Pfarrerskinder in der DDR

Zwischen Privilegierung und Diskriminierung. Eine habitustheoretische Analyse im Anschluss an Norbert Elias und Pierre Bourdieu

Das historische Experiment einer grundlegenden Umverteilung von Bildungsprivilegien in der ehemaligen DDR hat eine Fülle bemerkenswerter Lebensläufe hervorgebracht, deren Aufarbeitung heute – 30 Jahre nach der Wiedervereinigung – fundierte Erkenntnisse über grundlegende Mechanismen sozialer Praxis verspricht. Thomas Prennig zeigt: Biographien von Pfarrerskindern stellen einen Idealtypus besonderer Güte dar: Der Widerspruch einer umfangreichen familiären Bildung und der kategorischen Verweigerung staatlicher Bildungsabschlüsse kreierte einen einzigartigen Habitus privilegierter Außenseiter.

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2019-07-15, 288 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4848-5

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Thomas Prennig

Thomas Prennig, Universität Erfurt, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Jahr 1989 läutete für die Menschen in Ostdeutschland einen umfassenden Wandel der Lebensbedingungen ein, dessen habituelle Verarbeitung bis heute andauert. Der Systemwechsel bedeutete einen radikalen Bruch mit den bisherigen Gewohnheiten und Überzeugungen und führte dazu, dass viele Wissensbestände und Netzwerke auf einen Schlag wertlos wurden. Das Buch beleuchtet eine Gruppe von Akteuren, bei denen diese Entwicklung scheinbar anders verlief. Eine Gruppe, die aufgrund ihrer familiären Herkunft in der DDR benachteiligt wurde und nicht zuletzt auch deshalb einen Wandel der Verhältnisse forderte und aktiv unterstützte. Eine Gruppe, deren bildungsbürgerlicher Habitus die DDR überstanden hatte, und die für die neuen Bedingungen gut gewappnet zu sein schien.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die fruchtbare Verknüpfung der theoretischen Prämissen des Habitus-Feld-Modells mit dem empirischen Programm der Deutungsmusteranalyse ermöglicht es, genau jene Schnittstelle zwischen Struktur & Handlung oder auch Gesellschaft & Individuum näher zu beleuchten, an der laut Bourdieu soziale Praxis entsteht. Die systematische Gegenüberstellung der unterschiedlichen Wahrnehmungs- und Bewertungsschemata unter Bezugnahme auf die objektive Position als Außenseiter offenbart die Abhängigkeit und figurationsspezifische Bedingtheit von scheinbar individuellen Überzeugungen und Präferenzen in Bezug auf die zugrundeliegende Stellung in der sozialen Welt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die jüngsten Publikationen zur strukturellen Benachteiligung von Ostdeutschen seit der Wiedervereinigung belegen die These, dass der Großteil der Habitusformationen von Bürgerinnen und Bürgern aus der ehemaligen DDR seit 1989 massiv an Wert und Orientierungskraft für die Betroffenen eingebüßt haben. Der Habitus von Pfarrerskindern, der vor 1989 mit dem Stigma des Außenseiters behaftet war, hat sich scheinbar genau durch jene strukturelle Benachteiligung verdichtet und konservierte dabei durchaus bürgerliche Lebensformen, die auf die Veränderungen des Systemwechsels bedeutend besser reagieren konnte, als andere, an das Leben in der DDR angepasste Lebensweisen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Pierre Bourdieu (falls er noch leben würde), Prof. Peter Alheit (Universität Göttingen),

Prof. Franz Schultheis (Universität Friedrichshafen), Prof. Christoph Klessmann (Universität Potsdam) und Prof. Naika Foroutan (DeZIM Berlin).

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Schicksal von Pfarrerskindern in der DDR illustriert eindrücklich die komplexe Funktionsweise des habituellen Kraftfelds zwischen familiärer und bildungspolitischer Sozialisation und zeigt die Grenzen staatlicher Eingriffe in die Bildungsbiographien von Akteuren auf.

Autor_in(nen)
Thomas Prennig
Buchtitel
Pfarrerskinder in der DDR Zwischen Privilegierung und Diskriminierung. Eine habitustheoretische Analyse im Anschluss an Norbert Elias und Pierre Bourdieu
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
288
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-4848-5
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JFSR JFFM
BISAC-Code
SOC022000 SOC039000 SOC050000
THEMA-Code
JBCC JBSR JBFQ
Erscheinungsdatum
2019-07-15
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Soziale Ungleichheit
Adressaten
Soziologie, Geschichtswissenschaft, Psychologie
Schlagworte
Biographie, DDR, Habitus, Außenseiter, Deutungsmuster, Soziale Ungleichheit, Gesellschaft, Kultursoziologie, Religionssoziologie, Lebensstil, Soziologie

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