Der Auftritt

Performanz in der Wissenschaft

Performanz gehört zu den wichtigsten Instrumenten, um wissenschaftliche Reputation zu erlangen. Sie ist mehr als nur eine polierte Oberfläche: Durch den eigenen Auftritt setzt man sich vor aller Augen der Prüfung aus, ob man dazugehört oder nicht. Ohne Performanz kann man zwar wissenschaftliche Leistungen erbringen – bleibt aber von notwendigen Ressourcen und Rezeption abgeschnitten. Die Beiträge des Bandes zeigen, wie Performanz Voraussetzung und Werkzeug ist, das hervorzubringen, was professionelle Akteure in anderen Subsystemen nicht vermögen – wissenschaftliche Wahrheit. Das macht sie zu einer paradoxen Sache: Performanz muss für alle sichtbar sein, aber zugleich unbemerkt bleiben, um ihren instrumentellen Charakter zu verschleiern.

Mit Beiträgen von u.a. Thomas Alkemeyer (Soziologie), Sabrina Deigert (Literaturwissenschaft), Thomas Etzemüller (Kulturgeschichte/Wissenschaftsanthropologie), Julika Griem (Anglistik), Julian Hamann (Soziologie), Christian Janecke (Kunstgeschichte), Anna Luise Kiss (Medienwissenschaft/Schauspielerin), David Kuchenbuch (Geschichtswissenschaft), Anna Langenbruch (Musikwissenschaft), Herbert Nikitsch (Europäische Ethnologie), Sibylle Peters (Kunst & Wissenschaft), Johanna Rakebrand (Rechtsgeschichte), Lena Vöcklinghaus (Literaturwissenschaft/Schreibszene Frankfurt), Anja Zimmermann (Kunstgeschichte).

44,99 € *

2019-10-21, ca. 428 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4659-1
Dateigröße: ca. 14.16 MB

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Thomas Etzemüller

Thomas Etzemüller, Universität Oldenburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Performanz und Theatralität sind für eine ganze Reihe von Professionen wissenschaftlich erforscht worden. Kurioserweise aber nicht für die Wissenschaft selbst, die auch hier dem Diktum ›Von uns selber schweigen wir‹ folgt. Dabei sind es gerade die alltäglichen Auftritte von Wissenschaftler_innen im Wissenschaftsbetrieb, die sie als Wissenschaftler_innen beglaubigen. Der Untersuchung des Auftritts kommt also eine eminente wissenschaftstheoretische Bedeutung zu.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Der Band nimmt ganz unterschiedliche Facetten des Auftritts in den Blick, nicht zuletzt durch Grenzgänge, einen Bildessay oder die Selbstbefragung einer Schauspielerin/Medienwissenschaftlerin. Außerdem thematisiert er sich selbst, indem er mit der Gattung des wissenschaftlichen Textes experimentiert oder Wissenschaftler_innen beim Beobachten des Auftrittes von Wissenschaftler_innen beobachtet: Auf einer Tagung über den Auftritt zu sprechen, ist selber ein Auftritt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Bislang eine eher geringe. Wissenschaftler_innen sprechen lieber über andere – von anregenden Ausnahmen abgesehen. Auch die Wissenschaftsforschung blendet die soziale Seite der Wissenschaft partiziell aus. Von daher eröffnet der Band paradoxerweise ein nur zu bekanntes und doch neues Forschungsfeld.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit denjenigen, die bereit sind, über das eigene Tun nachzudenken, und die die wissenschaftliche ›Illusio‹ (Pierre Bourdieu) des biblischen ›gib alles weg und folge mir nach‹ hinterfragen, ohne die Wissenschaft als bloßes ›Theater‹ zu denunzieren. Also mit denen, die mit Herz und Seele WissenschaftlerInnen sind, aber (das ist die erste Tugend der Wissenschaft) Distanz wahren können – zu sich und zum Betrieb.

5. Ihr Buch in einem Satz:

›Wir alle spielen Theater‹ (Erving Goffman) – aber erst so entsteht wissenschaftliche Erkenntnis.

Autor_in(nen)
Thomas Etzemüller (Hg.)
Buchtitel
Der Auftritt Performanz in der Wissenschaft
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 428
Ausstattung
42 SW-Abbildungen, 44 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-4659-1
Warengruppe
1510
BIC-Code
PDX PDR HBTB
BISAC-Code
SCI034000 SCI075000 HIS054000
THEMA-Code
PDX PDR NHTB
Erscheinungsdatum
2019-10-21
Themen
Gesellschaft, Kultur, Wissenschaft, Kulturgeschichte
Adressaten
Wissenschaftsgeschichte, Science Studies, Kulturwissenschaft, Bildwissenschaft
Schlagworte
Performativität, Wissenschaft, Hochschulkultur, Gender, Visualisierung, Praktiken, Körper, Kulturgeschichte, Gesellschaft, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftssoziologie, Universität, Geschichtswissenschaft

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