Folgsamkeit herstellen

Eine Ethnographie der Arbeitsvermittlung im Jobcenter

Die ›Aktivierung‹ von Arbeitslosen ist das vorrangige Ziel des deutschen Jobcenter-Systems. In einer ethnographischen Studie geht Bettina Grimmer dem Prozess der Arbeitsvermittlung auf den Grund und zeigt, dass die Gespräche zwischen den Vermittlern und ihren Klienten eine erstaunliche Eigenlogik besitzen, die sich weder mit der Logik der Gesetze noch mit den subjektiven Deutungen der Teilnehmenden vollständig deckt. Das Ziel ist nämlich weniger die Aktivierung der Klienten als vielmehr die interaktive Herstellung von Folgsamkeit: Durch symbolische Gewalt werden die Klienten der symbolischen Ordnung des Jobcenters unterworfen. Das Jobcenter erscheint in diesem Licht als – wenn auch unvollendetes – neoliberales Projekt.

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2018-09-12, 282 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4610-8

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Bettina Grimmer

Bettina Grimmer, Universität Siegen, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wie gehen wir mit Menschen um, die nicht für sich selbst sorgen können und Unterstützung benötigen? Diese Frage nach Funktionsweise und Wandel unseres sozialen Sicherungssystems ist nicht nur politisch hochgradig relevant (was sich an der immer wieder aufkommenden Debatte über Hartz IV zeigt), sie verkörpert auch Vorstellungen über gesellschaftlichen Zusammenhalt, Solidarität und Gerechtigkeit – und trifft damit eines der Kernthemen der Soziologie.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Über Sozialpolitik und Aktivierung wurde in den letzten Jahren viel geschrieben – allerdings selten mit Fokus auf konkrete Praktiken und die Frage, wie sie tatsächlich funktioniert. Mein Buch dagegen richtet seinen Blick mikroskopisch auf das, was in den Sozialverwaltungen zwischen den Arbeitsvermittlern und ihren Klienten geschieht und leistet damit einen empirisch fundierten Beitrag zur soziologischen Theorie.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Es ergeben sich natürlich Anschlüsse an die aktuelle Debatte um aktivierende Arbeitsmarktpolitik und den Umbau des Sozialstaats. Darüber hinaus trägt der Band aber auch zu sozialtheoretischen Fragen zum Verhältnis von Organisation und Interaktion bei und ist ebenso in der neuen Macht- und Herrschaftssoziologie verortet, indem er zeigt, wie Folgsamkeit interaktiv hergestellt wird.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Aus der Soziologie wären das wohl Erving Goffman und Pierre Bourdieu gewesen. Aus der Politik Peter Hartz und die Architekten der Agenda 2010. Aber unabhängig davon natürlich mit allen: der interessierten Öffentlichkeit und Vertreter_innen aus Soziologie, Politik und Praxis. Mein Buch lädt dazu ein, die aktuelle Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik noch einmal aus einer neuen Perspektive zu betrachten, und ich freue mich auf die (kritische) Diskussion darüber.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Studie zeigt die Widersprüchlichkeit der Umsetzung eines neoliberalen politischen Programms und veranschaulicht die Macht situativer Zwänge.

O-Ton: »Folgsamkeit der Klienten als Ressource« – Bettina Grimmer im Interview bei L.I.S.A. Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung am 04.12.2018.
http://bit.ly/2FX31PV
Autor_in(nen)
Bettina Grimmer
Buchtitel
Folgsamkeit herstellen Eine Ethnographie der Arbeitsvermittlung im Jobcenter
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
282
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-4610-8
DOI
Warengruppe
1735
BIC-Code
JPP JHB JKS
BISAC-Code
POL017000 POL010000 SOC026000 POL029000
THEMA-Code
JPP JHB JKS
Erscheinungsdatum
2018-09-12
Auflage
1
Themen
Arbeit, Politik
Adressaten
Soziologie, Sozialpolitik, Soziale Arbeit, Praktiker_innen im Bereich Sozialverwaltung, Sozialberatung, Bildungsträger, Wohlfahrtsverbände sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Arbeitsverwaltung, Jobcenter, Aktivierung, Ethnographie, Interaktion, Politik, Arbeit, Verwaltung, Politische Soziologie, Sozialpolitik, Arbeits- und Industriesoziologie, Soziologie

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