Amani – Auf den Spuren einer kolonialen Forschungsstation in Tansania

Die Forschungsstation Amani in Tansanias Usambara-Bergen liegt heute weitgehend brach – gegründet als landwirtschaftliches Institut während der deutschen Besatzung war sie später führendes britisches und tansanisches Institut für tropenmedizinische Forschung. Wie leben Mitarbeiter und Bewohner nun mit den Überresten dieses wissenschaftlich-modernistischen Projektes? Und was können Sozialanthropologen, Historiker und Künstler gemeinsam mit solch einem Ort tun, mit seinen Widersprüchen von vergangenen Zukünften und gegenwärtigem Stillstand, von kolonialer Gewalt und fortschrittlichen kollektiven wie individuellen Hoffnungen? Eine interdisziplinäre Auseinandersetzung mit materiellen Spuren vergangener und gescheiterter Zukunftsentwürfe, deren Ursprung in der kolonialen Besetzung Ostafrikas durch deutsche Truppen, Beamte, Siedler und Wissenschaftler liegt.

24,99 € *

21. Januar 2020, 168 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4959-8

Sofort versandfertig,
Lieferzeit 3-5 Werktage innerhalb Deutschlands

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer. Deutschsprachige Bücher = gebundener Ladenpreis, fremdsprachige Bücher = unverbindliche Preisempfehlung. Versandkostenfreie Lieferung innerhalb Deutschlands, für Ausnahmen siehe Details.

Weiterempfehlen

P. Wenzel Geißler

P. Wenzel Geißler, Universität Oslo, Norwegen

Rene Gerrets

Rene Gerrets, Universiteit van Amsterdam, Niederlande

Ann H. Kelly

Ann H. Kelly, King's College London, Großbritannien

Peter Mangesho

Peter Ernest Mangesho, National Institute for Medical Research, Tansania

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Im 21. Jahrhundert liegen die viele Erwartungen der Moderne – nicht nur in Afrika – hinter uns, vielerorts sichtbar als materielle Überreste und Ruinen moderner Landschaft, Architektur und Infrastruktur. Solche Spuren ›vergangener Zukünfte‹ verweisen auf ganz unterschiedliche politisch-ökonomische und gesellschaftliche Visionen: Kolonisation und Modernisierung, Unabhängigkeit und Nationalstaat, Entwicklungshilfe und Neoliberalismus. Amani als verlassener moderner Wissenschaftsort gibt privilegierten Zugang zu diesen Zeitschichten, und lädt ein zum Nachdenken darüber, wie man mit den Ruinen vergangener Aufbrüche weiter lebt.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch handelt von der materiellen Gegenwart der Vergangenheit in Überresten, von der Schichtung und Faltung solcher Ablagerungen, und davon, wie Historiker und Sozialanthropologen, Bewohner und Benutzer solcher Überreste, konkret in Kontakt mit der Vergangenheit treten. Solche Berührungen sind oft unwillkürlich, überraschend, exzessiv und bruchstückhaft. Bloße historische Interpretation oder chronologische Ordnung beschneiden diesen Reichtum der Spur, die stattdessen einlädt zur Vertiefung in den ›Ort des Findens‹ (Benjamin) selbst, und seinen affektiven und ästhetischen Konnotationen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die gegenwärtige Diskussion um das Erbe des Kolonialismus in Deutschland und anderswo zeigt, vielleicht mehr als frühere Iterationen kritischer Kolonialgeschichte in den 1970ern und 80ern, besonderes Interesse an Materialität – auch im Hinblick auf Museen, koloniale Sammlungsbestände und Restitution – sowie am Nachleben der Vergangenheit in Gegenständen und Monumenten, Landschaften oder Gebäuden. Ein geduldigerer und zugleich offener, auch spielerischer Umgang mit solchen Spuren, welcher Bedeutungszuweisung vermeidet und Ambivalenz erträgt, wäre ein nützlicher Beitrag zu dieser Diskussion.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit denen, die Spuren an sich interessieren – seien es Spuren des Faschismus oder Spuren fortschrittlicher Aufbrüche, in Hamburg oder in Ostafrika – und die in der Tradition von Proust und Benjamin der unwillkürlichen Erinnerung den Vorrang geben über Interpretation und Rekonstruktion, und Ästhetik und Affekt neben politischer Ökonomie berücksichtigen, wenn sie Reste des Vergangenen in der Gegenwart berühren. Aber auch mit denen, die gegenwärtig versuchen, das (deutsche) koloniale Erbe aufs Neue sichtbar zu machen, und daraus Verantwortlichkeiten politischer, moralischer, ästhetischer und diskursiver Art abzuleiten, auch weil wir meinen, dass bestimmte Vereinfachungen dieses politische Anliegen, das wir teilen, nicht befördern.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Spuren vergangener Zukünfte – etwa die einer kolonialen Forschungsstation – führen uns durch die Vergangenheit sowohl zu fortdauernden Gewaltverhältnissen, als auch zu unerfüllten Hoffnungen.

Buchtitel
Amani – Auf den Spuren einer kolonialen Forschungsstation in Tansania
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
168
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-4959-8
DOI
10.14361/9783839449592
Warengruppe
1510
BIC-Code
HBTR PDX HBJH
BISAC-Code
POL045000 HIS054000 SCI034000 HIS010000
THEMA-Code
NHTR PDX NHH
Erscheinungsdatum
21. Januar 2020
Auflage
1
Themen
Postkolonialismus, Museum, Wissenschaft
Adressaten
Sozialanthropologie, Geschichtswissenschaft, Kunstwissenschaft, Soziologie, Postcolonial Studies, Science and Technology Studies
Schlagworte
Afrika, Tansania, Kolonialismus, Postkolonialismus, Wissenschaft, Forschung,
Ruinen, Tropenmedizin, Gewalt, Zukunftsentwurf

Unsere Website verwendet Cookies, um bestimmte Funktionen bereitzustellen.

Datenschutzerklärung