Jenseits der Sicherheit

Deutungsmuster der Katastrophe und ihre Institutionalisierung im Katastrophenschutz

Katastrophen irritieren die Selbstverständlichkeit des Alltags. Als St. Lorenzen in der Steiermark am 21. Juli 2012 von einem Murenabgang verschüttet wird, beginnt nicht nur eine Phase der praktischen, sondern auch der kognitiven Bewältigung: Um die Katastrophe zu verstehen, müssen die Betroffenen auf bestehende Deutungsmuster zurückgreifen. Sandra Maria Pfister erschließt diese Deutungsmuster der Katastrophe anhand einer qualitativen Studie des Murenabgangs und analysiert ihre Einbettung in der institutionellen Ordnung des Katastrophenschutzes. Damit geht sie über eine inhaltliche Rekonstruktion jener Muster weit hinaus und lenkt den Blick auf die konflikthaften Macht- und Spannungsverhältnisse.

44,99 € *

2020-02-11, 300 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5105-8

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Sandra Maria Pfister

Sandra Maria Pfister, Johannes-Kepler-Universität Linz, Österreich

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Als mein Heimatort von einem Murenabgang verschüttet wurde, waren neben der ›praktischen‹ Bewältigung der Katastrophenschäden eine Vielzahl an Dynamiken im Gange, die mich aus der Perspektive einer soziologischen Beobachterin fesselten: Verschiedenste Narrative über den ›wirklichen‹ Hergang und die Ursachen sowie den angemessenen Umgang mit der Katastrophe kursierten. Dies veranlasste mich, diese Narrative und ihre Reibungsflächen in meinen Abschlussarbeiten systematisch aufzuarbeiten und ein Stück weit nach ihren sozialen Produktionsbedingungen zu fragen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Analyse der Deutungsmuster setzt dezidiert am lebensweltlichen Wissen der Beteiligten und insbesondere der Betroffenen an. Damit kann ein Licht auf die Koexistenz konkurrierender Deutungsmuster geworfen werden, wobei auch Deutungsmuster mit geringem diskursiven Potenzial erfasst werden können. Zugleich wird deutlich, dass diese Koexistenz keine friedliche ist, sondern Konfliktlinien zwischen den Deutungsmustern bestehen, die vor dem Hintergrund der Verteilung von Deutungsmacht im Verborgenen bleiben oder in Deutungskämpfen offen ausgetragen werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Werk fügt sich in eine Reihe von Arbeiten, die einer (moderat) konstruktivistischen Sichtweise auf die Katastrophe geschuldet sind. Mit ihrem dezidierten Verweis auf Deutungskonflikte kommt sie zudem dem Desiderat konflikttheoretischer Zugänge zur Katastrophe entgegen. Die Anknüpfung an allgemeinere wissenssoziologische Perspektiven trägt zu dem zu einem Brückenschlag zwischen klassischem Strang der Soziologie und Katastrophensoziologie, der oft ein starker Bias auf praktische Fragestellung der Katastrophenbearbeitung angelastet wird, bei.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Wolf Dombrowsky, der in meinen Augen eine inspirierende Grundlage für einen kritischen Blick auf das soziale Feld ›Katastrophenschutz‹ geleistet hat.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Den Narrativen einer Katastrophe, wie jener in St. Lorenzen, liegen soziale Deutungsmuster zu Grunde, die in Konflikt miteinander stehen und vor dem Hintergrund bestehender, teils institutionalisierter Machtverhältnisse ausgetragen werden.

Autor_in(nen)
Sandra Maria Pfister
Buchtitel
Jenseits der Sicherheit Deutungsmuster der Katastrophe und ihre Institutionalisierung im Katastrophenschutz
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
300
Ausstattung
kart., Klebebindung, 10 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5105-8
Warengruppe
1729
BIC-Code
RNT JHB JFFS
BISAC-Code
SOC026000 POL033000
THEMA-Code
RNT JHB GTQ
Erscheinungsdatum
2020-02-11
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Wissenschaft
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft sowie Praktiker_innen im Bereich des Katastrophenschutzes
Schlagworte
Katastrophe, Deutungsmuster, Katastrophenschutz, Steiermark, St. Lorenzen, Bewältigung, Resilienz, Vulnerabilität, Institutionelle Ordnung, Versicherung, Naturbilder, Verantwortung, Gesellschaft, Wissenschaft, Umweltsoziologie, Wissenssoziologie, Globalisierung, Soziologie

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