Stalinistische Modernisierung

Die Strafverfolgung von Akteuren des Staatsterrors in der Ukraine 1939-1941

Direkt im Anschluss an den Großen Terror ließ Stalin seine eigenen Schergen verurteilen. Eine gängige Erklärung ist, dass damit der Clan des gerade erst zum Tode verurteilten Geheimdienstchefs Nikolaj Ivanovic Ezov beseitigt und durch frische Kader ersetzt werden sollte. Dagegen legen die Akten zum Gebiet Nikolaev (Ukraine) nahe, dass die Verfolgung der Verfolger auf einen ab Sommer 1938 forcierten Staatsbildungsprozess zurückgeht. Das für die Sowjetunion so typische Patronage- und Klientelsystem sollte als Ganzes torpediert und die Loyalität des Personals nun ausschließlich auf den Staat ausgerichtet werden. Marc Junge prägt dafür den Begriff der »stalinistischen Modernisierung«.

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11. Februar 2020, 378 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5014-3

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Marc Junge

Marc Junge, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Täterforschung hieß für die Sowjetunion bis zu ihrem Zusammenbruch fast ausschließlich Forschen über Stalin. Das Buch rückt nun diejenigen ins Blickfeld, die die wirkliche Drecksarbeit gemacht haben. Es wird das Selbstverständnis und der gesellschaftiche und politische Raum von Tätern, die, mit Stalin auf der Zunge, als Geheimdienstler und Milizionäre gemordet, gefoltert und gefälscht haben und dann dafür überraschend wegen Verletzung der sozialistischen Gesetzlichkeit bestraft wurden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ziel war es beim Umgang mit den Dokumenten eine strenge Trennung zwischen Darlegung und Deutung hinzukriegen. Erst wird die Wahrnehmung der Wirklichkeit durch die Täter nur nachgezeichnet. Zurückgehalten habe ich mich dabei, als potentielles Einfalltor für dogmatischen und ideologischen Import, ausdrücklich mit Kontextualisierungen. Erst dann lege ich meinen Standpunkt dar und bewerte das Denken, Handeln und Selbstverständnis der Täter; klar gekennzeichnet als ein aktuell von mir konstruierter Sinnzusammenhang.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

These ist, dass die Forschungsdebatten über den Stalinismus hoch ideologisiert und politisiert sind und dadurch die zentrale Rolle des stalinistischen Staates übersehen wurde.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Dietrich Beyrau, Manfred Hildermeier, Susanne Schattenberg.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Anhand eines lokalen Beispiels werden die Allmacht und Ohnmacht von Stalins Tätern gezeigt.

»Der Band [stellt] einen wichtigen Beitrag zur Forschung über die Geschichte der sowjetischen Polizeiorgane und über Politik und Gesellschaft der Sowjetunion in den 1930er-Jahren dar.«
Kai Struve, H-Soz-u-Kult, 13.11.2020
Autor_in(nen)
Marc Junge
Buchtitel
Stalinistische Modernisierung Die Strafverfolgung von Akteuren des Staatsterrors in der Ukraine 1939-1941
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
378
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 21 SW-Abbildungen, 4 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5014-3
DOI
10.14361/9783839450147
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLW
BISAC-Code
HIS010010 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD NHTB
Erscheinungsdatum
11. Februar 2020
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Osteuropawissenschaft, Balkanstudien, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Sowjetunion, Ukraine, Stalinismus, Staatliche Verfolgung, Täter, Osteuropa, Großer Terror, Nikolaj Ivanovicov, Geheimdienst, NKWD, Kulturgeschichte, Osteuropäische Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Politische Ideologien, Geschichtswissenschaft

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