Fragile Werte

Diskurs und Praxis der Restaurierungswissenschaften 1913–2014

»Fragil« nennen wir zerbrechliches Material ebenso wie verletzliche gesellschaftliche Konstitutionen. Das Fragile oszilliert dabei zwischen affirmativen Bewertungen und verunsichernden Konnotationen. Nathalie Bäschlin stellt die These auf, dass sich das Fragile zu einer eigenen Wertekategorie entwickelt hat, die unseren Blick auf die Kunst und die Formulierung des Bewahrungsauftrags nachhaltig beeinflusst. Sie fragt nach dem historischen Kontext, den Motivationen, die unsere Aufmerksamkeit auf das Fragile gelenkt haben, und wie die Auseinandersetzung mit der Fragilität die Praxis und den Diskurs des musealen Bewahrens durchdringt.

40,00 € *

2020-05-29, 272 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5121-8

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Nathalie Bäschlin

Nathalie Bäschlin, Hochschule der Künste Bern, Schweiz

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wohin wir den Blick auch richten, unsere Gesellschaft baut auf immer fragileren Systemen auf. Wir kommen nicht umhin, unsere Beziehung zum Fragilen unter die Lupe zu nehmen. Meine Recherche konzentriert sich auf Kunstwerke mit sichtbaren Altersspuren (Craquelés, Patina) und Materialmutationen. Sie legt ein wachsendes Interesse an fragilen Konstitutionen offen und lässt wechselseitige Bezüge zwischen der Kunst, ihrer Rezeption und der Wertschätzung der Fragilität sichtbar werden.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

zum Beispiel befremdlich, dass Kunstwerke aus nicht beständigen Materialien oft einseitig unter der Floskel des ‹intendierten Zerfalls› subsumiert werden. Materielle Zeichen, die auf das Prozessuale, das Prekäre, die Offenheit für das produktive Scheitern oder den schlechten Geschmack verweisen, gehen dabei unter. Die differenzierte Lektüre steigert das Bedürfnis, das Brüchige und Fragile in Diskurse um die Kunst und ihre Erhaltung einzubinden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Materielle Artefakte haben eine begrenzte Lebensdauer und sie sind stetem Wandel unterworfen. In unserem digital geprägten Umfeld gewinnt diese Tatsache an Relevanz - ungeachtet dessen, ob wir uns fragilen wirtschaftlichen Systemen, dem internationalen Ausstellungsgeschäft, unserem Bewahrungsauftrag oder der ‹Aura› eines Kunstwerks zuwenden. Die Fragilität ist auf Prozess und Veränderung ausgerichtet und spiegelt die Dynamisierung unseres Werteverständnisses.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Meret Oppenheim, der Surrealistin, Verwandlungskünstlerin, Experimentalistin und Restauratorin. Ihre engagierten Statements zur Kunst und zur Gesellschaft haben mich immer beeindruckt. Es ist gut möglich, dass Oppenheim die Fragilitätsthese leidenschaftlich verworfen, wie auch, dass sie diese in den 1970er Jahren nachdrücklich unterstützt hätte: beide Sichtweisen würden mich brennend interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Wertschätzung der Fragilität in unserer Gesellschaft, aufgezeigt anhand einer historisch orientierten Recherche zur Rezeption von Alterspuren an Kunstwerken.

Autor_in(nen)
Nathalie Bäschlin
Buchtitel
Fragile Werte Diskurs und Praxis der Restaurierungswissenschaften 1913–2014
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
272
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 22 SW-Abbildungen, 97 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5121-8
DOI
Warengruppe
1582
BIC-Code
ACX GM PDX
BISAC-Code
ART015110 ART059000 HIS054000 SCI034000
THEMA-Code
AGA GLZ PDX
Erscheinungsdatum
2020-05-29
Auflage
1
Themen
Wissenschaft, Kunst
Adressaten
Kunstwissenschaft, Kunstgeschichte, Museologie, Kulturgeschichte, Kulturwissenschaft sowie Praktiker_innen in der Konservierung/Restaurierung
Schlagworte
Werte, Fragilität, Malerei, Konservierung, Restaurierung, Museum, Wertekategorie, Bewertung, Francis Picabia, Fälschung, Maltechnik, Materialisierung, Paul Klee, Meret Oppenheim, Klodin Erb, Farbe, Fluss, Ironie, Authentizität, Patina, Nostalgie, Valorisierung, Kunst, Wissenschaft, Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts, Museumswissenschaft, Wissenschaftsgeschichte, Kunstwissenschaft

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