Zwischen Bialystok und Berlin-Westend

Eine ethnografische Studie zu den Begegnungen von Polinnen und Deutschen in informellen Hausarbeitsverhältnissen

Die Schattenökonomie in Berliner Privathaushalten ist ein gutes Beispiel für die internationale Arbeitsteilung, wie sie sich mit der Globalisierung herausgebildet hat. An den alltäglichen Begegnungen polnischer Putzfrauen und ihren deutschen Arbeitgeberinnen ist abzulesen, wie sich das polnisch-deutsche Verhältnis im persönlichen Umgang neu konstituiert. Die ethnografische Studie von Ute Frings-Merck lässt die Akteurinnen zu Wort kommen, beschreibt ihr Changieren zwischen Nähe und Distanz, zeigt ihre widerstreitenden Ambitionen auf und entdeckt dabei kulturelle Imaginationen und Zuschreibungen, die den alltäglichen Praktiken zu Grunde liegen: Die Vergangenheit, die beide Nachbarländer verbindet, ist unausweichlich.

ca. 34,99 € *

2018-07-03, ca. 274 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4521-1

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Ute Frings-Merck

Ute Frings-Merck, Humboldt-Universität zu Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die ›polnische Putzfrau‹ gehört inzwischen zur Ausstattung eines Mittelschichthaushalts wie der Zweitwagen. In Zahlen: 3,6 Millionen Haushalte, so das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft, beschäftigen eine Haushaltsarbeiterin, 80 Prozent der Arbeitsverhältnisse sind steuerlich nicht gemeldet. Das Phänomen ist bekannt und doch wissen wir wenig über die Akteurinnen, ihre Sehnsüchte und Ambitionen. In ihren Erzählungen wird ein überraschend komplexes Beziehungsgeflecht deutlich, das geprägt ist von ungeahnten Abhängigkeiten, kulturellen Imaginationen und stereotypen Zuschreibungen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In den Forschungen zur informellen Hausarbeit spielten bislang Arbeitgeberinnen – wenn überhaupt – eine untergeordnete Rolle. Die konsequente doppelte Forschungsperspektive in diesem Feld ist neu. In meinem Buch nehmen die Akteurinnen gleichberechtigte Positionen ein. Dies ermöglicht ungewöhnliche Einblicke in individuelle, oft widerstreitende Handlungsstrategien, die geprägt sind von Egalitätsbestrebungen und subversiver Gegenwehr ebenso wie von klammheimlichen Machtdemonstrationen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Der Fokus auf die polnisch-deutschen Beziehungen ergänzt die aktuellen Debatten um transnationale Arbeitsmigration und geschlechtsspezifische Arbeitsteilung. Das jahrhundertealte deutsch-polnische Migrationssystem rückt selbst als Akteur in den Blick ebenso wie der fortwährende Versuch, ein homogenes geographisches Gebiet Osteuropa zu konstruieren. Diese ›imaginäre Geographie‹ (Edward Said) mit ihren hierarchischen Subjektkonstruktionen verbindet die aktuelle globale Arbeitsteilung mit den Routen des Kolonialismus.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit meinen Gesprächspartnerinnen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Ich wäre total aufgeschmissen, wenn sie heute sagen würde, ich komm' nicht mehr.«
Autor_in(nen)
Ute Frings-Merck
Buchtitel
Zwischen Bialystok und Berlin-Westend Eine ethnografische Studie zu den Begegnungen von Polinnen und Deutschen in informellen Hausarbeitsverhältnissen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 274
ISBN
978-3-8394-4521-1
DOI
10.14361/9783839445211
Warengruppe
1726
BIC-Code
JFSJ JFFN JHMC
BISAC-Code
SOC032000 SOC007000 SOC002010
THEMA-Code
JBSF JBFH JHMC
Erscheinungsdatum
2018-07-03
Themen
Geschlecht, Migration, Arbeit
Adressaten
Europäische Ethnologie, Kulturanthropologie, Gender Studies
Schlagworte
Transnationale Arbeitsmigration, Polen-Deutschland, Informelle Haushaltsarbeit, Geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, Schattenwirtschaft, Globalisierung, Berlin, Ethnografie, Arbeit, Geschlecht, Migration, Gender Studies, Kulturanthropologie, Arbeits- und Industriesoziologie, Soziologie

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