Arbeit und Melancholie

Kulturgeschichte und Narrative in der Gegenwartsliteratur

Erschöpfung, Depression, Burnout: Folgeprobleme von Erwerbsarbeit werden in literarischen Auseinandersetzungen zunehmend zum Sujet. Wilhelm Genazinos Angestellte, Karen Duves Taxifahrerin, Frédéric Beigbeders Werber, Terézia Moras Salesmanager – sie alle werden als erschöpfte bis verzweifelte Figuren gezeichnet und offenbaren darüber eine (implizite) Kritik an veränderten Anforderungen der Arbeitsgesellschaft. Auf der Basis kulturgeschichtlicher Überlegungen und anhand ausgewählter Texte der Gegenwartsliteratur zeichnet Nerea Vöings komparatistische Studie nach, wie ausgerechnet die seit der Antike zur ›Feindin‹ der Arbeit stilisierte Melancholie zum Vehikel dieser kritischen Darstellung werden konnte.

39,99 € *

2019-07-30, 380 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4816-8
Dateigröße: 8.16 MB

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Nerea Vöing

Nerea Vöing, Universität Paderborn, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Sowohl zum Motiv ›Arbeit‹ als auch zur Melancholie ist schon recht viel geschrieben worden, aber bislang gab es noch keine vertiefte Auseinandersetzung mit ihrem spezifischen Verhältnis zueinander. Das fand ich überraschend, vor allem da die Protagonist*innen in literarischen Texten, die von Erwerbsarbeit handeln, sehr häufig melancholische Figuren sind, die einen recht eigenen Zugang zu ihrer jeweiligen Realität haben.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In meinem Buch geht es mir um eine Wiederentdeckung der Melancholie im Kontext des 21. Jahrhunderts. Zwar handelt es sich bei ihr um einen sehr vieldeutigen Begriff; in den von mir betrachteten Texten kommt ihr aber eine sehr spezifische Rolle zu: Nur in ihr scheint markiert werden zu können, dass in der aktuellen Auseinandersetzung mit einer sich verändernden Arbeitswelt letztlich eine Leerstelle betrauert wird, und dass kaum noch kreatives Potenzial hinsichtlich anderer Gesellschaftsentwürfe vorhanden ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Zwar wird die Melancholie in der Gegenwartsliteratur von der Literaturkritik sowie der Forschung erkannt, allzu häufig geschieht im nächsten Schritt aber eine Pathologisierung der Protagonist*innen als von Depressionen oder Burnout Betroffenen. Hierin sehe ich eine Verschiebung der zugeschriebenen Verantwortung von einer gesellschaftlich-systemischen auf eine individuelle Ebene. Die Melancholie als ›Modus‹ der literarischen Repräsentation geht über solche Zuschreibungen hinaus und dies zeichne ich nach.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Wolf Lepenies, dessen Buch »Melancholie und Gesellschaft« für meine eigene Forschung sehr zentral war. Auch mit Wilhelm Genazino wäre eine Diskussion sicherlich spannend gewesen. Mit Lars Gustafsson hatte ich während einer Buchmesse die Gelegenheit, über das Verhältnis von Arbeit und Melancholie zu sprechen, was großartig war.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Mein Buch ist eine Rehabilitation einer spätmodernen Melancholie, die als kritischer Kommentar zu arbeits- und leistungsgesellschaftlichen Normen im Widerspruch zu deren Realitäten zu lesen ist.

Autor_in(nen)
Nerea Vöing
Buchtitel
Arbeit und Melancholie Kulturgeschichte und Narrative in der Gegenwartsliteratur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
380
ISBN
978-3-8394-4816-8
DOI
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB HBTB
BISAC-Code
LIT000000 HIS054000
THEMA-Code
DSB NHTB
Erscheinungsdatum
2019-07-30
Themen
Literatur, Arbeit, Kulturgeschichte
Adressaten
Literaturwissenschaft, Soziologie, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Melancholie, Arbeit, Entfremdung, Erschöpfung, Komparatistik, Gegenwartsliteratur, Depression, Burnout, Wilhelm Genazino, Karen Duve, Frédéric Beigbeder, Terézia Mora, Literatur, Kulturgeschichte, Allgemeine Literaturwissenschaft, Emotionsgeschichte, Cultural Studies, Literaturwissenschaft

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