Die Präsenz der Dinge

Anthropomorphe Artefakte in Kunst, Mode und Literatur

Menschenähnliche Dinge fordern uns in besonderem Maße heraus. Sie lösen Gefühle und Imaginationen aus, sie beeinflussen unsere Körperhaltung und unsere Mimik. Woher rühren unsere bisweilen starken Reaktionen auf anthropomorphe Artefakte? Warum neigen wir dazu, sie wider besseres Wissen zu verlebendigen? Jana Scholz fragt erstmals gezielt nach der Agency künstlerischer Artefakte in menschlicher Gestalt. Anhand dreier Beispiele aus Fotografie, Mode und Literatur lotet sie das Verhältnis zwischen materiell-visueller Inszenierung und ästhetischer Wahrnehmung aus. Dabei werden neue Sichtweisen auf die Beziehungen von Dingen und Menschen eröffnet – in einer Zeit, in der diese zunehmend undurchdringlich scheinen.

34,99 € *

2019-04-24, 222 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4817-5
Dateigröße: 9.92 MB

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Jana Scholz

Jana Scholz, Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das einschüchternde Mannequin im Schaufenster, die liegengelassene Kinderpuppe auf dem Spielplatz oder der Roboter mit dem freundlichen Lächeln: Dinge in Menschengestalt lassen uns selten kalt. Unser Blick bleibt an ihnen hängen, gerade wenn wir ihren Blick zu spüren glauben. Dieses Ergriffenwerden durch leblose Dinge ist eigentlich verwunderlich. Das Buch geht dieser eigentümlichen Wirkung nach, die, so präsent menschenähnliche Dinge in der Forschung auch sind, kaum systematisch untersucht wurde.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

In den Kulturwissenschaften ist der Begriff der Agency, das heißt der Wirkmächtigkeit, bisher wenig auf künstlerische Gegenstände bezogen worden. Das Buch erörtert den Gedanken, dass leblose Dinge Agency entwickeln, indem sie unsere Blicke und Bewegungen steuern und Gefühle und Erinnerungen wecken. Es zeigt, wie die Kunst der vergangenen zwei Jahrhunderte mit dem Ergriffenwerden durch menschenähnliche Dinge spielt und, oft humorvoll, die Irritationen demonstriert, die im Umgang mit ihnen entstehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Spätestens seit der Jahrtausendwende entstand in den Kulturwissenschaften ein verstärktes Interesse an der Bedeutung und der Funktion von Dingen. Parallel dazu geriet das Sehen in den Fokus, seine sinn- und wirklichkeitskonstitutiven Kräfte. Wie prägen Sehgewohnheiten unsere Wahrnehmung von menschengemachten Dingen? Gibt es Formen des Sehens, die die Grenzen zwischen Mensch und Ding auflösen? Das Buch knüpft an solche Fragen an und präsentiert Artefakte, die Leben gewinnen, wenn wir sie ansehen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Der Sozialanthropologe Alfred Gell, der leider früh verstorben ist, befasste sich Ende der 1990er Jahre als einer von wenigen ganz konkret mit der Agency künstlerischer Artefakte. Es ist so reizvoll wie unmöglich, diesen Zusammenhang mit ihm zu besprechen. Diskutieren würde ich das Buch aber ebenso gern mit allen, die sich über das wundern, was Dinge mit uns machen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Sehend können wir Leben im Artifiziellen finden, weil wir nach ästhetischer Erfahrung suchen.

»Es lohnt sich [...], sich in die philosophische Sprache einzulesen und den Inhalt mit eigenen Erfahrungen zu reflektieren und zu verifizieren.«
Waltraud Rusch, ...textil..., 3 (2019)
Autor_in(nen)
Jana Scholz
Buchtitel
Die Präsenz der Dinge Anthropomorphe Artefakte in Kunst, Mode und Literatur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
222
Ausstattung
20 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-4817-5
DOI
Warengruppe
1585
BIC-Code
JFCK AKT ABA DSB
BISAC-Code
DES008000 ART009000 LIT000000
THEMA-Code
JBCC3 ABA DSB
Erscheinungsdatum
2019-04-24
Themen
Literatur, Mode, Kunst
Adressaten
Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Fashion Studies, Museologie, Kultursoziologie, Gender Studies, Philosophie
Schlagworte
Kultur, Artefakte, Agency, Ästhetik, Mensch-Ding-Interaktion, Wahrnehmung, Mode, Fotografie, Literatur, Anthropomorphismus, Inszenierung, Gestalt, Kunst, Kunsttheorie, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft

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