Eltern – Schule – Migrationsgesellschaft

Neuformation von rassistischen Ein- und Ausschlüssen in Zeiten neoliberaler Staatlichkeit

Das Verhältnis von Eltern und Schule ist aktuell tief greifenden Veränderungen ausgesetzt. Ellen Kollender fragt nach der Rolle, die hierbei migrationsgesellschaftlichen Differenz- und Zugehörigkeitsordnungen zukommt: Wie werden Eltern in politischen Diskursen um Migration, Integration und Bildung positioniert? Welche Zuschreibungen erfahren vor allem türkisch-arabisch-muslimisch gelabelte Eltern in der Schule ihrer Kinder? Und welche Antworten entwickeln die Eltern hierauf?

Mit Blick auf Berlin wird rekonstruiert, wie sich im Zuge des neoliberalen staatlichen Wandels rassistische Grenzziehungen verschleiern und neue Einfallstore für Diskriminierung von Eltern entstehen.

Die Dispositivanalyse liefert Schlussfolgerungen für eine diskriminierungssensible Entwicklung von Schule als öffentlichem Raum.

25,99 € *

2. April 2020, 378 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5091-8
Dateigröße: 3.13 MB

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Ellen Kollender

Ellen Kollender, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Seit Beginn der 2000er Jahre stehen Eltern im Fokus bildungspolitischer Reformen wie sie in Reaktion auf den sog. Pisa-Schock angeschoben wurden. Der stärkere Einbezug von Eltern in schulische Prozesse wird meist als Antwort auf bestehende Bildungsungleichheiten und Ausdruck einer demokratischen Öffnung von Schule verstanden. Das Buch hinterfragt dieses Selbstverständnis und geht subtilen Ausschlüssen von Eltern und ihren Kindern in Schule und Migrationsgesellschaft auf den Grund.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Studie zeigt, dass gerade rassistische Ungleichheiten im Diskurs um ›gute Eltern‹ oft ausgeblendet werden und das Verhältnis von Eltern und Schule auf vielfältige Weise prägen. Zugleich führen neoliberale aktivierende Integrations- und Bildungspolitiken zu neuen Formen der institutionellen Diskriminierung insbesondere von Eltern mit sog. Migrationshintergrund. Diese stehen den Entwicklungen jedoch nicht ohnmächtig gegenüber, sondern verfolgen unterschiedliche (kollektive) Strategien, um Diskriminierung in Schule und Gesellschaft entgegenzuwirken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Studie differenziert die häufig defizitorientierte und kulturalisierende Debatte um sog. familiale Herkunftseffekte als Ursache von Bildungsungleichheiten. Indem ich das Zusammenspiel von politischen Diskursen, schulischen Wissensbeständen und elterlichen Subjektivationen analysiere, entwickle ich eine mehrdimensionale Perspektive auf das Verhältnis von Eltern und Schule. Über die Betrachtung dieses Zusammenspiels werden komplexe Diskriminierungsdynamiken auf struktureller und institutioneller Ebene sichtbar.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Politiker_innen, Pädagog_innen und Eltern, die interessiert sind, bestehende Beteiligungsformen von und Maßnahmen für Eltern kritisch zu hinterfragen und diese diskriminierungssensibel zu gestalten. Über Einzelmaßnahmen hinaus sollte es in der Diskussion auch um allgemeinere Strategien und Ansätze auf politischer und gesellschaftlicher Ebene gehen, die es braucht, um ungleichheits(re)produzierenden Effekten von Rassismus und Neoliberalismus in Schule und Gesellschaft zu begegnen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch analyisiert das Verhältnis von Eltern und Schule als Ausdruck eines neoliberalen wohlfahrtsstaatlichen Wandels sowie hiermit verbundene Formen eines flexiblen Rassismus in der Migrationsgesellschaft.

O-Ton: »Es ist ein System differentieller Teilhabe entstanden« – Ellen Kollender im Gespräch bei Radio Corax am 19.08.2020.
http://bit.ly/2QmklA7
O-Ton: »Die neoliberale Schule« – ein Gastbeitrag von Ellen Kollender auf ZEIT online am 19.07.2020.
http://bit.ly/39ujne9
»Struktureller Rassismus in der Schule? Die Abwehr dieses Vorwurfs dürfte in etwa so vehement sein, wie bei den Sicherheitskräften in Deutschland. Doch die diskursanalytische Studie der Bildungsforscherin Ellen Kollender über die Situation von ›als migrantisch positionierten Eltern‹ legt genau solche rassistischen Logiken nahe.«
Christoph David Piorkowski, Der Tagesspiegel, 03.07.2020
»Das Buch geht subtilen Ausschlüssen von Eltern und ihren Kindern in Schule und Migrationsgesellschaft auf den Grund.«
Oliver Neumann, www.lehrerbibliothek.de, 20.04.2020
Besprochen in:
InfoDienst Migration, 3 (2020)
Tagesspiegel, 05.08.2020, Sybille Volkholz
Autor_in(nen)
Ellen Kollender
Buchtitel
Eltern – Schule – Migrationsgesellschaft Neuformation von rassistischen Ein- und Ausschlüssen in Zeiten neoliberaler Staatlichkeit
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
378
Ausstattung
2 Farbabbildungen, 1 SW-Abbildung
ISBN
978-3-8394-5091-8
DOI
10.14361/9783839450918
Warengruppe
1572
BIC-Code
JNA JFSL JFFN
BISAC-Code
EDU036000 SOC031000 SOC007000
THEMA-Code
JNA JBSL1 JBFH
Erscheinungsdatum
2. April 2020
Themen
Migration, Neoliberalismus, Familie, Bildung
Adressaten
Erziehungswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft sowie Lehrer_innen und Praktiker_innen in den Bereichen Pädagogik und Soziale Arbeit sowie in Bildungsbehörden
Schlagworte
Eltern, Schule, Migrationsgesellschaft, Berlin, Neoliberalismus, Rassismus, Diskriminierung, Schulentwicklung, Soziale Ungleichheit, Bildungsungleichheit, Migration, Integration, Differenzverhältnisse, Kinder, Politischer Diskurs, Familie, Bildung, Bildungsforschung, Pädagogik

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