Moral Bricolage – über das Gute sprechen

Das paradoxe Drehmoment in der Frage nach dem guten Leben

Taumelt der Mensch? Es scheint kein intellektuelles Angebot in der Lage zu sein, den gesellschaftlichen Diskurs über den offensichtlich desolaten Zustand unserer Welt mit einer starken Idee an sich zu ziehen. Warum ist es so schwer, über das Gute zu sprechen? Mit einem fein gewebten und überraschenden Entwurf gibt Barbara Hobl hier mit ihrem Ansatz der »Bricolage« eine Antwort. Sie schlägt in einem disziplinübergreifenden Gedankengang vor, wie dem allgegenwärtigen Bösen eine eigene Qualität, eine Dynamik des Guten, entgegengehalten werden kann. Der Begriff der Paradoxie wird dabei neu aufgelegt: als ›Drehmoment‹, das den Denkraum öffnet. Die Kraft der Negativität sowie die Notwendigkeit, unsere Wirklichkeit bricolierend sowohl mit Wahrheit als auch mit Fiktion in Verbindung zu bringen, sind dafür zentral.

»In einer sehr originellen Arbeit, die bereits vom methodischen Ansatz der Bricolage ihre unverwechselbare Handschrift trägt, trotzt Frau Hobl im Grunde allein schon mit der Kraft ihres Denkens der von ihr immer wieder beschriebenen Kontingenz alles Seienden. Sie vermag es, ihren Denkstil zum Ausgangspunkt eines moralisch gelungenen Lebensabschnittes zu machen, ohne dabei den Anspruch zu erheben, damit anderen Menschen über die Zufälligkeiten des Lebens hinweghelfen zu können.« (Prof. em. Dr. Wolfgang Mertens, München)

»Mit ihrer in recht avancierter Weise inter- und transdisziplinär angelegten Studie reihen sich Frau Hobls Überlegungen in das gerade in den letzten Jahren immer prominenter werdende Feld der ›Lebenskunst-Philosophien‹ ein, allerdings, und dies ist ein origineller und dem Mainstreamdiskurs gegenläufiger Ansatzpunkt, aus der Perspektive der Negativität oder, wie man auch sagen könnte, mit der Haltung ›philosophischen Staunens‹. Ein vielschichtiges, an originellen, nachvollziehbar und mit Verve entfalteten Überlegungen und anspruchsvollen Denkfiguren reiches Buch.« (Prof.in Dr.in Lilli Gast, Berlin)

39,99 € *

2019-04-26, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4731-0

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

Preise inkl. Mehrwertsteuer. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Mengenrabatt

Weiterempfehlen

Barbara Hobl

Barbara Hobl, Deutschland/Österreich

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die Frage so gestellt – als Warum-Frage – erlaubt mir, sogleich mitten in die Thematik zu springen. Wenn wir fragen ›Warum?‹, erwarten wir üblicherweise eine Erklärung, eine möglichst eindeutige Antwort, warum etwas so ist und nicht anders. Ich glaube aber, dass es genau diese Vorstellung der Eindeutigkeit ist, die in Bezug auf das Leben, also sobald wir uns für etwas Vitales interessieren, die Zugänge zu guten Interpretationen verstellt. Und die brauche ich dringend. So viele Dinge, die in der Welt passieren, ergeben keinen guten Sinn. Das finde ich nicht selbstverständlich.

Wahrscheinlich ist das Hauptmotiv für dieses Buch: zu verstehen, warum wir Menschen uns in eine Welt manövriert haben, die wenig guten Sinn für uns macht. Wie und wohin sich diese Thematik bewegen würde, das hat sich dann konkret erst beim Schreiben herausgestellt.

Und das hat natürlich mit meiner Haltung zu Erkenntnis zu tun. Ich glaube, Erkennen ist vor allem ein Transformationsprozess. Mit der Besonderheit, dass es sowohl den Gegenstand als auch das Subjekt, das etwas verstehen will, verändert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Angebot an die Leser*innen ist eine neue Perspektive darauf zu entwickeln, was vermeintlich für uns Menschen klar sein sollte: Was ist gut? Was ist böse? Was kann ich und soll ich tun in meinem Leben? Warum das aber eben nicht so einfach ist, inwiefern sich im Prinzip nur das Böse feststellen lässt, nicht aber das Gute und was das für die Möglichkeit, ein gutes Leben zu führen, bedeutet, darüber habe ich eine Idee entwickelt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Diese Frage wirft eine wichtige Thematik des Buches auf und spricht zugleich eine zentrale Problematik unserer Zeit an: Wer bringt heutzutage öffentliche Debatten in Gang? Warum gibt es kein überzeugendes Angebot von den Humanwissenschaften, um zu verstehen, was mit der Spezies Mensch los ist?

Ich habe vor bald einmal dreißig Jahren Psychologie studiert. Eben weil mich die Vitalität und Vulnerabilität des Menschen fasziniert. Von der derzeitigen akademischen Psychologie im deutschsprachigen Raum geht allerdings keinerlei Faszination mehr für mich aus. Wenn ich so überlege: Ich kenne überhaupt keine Psycholog*innen, die als solche öffentlich auftreten und deren Gedanken mich bewegen. Diejenigen Intellektuellen, deren Aussagen ich spannend finde, haben sich eigentlich alle freigemacht von der Enge einer Forschungsdisziplin. Sie legen eine andere Disziplin an den Tag, die mich mehr überzeugt, eine Disziplin des Denkens. Sie sind in der Lage, mich zu überraschen, weil sie frei denken, und das führt eben dazu, dass sich plötzlich etwas denken lässt, was nicht vorher schon klar war. Ich kann tatsächlich etwas von ihnen lernen.

Genau das fehlt der aktuellen offiziellen Forschungslandschaft. Ich kann dort nichts Neues lernen. In diesem Sinne sind die aktuellen Forschungsdebatten nicht mein Bezugspunkt. Leider; denn das ist natürlich sehr bedauerlich und Teil der Problematik, in der unsere westliche Gesellschaft steckt. Mein Bezugspunkt sind verstreute intellektuelle Stimmen, so wie ich selbst eine bin. Ich höre mir an, wovon sie wie sprechen.

Und welche Bedeutung kommt dem Thema als solchem zu? Ich finde eine sehr große. Wir haben als Menschen ein Potenzial, uns in Bezug auf das, was wir Wirklichkeit nennen, zu positionieren. Warum wir das nicht viel mehr und kreativer in Anspruch nehmen, war eines der großen Rätsel für mich. Warum machen wir es uns nicht einfach gut und schön auf der Welt? Das habe ich jetzt verstanden, indem ich über das paradoxe Drehmoment, wie ich es nenne, in der Frage nach dem guten Leben nachgedacht habe. Oder besser: Ich habe eine Idee dazu entwickelt. Mit dieser Idee lässt es sich auch ganz gut leben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Es gibt eigentlich erst einmal niemanden, mit dem ich darüber nicht sprechen möchte. Alle Menschen, die jene eigentümliche Verletzlichkeit des Lebendigen auf irgendeine Art kennen, interessieren mich. Wie gehen Sie damit um? Was machen Sie daraus? Das interessiert mich.

Autor_in(nen)
Barbara Hobl
Buchtitel
Moral Bricolage – über das Gute sprechen Das paradoxe Drehmoment in der Frage nach dem guten Leben
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
270
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-4731-0
DOI
Warengruppe
1521
BIC-Code
HPQ
BISAC-Code
PHI005000
THEMA-Code
QDTQ
Erscheinungsdatum
2019-04-26
Auflage
1
Themen
Ethik
Adressaten
Philosophie, Psychoanalyse, Soziologie, Kulturtheorie, Literaturwissenschaft
Schlagworte
Das Gute Leben, Moral, Ethos, Psychoanalyse, Triebtheorie, Subjekt, Subjekttheorie, Erkenntnistheorie, Paradoxie, Kulturkritik, Todestrieb, Schuld, Gewissen, Bricolage, Ethik, Lebenskunst, Philosophie

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung