Die Säkularisierung des Exodus

Zur Narration von politischer Emanzipation bei Sigmund Freud, Thomas Mann, Michael Walzer und Paolo Virno

Widerstand gegen Unterdrückung und Ausbeutung wird durch physische Abscheu, theoretischen Widerspruch und in einem großen Maß durch Mythen über eine machbare Befreiung animiert. Aus diesem Grund inspiriert die Erzählung des Exodus der Israeliten aus Ägypten auch heute noch dazu, für soziale Gerechtigkeit zu kämpfen. Laurin Mackowitz' Vergleich von Sigmund Freuds, Thomas Manns, Michael Walzers und Paolo Virnos Auseinandersetzungen mit dem Exodus zeigt allerdings, dass dieser Mythos nicht nur zur narrativen Verankerung von Gerechtigkeit und Freiheit, sondern ebenso zur Konstruktion nationaler Identitäten und Legitimierung despotischer Politiken benutzt werden kann.

Open Access

2019-06-04, 236 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4374-3
Dateigröße: 1.67 MB

Weiterempfehlen

Laurin Mackowitz

Laurin Mackowitz, Universität Innsbruck, Österreich

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Konfrontiert mit dem Totalitarismus utopischer Gesellschaftsentwürfe sieht sich emanzipatorisches Denken in einer Zwickmühle: Entweder müssen radikale Forderungen aufgegeben werden und gesellschaftliches Handeln sich auf gemäßigte Möglichkeiten beschränken oder es wird, mit dem Festhalten am Anspruch nach einer grundlegenden Neuorganisation der Gesellschaft, Barbarei und Totalitarismus riskiert. Die Reflexion des politischen Narratives des Exodus ermöglicht utopischem Denken diese Untiefen zu umschiffen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Durch die Verknüpfung biblischer und säkularer Bedeutungen von Unterdrückung und Emanzipation werden eine Reihe politischer Motive in ihrer Vielgestalt sichtbar. Beispielsweise zeigt sich das Fremde in Gestalt des schrecklichen Eroberers oder des ansteckenden Minderwertigen, aber auch als versprochene Zukunft und unfassbares Wunder. Das Eigene gewinnt die Bedeutungen der Gleichheit, der Verpflichtung und der Offenheit.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Erörterung, wie Säkularisierung, religiöse Gewalt, revolutionäre Strategien und emanzipatorische Narrative zusammenhängen, versteht sich als Beitrag zur skeptischen Religionsphilosophie, zur politischen Anthropologie und zur Geschichtsphilosophie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Das Buch richtet sich nicht nur an akademische Fachdisziplinen wie Philosophie, Theologie, Literaturwissenschaft oder Soziologie, sondern auch an Aktivist*innen der Zivilgesellschaft. Mit diesen würde ich gerne darüber diskutieren, in welchem Verhältnis emanzipatorische Praktiken zu modernen Exodus-Interpretationen stehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Interpretation des biblischen Exodus zum Narrativ der Emanzipation eröffnet neue Perspektiven für emanzipatorisches Denken und Handeln.

Autor_in(nen)
Laurin Mackowitz
Buchtitel
Die Säkularisierung des Exodus Zur Narration von politischer Emanzipation bei Sigmund Freud, Thomas Mann, Michael Walzer und Paolo Virno
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
236
ISBN
978-3-8394-4374-3
DOI
Warengruppe
1521
BIC-Code
JFC HP HPS
BISAC-Code
PHI034000 PHI019000
THEMA-Code
JBCC QD QDTS
Erscheinungsdatum
2019-06-04
Themen
Politik, Religion
Adressaten
Philosophie, Theologie, Politikwissenschaft, Soziologie, Literaturwissenschaft
Schlagworte
Politische Theologie, Geschichtsphilosophie, Sigmund Freud, Thomas Mann, Michael Walzer, Paolo Virno, Operaismus, Judentum, Emanzipation, Exodus, Mythos, Soziale Gerechtigkeit, Religion, Politik, Kulturphilosophie, Politische Philosophie, Philosophie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung