Vergangenheit. Bewältigung. Vergangenheitsbewältigung.

Zur Geschichte und Theorie eines scheinbar erforschten Themas

Bewertung und Aufarbeitung vergangener Gewalt sind inzwischen feste Bestandteile operativer Politik und ideologischer Kämpfe. Doch trotz aller Bemühungen erscheint die Zahl heutiger Konflikte im historischen Vergleich unverändert hoch – ein Indiz dafür, dass die Voraussetzungen nachhaltiger Bewältigung noch immer nicht verstanden sind. Ebenfalls ist ungeklärt, was Vergangenheit überhaupt umfasst und in welchem Wirkungsverhältnis früher entstandene – gleichwohl andauernde – Prozesse, Strukturen und Muster zur jeweiligen Gegenwart stehen. Jürgen Reifenberger liefert eine systemische und umfassende politische Theorie, die die derzeit weit verbreitete punktuelle und oberflächliche Perspektive auf einzelne Symptome überwindet.

54,99 € *

2019-04-10, 446 Seiten
ISBN: 978-3-8394-4818-2
Dateigröße: 2.72 MB

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Jürgen Reifenberger

Jürgen Reifenberger, Sonderschullehrer/Historiker, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Trotz einer hochentwickelten Kultur von Vergangenheitsbewältigung erscheint die Zahl heutiger Konflikte im historischen Vergleich unverändert hoch, und die Motive der Akteure ähneln im Kern denen früherer Generationen. Es besteht Grund zu der Annahme, dass die bisherigen Konzepte zu kurz greifen, weil das komplexe Ineinandergreifen von Vergangenheit und Bewältigung weder von Politik noch von Wissenschaft auch nur annähernd ausgelotet ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Aus systematischer Sicht lässt sich Vergangenheitsbewältigung weder auf menschliche Gewaltgeschichte reduzieren noch gibt es einen Grund, sie mit bestimmten moralisch-ethischen Qualitäten aufzuladen und an einen bestimmten Fortschrittsbegriff zu knüpfen. Denn in der historischen Realität stellen sich Bewältigungsstrategien als multivalent, temporär begrenzt und reversibel dar. Sie haben nur einen gemeinsamen Nenner: Die politische und gesellschaftliche Gestaltung fortdauernd wirksamer Vergangenheitsstrukturen. Das kann deren Beendigung oder Revision ebenso beinhalten wie deren Stabilisierung oder Wiederherstellung.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die wissenschaftliche Forschung ist derzeit weit entfernt von der Entwicklung einer tragfähigen Theorie. Sie befindet sich immer noch im Stadium typisierender Beschreibungen und Merkmalsammlungen, wobei selbst über deren Umfang, Vollständigkeit und Gewichtung noch keineswegs Übereinstimmung besteht. Zudem ist die Tendenz zu beobachten, das Vorhandensein bestimmter politischer Voraussetzungen zum Gültigkeitskriterium von Bewältigung zu machen. Die Vertreter dieser Konzepte laufen Gefahr, den Begriff in unzulässiger Weise zu verkürzen, geopolitischen Zielsetzungen zuzuarbeiten und so selbst zu parteilichen Mitspielern in vergangenheits- und geschichtspolitischen Auseinandersetzungen zu werden. Der Text will hier Anstöße geben.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen, die wissenschaftlich am Thema arbeiten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Im menschlichen Verhaltensrepertoire, in politischen und geopolitischen Systemen, in kulturellen Regelwerken und in den Sphären von Geo- und Kosmologie sind stets persistierende Strukturen der Vergangenheit wirksam und bilden eine unauflösliche Einheit mit der jeweiligen Gegenwart.

Autor_in(nen)
Jürgen Reifenberger
Buchtitel
Vergangenheit. Bewältigung. Vergangenheitsbewältigung. Zur Geschichte und Theorie eines scheinbar erforschten Themas
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
446
ISBN
978-3-8394-4818-2
DOI
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLW3
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD NHTB
Erscheinungsdatum
2019-04-10
Themen
Politik, Kulturgeschichte
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Philosophie, Soziologie sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Vergangenheitsbewältigung, Ontologie, Systematik, Gegenstände, Konflikt, Politische Theorie, Kulturgeschichte, Politik, Deutsche Geschichte, Zeitgeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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