leerstellen in Raumtheorie und Polarliteratur. Er kann damit zeigen, dass sich in den Möglichkeiten und Bedingungen räumlichen Erzählens die methodische Unschärfe räumlicher Theoriebildung spiegelt – etwa bei Deleuze/Guattari oder Certeau. Sie ist zugleich aber Bedingung für ein Erzählen der Absenz: Die ›verloren gegangenen‹ Figuren sind Symbole eines Erzählens, das scheitern muss, um zu neuer Erzählung zu führen.

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2018-07-12, 334 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4329-9

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Markus Gottschling

Markus Gottschling, Universität Tübingen, Tübingen, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Polargebiete sind absolute Schreckens- wie Faszinationsräume. Dieses Spannungsverhältnis sucht auch die Literatur nachzuvollziehen. Mit dem Verschwinden von Figuren und der literarischen Spurensuche durch Erzähler hat sie eine Ausdrucksform gefunden, die den Schrecken wie die Faszination des Eises nachvollziehbar macht – und zugleich das Erzählen selbstreflexiv werden lässt. Die Leere der Polargebiete ist Bedingung für ein solches Erzählen, aber auch Grundlage für dessen Analyse.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Dass sich raumtheoretische Fragestellungen für die Analyse von Polargebietsliteratur eignen, ist keine Überraschung. Der im Buch vorgenommene subjektphilosophische Blick auf die Raumtheorie eröffnet aber den Blick auf eine Struktur komplexer Differenzierungen: Bewegung, Orientierung und Verschwinden im Raum sowie deren Literarisierung durch Narration sind in einen Komplex von Dichotomisierungen eingebunden, an deren Umschlagspunkten die Erzählung das eigene Scheitern verhandeln kann.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Dichotomie und Differenz sind in Verruf geraten: Sie produzieren Hierarchien und Grenzen, sie in- und exkludieren. Das Buch will die Wirkmächtigkeit dieser Konzepte besonders im Hinblick auf die wechselseitige Beziehung von Raum und Subjekt aufzeigen und damit einen Gegenpunkt setzen – einerseits zur reinen Affirmation entdifferenzierender Lesarten raumtheoretischer Texte, andererseits zur Absage an die Produktivität der Dichotomie und ihre Auflösung, etwa in Ähnlichkeitskonzepte.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Wenn es denn noch möglich wäre, hätte ich gerne Georges Perec zu seinen Texten befragt – gerade weil diese keine große Rolle in meinem Buch spielen und ich mich ihnen nur als Leser zu nähern wage.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch zeigt, warum gerade das erzählerische Scheitern an verschwundenen Figuren zu einer Möglichkeit neuer Literatur wird.

Autor_in(nen)
Markus Gottschling
Buchtitel
Verloren Gehen in den Polargebieten der Literatur Subjekt und Raum bei Edgar Allan Poe und Christoph Ransmayr
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
334
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4329-9
DOI
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB
BISAC-Code
LIT000000 LIT004170 LIT004020
THEMA-Code
DSB
Erscheinungsdatum
2018-07-12
Auflage
1
Themen
Raum, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Philosophie, Kulturwissenschaft, Germanistik, Amerikanistik
Schlagworte
Raum, Subjekt, Literatur, Polargebiete, Raumtheorie, Gilles Deleuze, Michel De Certeau, Christoph Ransmayr, Edgar Allan Poe, Allgemeine Literaturwissenschaft, Germanistik, Amerikanistik, Literaturwissenschaft

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