Tanzmusik in der DDR

Dresdner Musiker zwischen Kulturpolitik und internationalem Musikmarkt, 1945-1961

In der frühen DDR changierte Tanz- und Unterhaltungsmusik zwischen Schlager, Swing und Rock 'n' Roll. Gleichzeitig verfolgten Partei und Staat die kulturpolitische Strategie, internationalen Musiktrends eine sozialistische, nationale Alternative gegenüberzustellen. Simon Bretschneider analysiert sowohl die bürgerliche Prägung und permanente Westorientierung dieses Diskurses wie auch die Versuche der Musikkapellen und Fans, die staatlich gesetzten Zwänge zu boykottieren. Am Beispiel der Stadt Dresden zeigt er, was für den gesamten Osten Deutschlands in den 1950ern zutreffen dürfte: Gegen den internationalen Musikmarkt hatte auch diktatorische Politik keine Chance.

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2018-10-09, 326 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4563-7

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Simon Bretschneider

Simon Bretschneider, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Tanzmusik abseits der Nischenkultur, also als Mainstream-Phänomen, ist für den Osten Deutschlands bisher noch nicht näher untersucht worden. Das gleiche gilt für den hier betrachteten Zeitraum, die 1940er und 1950er Jahre. Dabei war und ist konventionelle Tanzmusik ein wichtiger Faktor im Prozess des Erwachsenwerdens jedes Jugendlichen. Diese Relevanz für unsere Kultur, zusammen mit der unübersehbaren Forschungslücke, inspirierten mich zu diesem Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich konnte anhand vielfältiger Quellen zeigen, dass es in den unmittelbaren Nachkriegsjahren und der jungen DDR noch nicht weit her war mit einer spezifischen ostdeutschen Identität, zumindest bezogen auf die Produktion und den Konsum von Tanzmusik. Beide orientierten sich wie im Westen und schon vor dem Krieg an internationalen Trends, die vor allem von den USA und Lateinamerika ausgingen. Erst mit dem Mauerbau 1961 wurde die Entstehung zweier deutscher Staaten auch popkulturell vorangetrieben.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Da ist natürlich einerseits die Forschung zu spezifisch ostdeutschen Mentalitäten zu nennen, die aktuell wieder neu in Fahrt kommt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert in den nächsten Jahren allein drei Promotionsstellen, die sich mit »Ostrock« beschäftigen sollen. Auch die Frage danach, wie sich Menschen über Musikvorlieben, auch bezogen auf Tanzmusik, voneinander abgrenzen, ist ein Thema, das vor allem Kultursoziologen seit einigen Jahren wieder vermehrt umtreibt.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich habe das Buch auch geschrieben, um den Diskurs über ostdeutsche Identitäten zu bereichern. Ich freue mich, wenn es bei Zeitzeugen Erinnerungen wachruft und deren Kindern ein Stück Heimat näherbringt. Natürlich interessieren mich außerdem Forschungsvorhaben, die in eine ähnliche Richtung schauen, aber andere Bereiche (wie Volksmusik oder Musical) und Orte untersuchen (in der DDR, aber auch in mittel-, ost- und südosteuropäischen Staaten, welche im 20. Jh. kommunistisch regiert wurden).

5. Ihr Buch in einem Satz:

Deutscher Swing, Rock'n'Roll und Schlager der 1940er und 50er Jahre, sowie deren Prägung durch bürgerliche und diktatorische Kulturpolitik.

»[Das Buch] ist zweifellos ein wichtiger beispielhafter Beitrag über die ostdeutsche Alltagskultur in der Ulbricht-Ära und ist auch für Laien interessant und lesenswert.«
Heiko Weckbrodt, Oiger, 05.02.2019
Besprochen in:
Dresdner Neueste Nachrichten, 27.05.2019, Christian Ruf
Autor_in(nen)
Simon Bretschneider
Buchtitel
Tanzmusik in der DDR Dresdner Musiker zwischen Kulturpolitik und internationalem Musikmarkt, 1945-1961
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
326
Ausstattung
kart., Klebebindung, 14 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-4563-7
DOI
Warengruppe
1593
BIC-Code
AVA AVGC HBTB
BISAC-Code
MUS020000 HIS054000
THEMA-Code
AVM NHTB AVA
Erscheinungsdatum
2018-10-09
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Musik
Adressaten
Musikwissenschaft, Soziologie, Geschichte, Politikwissenschaft, Jazz Studies, Volkskunde
Schlagworte
Tanzmusik, Kulturpolitik, DDR, Staatssozialismus, Nachkriegsgeschichte, Dresden, Musik, Kulturgeschichte, Musikgeschichte, Musikwissenschaft, Zeitgeschichte

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