Resilienz im Krisenkapitalismus

Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit

Ob Stress, Erschöpfung, Armut, Klimawandel oder Neoautoritarismus: Die Krisenförmigkeit des Gegenwartskapitalismus ist unübersehbar. Mit »Resilienz« wird vor diesem Hintergrund nicht zufällig eine Norm der Selbst- und Menschenführung populär, die die flexible Anpassungsfähigkeit von Subjekten und Systemen an eine prinzipiell krisenförmige Umwelt propagiert. Wer resilient ist, so die Botschaft, bleibt auch in unsicheren Zeiten erfolgreich, glücklich und gesund. Gesellschaftliche Strukturbedingungen werden dabei tendenziell unsichtbar.

Stefanie Graefe unterzieht die aktuelle Konjunktur der Resilienz einer kritischen Überprüfung und fragt nach dem Preis, den wir für das Lob der Krisenfestigkeit zahlen müssen.

17,99 € *

2019-08-28, 234 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4339-2
Dateigröße: 2.3 MB

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Stefanie Graefe

Stefanie Graefe, Friedrich-Schiller-Universität Jena, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir leben in einer Zeit vielfältiger Krisen und Umbrüche und damit in einer Zeit, in der Lösungsangebote gesucht und – vermeintlich jedenfalls – gefunden werden. Resilienz ist ein solches Angebot. Grund genug, es genauer unter die Lupe zu nehmen, und das tue ich in meinem Buch. Dabei interessiere ich mich besonders für Resilienz als normatives Konzept, also für die Frage, welche Vorstellungen des ›guten Lebens‹ mit Resilienz verknüpft werden.

2. Welche Bedeutung kommt dem Thema in aktuellen gesellschaftlichen Debatten zu?

Auch wenn der Begriff Resilienz im Alltagsdeutsch noch nicht voll angekommen ist: In politischen und wissenschaftlichen Debatten boomt er, quer durch unterschiedlichste Sparten und Disziplinen. Ob gestresste Arbeitnehmer*innen, bedrohte Regenwälder oder Finanzmärkte: alle(s) mögliche kann und soll resilienter, und das heißt im Kern: anpassungsfähiger werden. Aus meiner Sicht vollzieht sich hier eine bedeutsame Trendwende, der ich in meinem Buch auf die Spur zu kommen versuche.

3. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ausgehend vom Zusammenhang von Erschöpfung und Arbeit zeige ich, wie die Bearbeitung der destruktiven Folgewirkungen neoliberaler Vermarktlichung im Zeichen von Resilienz in das Subjekt zurückdelegiert wird. Resilienz lässt sich somit als eine spezifische Antwort auf das so genannte ›Problem der Autonomie‹ in der Arbeit begreifen. Aber auch in pädagogisch-psychologischen oder sozialpolitischen Diskursen wird statt Autonomie, Kritikfähigkeit oder sozialen Rechten zunehmend die ›Kunst der Adaption‹ beworben.

4. Welche besonderen Aspekte kann die wissenschaftliche Betrachtung in die öffentliche Diskussion einbringen?

Wie immer, so auch hier: Mit Glück den einen oder anderen interessanten Gedanken, der aus der Zusammenführung unterschiedlicher Fragen und Untersuchungsfelder hervorgeht.

5. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die daran interessiert sind, die derzeitige Krisen- und Übergangssituation genauer zu verstehen und die auf die eine oder andere Weise das Geschäft der Gesellschaftskritik, das beileibe nicht nur eine Angelegenheit hauptberuflicher Sozialwissenschaftler*innen ist, betreiben.

6. Ihr Buch in einem Satz:

Die Botschaft der Resilienz lautet: Wer sich nicht anpasst, lebt verkehrt. Ich zeige, dass und warum ein solches Handlungsideal hochgradig problematisch ist.

Autor_in(nen)
Stefanie Graefe
Buchtitel
Resilienz im Krisenkapitalismus Wider das Lob der Anpassungsfähigkeit
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
234
ISBN
978-3-8394-4339-2
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFH MBS JHBL
BISAC-Code
SOC057000 SOC026000 SOC041000
THEMA-Code
JBFN MBS JHBL
Erscheinungsdatum
2019-08-28
Themen
Medizin, Neoliberalismus, Zeitdiagnose, Arbeit
Adressaten
Soziologie, Kulturwissenschaften, Politikwissenschaft, Psychologie sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Resilienz, Neoliberalismus, Gouvernementalitätsstudien, Subjekttheorie, Postdemokratie, Krise, Medizin, Arbeit, Medizinsoziologie, Arbeits- und Industriesoziologie, Kapitalismus, Soziologie

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