Kinder. Medien. Kontrolle.

Vorstellungen von Lehramtsstudent*innen über den Umgang mit Medien in der Grundschule

Der Umgang mit Medien in der Grundschule will gelernt sein. Doch Vorstellungen, die angehende Lehrer*innen von Kindheit, Lernen und Lehrer*in-Sein haben, scheinen sie davon abzuhalten, sich damit auseinanderzusetzen, wie sie den Umgang mit Medien zukünftig gestalten können. Das zeigt Gesine Kulckes Analyse von Gruppendiskussionen mit Student*innen. Jene fügen sich in eine durch soziale Erwartungen strukturierte Ordnung ein und präsentieren die Haltung, dass sich Kinder zwar selbst entfalten sollen, dies aber im Sinne eines ihnen Bedürfnisse zuschreibenden Entwicklungsmodells. Damit werden Deutungsangebote entlarvt, die sich in pädagogischen und bildungspolitischen Diskursen aufdrängen und eine Abwehr vom Lernen mit, durch und über Medien ermöglichen und legitimieren.

40,00 € *

8. Juni 2020, 332 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5107-2

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Gesine Kulcke

Gesine Kulcke, Pädagogische Hochschule Ludwigsburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Nicht erst seit Corona, auch davor wurde der Einsatz von Medien vor allem mit der Frage bearbeitet, welche fehlenden technischen Voraussetzungen und welche fehlenden medienpädagogischen Kompetenzen der Lehrkräfte verhindern, dass an Grundschulen mit, durch und über Medien gelernt wird. Die Analyse der Gruppendiskussionen, die ich mit angehenden Grundschullehramtsstudent*innen geführt habe, macht die Notwendigkeit deutlich, dass hier nicht nur auf technische Ressourcen und Kompetenzen fokussiert wird, sondern auf eine Reflexion hegemonialer Deutungsangebote in Bezug auf Medien, aber auch auf Kindheit und Kindsein sowie Lernen und Lehren.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch fordert eine Neuausrichtung von Diskursen heraus. Es zeigt, dass es im Kontext der Grundschullehramtsausbildung nicht zuletzt um die Frage gehen muss, ob – und wenn ja wie – es möglich wird, neben der Förderung individueller Medienkompetenzen auch gesellschaftliche und politische Zusammenhänge zu thematisieren. Bildungsfragen sind auch als Machtfragen einzuordnen. Angesichts der zunehmenden Deutungsmacht von Wirtschaftsunternehmen hinsichtlich der Nutzung digitaler Medien und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung, stellt sich die Frage, wie ein diese Machtfragen erkennendes und verhandelndes Lernen mit, durch und über Medien in einem Lehramtsstudium aussehen könnte.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die in der Arbeit nachgewiesene Bedeutung von Selbstverständnissen und Orientierungen von Student*innen wird in medienpädagogischen Diskursen zwar wahrgenommen, aber in Medienbildungsstandards und davon ausgehenden Curricula nicht gefasst. Das Buch ist damit auch ein Plädoyer dafür, die Professionalisierung der Student*innen in Bezug auf den Umgang mit Medien in der Grundschule als Teil eines Subjektivierungsprozesses zu verstehen, um dann die Frage zu klären, mit welchen Mitteln sich überholte Professionskonzepte sowie die Konstruktionen von Kindheit im Sinne einer erinnerten Kindheit der Student*innen irritieren ließen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Grundschullehrmatsstudent*innen, Medienpädagog*innen und Grundschulpädagog*innen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch zeigt, dass es weniger um die Formulierung zu erreichender Lernziele in Bezug auf Medien - und damit um Medienkompetenzen - in der Grundschullehramtsausbildung geht, als vielmehr um die Rekonstruktion vorhandener Vorstellungen von Student*innen in Bezug auf das Lernen mit, durch und über Medien in der Kindheit; davon ausgehend kann es möglich werden im Studium Lern- und Bildungsprozesse zu initiieren, in denen vereinfachte Sichtweisen auf Medien durch komplexere ersetzt werden.

Besprochen in:
merz, 64/5 (2020)
Autor_in(nen)
Gesine Kulcke
Buchtitel
Kinder. Medien. Kontrolle. Vorstellungen von Lehramtsstudent*innen über den Umgang mit Medien in der Grundschule
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
332
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 12 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5107-2
DOI
10.14361/9783839451076
Warengruppe
1572
BIC-Code
JNA JFD
BISAC-Code
EDU036000 SOC052000 EDU037000
THEMA-Code
JNA JBCT1
Erscheinungsdatum
8. Juni 2020
Auflage
1
Themen
Medien, Bildung
Adressaten
Grundschulpädagogik, Medienpädagogik, Erziehungswissenschaft, Bildungsforschung, Medienwissenschaft
Schlagworte
Medien, Grundschule, Pädagogik, Lehramt, Kinder, Eltern, Sorgearbeit, Digital Natives, Soziale Ungleichheit, Studierende, Medienpädagogik, Mediendidaktik, Medienkompetenz, Gruppendiskussion, Entwicklungsmodell, Bildungspolitik, Curriculum, Subjektivierung, Kompetenzförderung, Bildung, Bildungsforschung, Digitale Medien, Bildungstheorie

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