Die Ästhetisierung und Politisierung des Todes

Handyvideos von Gewalt und Tod im Syrienkonflikt

Der Syrienkonflikt begegnet uns seit seinen Anfängen vor allem in Videos, die zunächst mit Smartphones, später auch mit hochauflösenden Actionkameras aufgenommen wurden. Verbreitet über das Internet werden diese Videos von einer internationalen Berichterstattung, aber auch von Kunst- und Filmschaffenden aufgegriffen. Mareike Meis entwickelt in diesem Kontext eine Forschungsperspektive, die auf innovative Weise Videos der Gewalt und des Todes für einen wissenschaftlichen Zugriff erschließbar und damit verbundene aktivistische, jihadistische und rechtspopulistische Praktiken im Spannungsfeld von Ästhetisierung und Politisierung kritisierbar macht.

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27. Mai 2021, ca. 332 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5080-2
Dateigröße: ca. 9.35 MB

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Mareike Meis

Mareike Meis, Ruhr-Universität Bochum, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Kriege und Konflikte begegnen uns heute vermehrt über soziale Medien. Vor allem Handyvideos von Gewalt und Tod erscheinen hier als Erzählungen, die uns zugleich erschrecken und faszinieren und Teil ästhetisierender und politisierender Formationen sind. Der Syrienkonflikt ist symptomatisch für eine Form des Geschichtenerzählens in und mit Videos, die voller Wendungen und Widerstände ist. In einer Gegenwart, in der die Frage, wer wann und wo welche Geschichten erzählen kann, stets eine politische ist, ist das Nachvollziehen dieser Geschichten von zunehmender Bedeutung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Über eine diffraktive Forschungsperspektive verbinde ich eine figurativ-narrative Analyse mit ethnografischen Methoden und öffne den wissenschaftlichen Blick für die ästhetischen Verfasstheiten, medialen Erscheinungskontexte und diskursiven Einbettungen der Videos von Gewalt und Tod. In Abgrenzung zu sozial- und kommunikationswissenschaftlichen Zugriffen verfolge ich einen Ansatz, der Gegenstand und Material nicht beschneidet, sondern die zeitabhängige und flüchtige Relationalität von Videos in sozialen Medien dem wissenschaftlichen Blick zugänglich macht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Gewalt und Tod sind Themen wiederkehrender Aufmerksamkeit und Kontroversen in unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen. Gewalt und Tod als zugleich ästhetisierende und politisierende Formationen zu betrachten und als Effekt von Bewegungsmustern zu kartieren, beschreitet neue Pfade in der Erforschung digitaler und virtueller Bilderpolitiken über disziplinäre Grenzen hinweg und schließt an aktuelle Debatten des methodischen Zugriffs auf Gegenstände und Materialien in der Umgebung sozialer Medien an.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit den syrischen Videograf*innen, die sich mit dem Filmen von Gewalt und Tod einer lebensgefährlichen Profession verschrieben hatten. Mit den Filmemacher*innen und Kunstschaffenden, die den Syrienkonflikt zu ihrem Gegenstand machten. Mit den Wortführer*innen einer identitären Bewegung, die die gewaltvollen Praktiken ihrer erwählten Gegenspieler*innen zu einer Selbstverletzung verkehrten. Mit allen, die über den Schrecken und die Faszination der Videos von Gewalt und Tod hinaus ihr politisches Moment sehen und aussprechen möchten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine Kartierung der digitalen und virtuellen Bilderpolitiken des Syrienkonflikts im Spannungsfeld einer Ästhetisierung und Politisierung des Todes.

Autor_in(nen)
Mareike Meis
Buchtitel
Die Ästhetisierung und Politisierung des Todes Handyvideos von Gewalt und Tod im Syrienkonflikt
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 332
Ausstattung
13 SW-Abbildungen, 30 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8394-5080-2
Warengruppe
1744
BIC-Code
JFD ABA
BISAC-Code
SOC052000 PER004030 ART009000
THEMA-Code
JBCT ABA
Erscheinungsdatum
27. Mai 2021
Themen
Medien, Bild, Gewalt
Adressaten
Medienwissenschaft, Kommunikationswissenschaft, Sozialwissenschaft, Politikwissenschaft, Ethnografie, Literaturwissenschaft, Kunstwissenschaft, Anglistik, Romanistik sowie Praktiker_innen im Bereich Journalismus, Kriegskorrespondenz, Politik und Politikberatung, Kunst, Film, Museumsarbeit und humanitäre Hilfe
Schlagworte
Syrien, Handyvideo, Tod, Gewalt, Soziale Medien, Ästhetik, Politik, Aktivismus, Jihadismus, Rechtspopulismus, Krieg, Konflikt, ISIS, Militär, Methodik, Medien, Bild, Medienästhetik, Video, Bildwissenschaft, Medienwissenschaft

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