Das Ländliche als kulturelle Kategorie

Aktuelle kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Stadt-Land-Beziehungen

Das Ländliche hat Konjunktur. Zwischen medialer »Landlust« und realem Strukturwandel in den ländlichen Räumen Europas differenziert es sich dynamisch aus. Idylle oder Problemregion? Arbeitsort oder Freizeitpark? Repräsentationen und lebensweltliche Erfahrungen des Ländlichen avancieren zu einem alltagskulturellen Konfliktfeld, auf dem sich vor einem historischen Hintergrund elementare Problemlagen der Gegenwart und die Komplexität von kulturellen Land-Stadt-Beziehungen spiegeln.

Die Beiträge des Bandes liefern hierzu Einsichten aus der Forschungsperspektive der Europäischen Ethnologie und rahmen das Thema damit für historische und gegenwartsbezogene Kulturanalysen begrifflich, methodisch und theoretisch.

39,00 € *

18. September 2020, 330 Seiten
ISBN: 978-3-8376-4990-1

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Manuel Trummer

Manuel Trummer, Universität Regensburg, Deutschland

Anja Decker

Anja Decker, Akademie der Wissenschaften Prag, Tschechien

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Das Ländliche kehrt zu Beginn des 21. Jahrhunderts mit voller Wucht in die öffentliche Wahrnehmung zurück. Als Arena, in der sich einige der zentralen alltagskulturellen Konflikte unserer Zeit abspielen, erfährt es gegenwärtig eine Konjunktur in der öffentlichen Wahrnehmung. In politischen Feldern wie der Energiewirtschaft, der Lebensmittelproduktion, dem Strukturwandel der Landwirtschaft, der Nachhaltigkeit und ökologischen Bewusstseinsbildung nehmen ländliche Räume eine zunehmende Bedeutung ein. Während sich die kulturellen Bewertungen des Ländlichen in unserer Gesellschaft weiter ausdifferenzieren, bleiben etablierte und mediale Imaginationen, etwa von ›Landlust‹, dörflicher Idylle und abgehängter Provinz erstaunlich stabil. Diese grundlegenden Transformationsprozesse und Kontinuitäten möchte das Buch kritisch in den Blick nehmen und empirisch-kulturanalytisch nah am Menschen perspektivieren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch rückt vor allem den Menschen innerhalb der globalen Transformationsprozesse des Ländlichen in den Blick. Über eine akteurszentrierte, praxeologische Perspektive öffnen sich eindringliche und tiefe Blicke in die konkrete Aushandlung von Ländlichkeit und das Leben in ländlichen Räumen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, die in den häufig groß angelegten Erzählungen von Schrumpfung, Peripherisierung oder Strukturwandel oft unscharf bleiben. Mit einem sensiblen, qualitativen Instrumentarium möchten wir mit diesem Buch so auch die jüngere Europäische Ethnologie/Kulturanthropologie mit ihrer Methodologie und ihren ganz diversen analytischen Perspektiven als Stimme im breiten Diskurs zum Ländlichen etablieren.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

War die Europäische Ethnologie/Kulturanthropologie seit den 1990er-Jahren zunehmend von einem Interesse an urbanen Kulturen interessiert, kehrt das Thema der ländlichen Lebenswelten und Imaginationen seit etwa einem Jahrzehnt verstärkt zurück in die Mitte des Fachdiskurses. Neben den Freilichtmuseen und den Akademieinstituten ist es vor allem auch eine neue Generation von Doktorand_innen und Habilitand_innen, die Land-Stadt-Beziehungen vor dem Hintergrund aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen diskutiert. Über dichte, empirische Analysen konkreter Alltagskonstellationen öffnen sich so differenzierte neue Blicke auf globale kulturelle Konfliktfelder wie Energiewirtschaft, Digitalisierung, Geschlecht. Die Kulturanalyse des Ländlichen bietet so ein Brennglas für allgemeinere soziokulturelle Prozesse.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Für eine ausgewogene Auseinandersetzung mit dem Ländlichen als kultureller Kategorie erscheint es uns zentral, interdisziplinär zu denken und das Gespräch zu suchen mit Akteur_innen, die gegenwärtig in besonderem Maße an der Produktion gesellschaftlicher Vorstellungen des Ländlichen beteiligt sind, wie etwa Journalist_innen, Politiker_innen oder Kulturschaffenden, aber auch mit Angehörigen wenig privilegierter sozialer Milieus, deren alltägliche Erfahrungen und Sichtweisen auf Ländlichkeit oft nur wenig Gehör finden. Nicht zuletzt sind das die Menschen, die uns für die Feldforschung und die Interviews in diesem Buch als Informanden, ›Beforschte‹ und Expert_innen zur Verfügung standen und uns so lebendige Blicke in ihre Lebenswelten ermöglichten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Ein facettenreicher Überblick über die jüngere europäisch-ethnologische Forschung zum Ländlichen, der mit seinen lebendigen akteurszentrierten und praxeologischen Perspektiven zu einer Differenzierung des Diskurses beitragen kann.

Autor_in(nen)
Manuel Trummer / Anja Decker (Hg.)
Buchtitel
Das Ländliche als kulturelle Kategorie Aktuelle kulturwissenschaftliche Perspektiven auf Stadt-Land-Beziehungen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
330
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 39 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-4990-1
DOI
10.14361/9783839449905
Warengruppe
1753
BIC-Code
JHMC RGC JFSG
BISAC-Code
SOC002010 SOC015000 SOC026030
THEMA-Code
JHMC RGC JBSD
Erscheinungsdatum
18. September 2020
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Raum, Stadt, Europa
Adressaten
Europäische Ethnologie, Kulturanthropologie, Soziologie, Human-Animal-Studies, Kulturgeographie
Schlagworte
Kultur, Ländlichkeit, Land, Alltagskultur, Stadt, Raum, Lebensstil, Lebenswelt, Idylle, Kulturanalyse, Gesellschaft, Kulturanthropologie, Kulturgeographie, Urban Studies, Geographie

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