Mahnmale als Zeitzeichen

Der Nationalsozialismus in der Erinnerungskultur Nordrhein-Westfalens

Erinnerungszeichen sind seltsame Wesen und stecken voller Widersprüche. Errichtet, um von der Vergangenheit zu künden, fristen sie oft ein Leben am Rande der Wahrnehmung. Jan Niko Kirschbaum nimmt 13 nordrhein-westfälische Erinnerungszeichen für den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg aus den 1950er bis 1980er Jahren in den Fokus. Er befragt sie nach den Motiven ihrer Errichter*innen und bekommt verblüffend vielfältige und kontroverse Antworten. Denn Erinnerungszeichen verraten meist mehr über die Zeit, in der sie errichtet wurden, als über die historische Zeit, die sie thematisieren.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 6
  3. 1. Zeichen der Erinnerung

    Seiten 7 - 28
  4. 2. Zwischen Aufbruch und Erinnerung: Die erste Konjunktur der Erinnerungszeichen (1945-ca. 1965)

    2.1 Eine widersprüchliche Erinnerungskultur: Brüche und Kontinuitäten nach 1945

    Seiten 29 - 53
  5. 2.2 Vergraben: Das Sühnekreuz von Meschede (1947)

    Seiten 53 - 71
  6. 2.3 Für den Widerstand: Das Mahnmal in Wuppertal (1950/1958)

    Seiten 72 - 83
  7. 2.4 Annahme ohne Debatte: Die Gedenktafel für die Neusser Synagoge (1953)

    Seiten 83 - 87
  8. 2.5 Für den Frieden: Das Mahnmal in Paderborn (1953)

    Seiten 87 - 126
  9. 2.6 Zeichen der Zerrissenheit: Die Drei Nornen in Düsseldorf (1958)

    Seiten 127 - 155
  10. 2.7 Zeichen der Versöhnung: Das Bittermark-Denkmal in Dortmund (1960)

    Seiten 156 - 185
  11. 2.8 Für das Staatsprotokoll: Das nationale Ehrenmal in Bonn (1964)

    Seiten 185 - 213
  12. 2.9 Zeit der Zerrissenheit

    Seiten 213 - 218
  13. 3. Symbole einer untergegangenen Zeit: Krisenjahre der Erinnerungszeichen (ca. 1965-ca. 1975)

    3.1 Das Scheitern des Mahnmals in Münster (1950-1973)

    Seiten 219 - 241
  14. 3.2 Die Krise der Erinnerungszeichen

    Seiten 242 - 254
  15. 3.3 Der »Verlust der Geschichte«

    Seiten 254 - 264
  16. 3.4 Geschichtsbilder und Geschichtslosigkeit: Die Gedenkpraxis an den Erinnerungszeichen

    Seiten 264 - 286
  17. 3.5 Zeit der Zukunft

    Seiten 286 - 288
  18. 4. Zwischen Stolz und Scham: Die zweite Konjunktur der Erinnerungszeichen (ca. 1975-1990)

    4.1 Vom »Verlust der Geschichte« zur »Erinnerungswut«

    Seiten 289 - 306
  19. 4.2 Gegen den Zeitgeist: Das Kardinal-von-Galen-Denkmal in Münster (1978)

    Seiten 306 - 315
  20. 4.3 Zwei unumstrittene Denkmäler: Die Erinnerung an die Paderborner Synagoge (1980/1993)

    Seiten 316 - 338
  21. 4.4 Ausgegraben: Das Sühnekreuz von Meschede (1981)

    Seiten 338 - 343
  22. 4.5 Jugend forscht, Jugend baut: Das Mahnmal für das KZ Kemna in Wuppertal (1983)

    Seiten 343 - 362
  23. 4.6 Zeichen der Pluralität: Der Zwinger in Münster (1985/1997)

    Seiten 362 - 385
  24. 4.7 Gescheitert: Das nationale Mahn- und Ehrenmal in Bonn (1975-1986)

    Seiten 385 - 423
  25. 4.8 Protest und Historisierung: Die Gedenkpraxis an den Erinnerungszeichen

    Seiten 423 - 444
  26. 4.9 Zeit der Deutungskämpfe

    Seiten 444 - 448
  27. 5. Mahnmale als Zeitzeichen: Der Nationalsozialismus in der Erinnerungskultur Nordrhein-Westfalens

    Seiten 449 - 462
  28. 6. Danksagung

    Seiten 463 - 464
  29. 7. Anhang

    7.1 Abkürzungsverzeichnis

    Seiten 465 - 466
  30. 7.2 Verzeichnis der verwendeten Sekundärliteratur

    Seiten 466 - 476
  31. 7.3 Verzeichnis der gedruckten Quellen

    Seiten 476 - 481
  32. 7.4 Verzeichnis der verwendeten Archivbestände

    Seiten 481 - 483
  33. 7.5 Verzeichnis der verwendeten Zeitungen und Zeitschriften

    Seiten 483 - 484
  34. 7.6 Sonstiges

    Seiten 484 - 486
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50,00 € *

16. März 2020, 486 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5064-8

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Jan Niko Kirschbaum

Jan Niko Kirschbaum, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Mich hat schon sehr früh in meinem Studium interessiert, wie Menschen mit Katastrophen umgehen. In meiner Bachelorarbeit habe ich mich mit der Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs beschäftigt, in der Masterarbeit mit der des Ersten Weltkrieges. Dann hat mich die langfristige Perspektive gereizt: Wie gehen Menschen, hier am Beispiel Nordrhein-Westfalens, in einem Zeitraum von 50 Jahren mit der Shoa und dem Zweiten Weltkrieg um und was veränderte sich bis 1989?

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Eine der spannendsten Erkenntnisse war für mich, wie isoliert die lokalen Erinnerungskulturen voneinander sind. In der einen Stadt kann es eine engagierte Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit geben und wenige Kilometer weiter wird ein Thema nicht beachtet oder sogar tabuisiert. Und so eröffnet die Analyse von lokalen Erinnerungskulturen die Perspektive auf sehr verschiedene Arten, mit Shoa und Weltkrieg umzugehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Spannenderweise ist es gar nicht so sehr die Aktualität der Forschungsdebatten, sondern die der politischen Debatte, die dem Thema Bedeutung gibt. Wir sehen gegenwärtig, wie im Grunde viele geschichtspolitischen Argumente, die in den 1980er Jahren an gesellschaftlicher Bedeutung verloren haben, wieder zum Vorschein kommen. Darüber hinaus wird deutlich, dass Erinnerungskultur gelebt werden muss, um nicht nur eine hohle Phrase zu sein, die wohlfeil bei Reden genutzt wird.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Spannend wäre für mich der Blick auf andere Bundesländer und die dortigen lokalen Traditionen. Lässt sich die Heterogenität Nordrhein-Westfalens auf andere Regionen wie Niedersachsen oder Bayern übertragen? Hier wäre der Austausch mit Forscher*innen der lokalen Erinnerungskulturen spannend.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Jede Zeit friert ihre Deutung der Vergangenheit in Erinnerungszeichen ein und macht ihre spezifische Geschichtsdeutung so zu einer spannenden Quelle der sich stetig wandelenden Erinnerungskultur.

Besprochen in:
Westdeutsche Zeitung, 21.04.2020, Alexandra Dulinski
Autor_in(nen)
Jan Niko Kirschbaum
Buchtitel
Mahnmale als Zeitzeichen Der Nationalsozialismus in der Erinnerungskultur Nordrhein-Westfalens
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
486
Ausstattung
kart., Klebebindung, 46 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5064-8
DOI
10.14361/9783839450642
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB JFC
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 SOC022000
THEMA-Code
NHD NHTB JBCC
Erscheinungsdatum
16. März 2020
Auflage
1
Themen
Kulturgeschichte, Erinnerungskultur
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Kunstgeschichte
Schlagworte
Erinnerungskultur, Nationalsozialismus, Bonner Republik, Nordrhein-Westfalen, Erinnerungszeichen, Denkmal, Mahnmal, Öffentlichkeit, 2. Weltkrieg, Gedenken, Kulturgeschichte, Deutsche Geschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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