Epistemische Gewalt

Wissen und Herrschaft in der kolonialen Moderne

Gewalt ist nicht nur Ereignis, sondern auch Prozess und Verhältnis. Sie zerstört Ordnung nicht nur, sondern begründet sie auch und hält sie aufrecht. Der Dimension des Wissens wird in den meisten Gewaltdebatten nur wenig Bedeutung beigemessen, gilt sie doch als Gegenteil von oder als Gegenmittel zu Gewalt. Mit dem Begriff der »epistemischen Gewalt« rückt Claudia Brunner den konstitutiven Zusammenhang von Wissen, Herrschaft und Gewalt in der kolonialen Moderne, unserer Gegenwart, in den Fokus. Ausgehend von feministischer, post- und dekolonialer Theorie entwickelt sie in Auseinandersetzung mit struktureller, kultureller, symbolischer und normativer Gewalt ein transdisziplinäres Konzept epistemischer Gewalt.

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2020-05-07, 336 Seiten
ISBN: 978-3-7328-5131-7
Dateigröße: 0.5 MB

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Claudia Brunner

Claudia Brunner, Universität Klagenfurt, Österreich

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Um den Ungleichheitsverhältnissen der Gegenwart zu begegnen, müssen wir an den politischen und epistemischen Grundlagen der Moderne und der bis heute anhaltenden Kolonialität ansetzen. Es gilt, marginalisierte Theorietraditionen widerständigen Wissens zueinander in Beziehung zu setzen. Die Theoretisierung epistemischer Gewalt richtet den Blick dabei auf die Voraussetzungen und Konsequenzen unseres Wissens im Kontext von europäischem Kolonialismus und kapitalistischem Weltsystem.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mein Buch ist ein Plädoyer, Gewalt als Prozess und Verhältnis zu betrachten – nicht nur als Ereignis. Der Begriff epistemische Gewalt bezeichnet jenen Beitrag zu gewaltförmigen Herrschaftsverhältnissen, der im Wissen selbst angelegt und zugleich für deren Analyse unsichtbar geworden ist. Denn Gewalt ist nicht nur anderswo, anderswer und anderswas - sie liegt auch der vermeintlich gewaltfreien Sphäre der Wissenschaften zugrunde und wird von ihr mit hervorgebracht.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Epistemische Gewalt zu problematisieren bedeutet, das Privileg euro- und androzentrischer Wissensproduktion herauszufordern, auch jenseits einer Analyse und Kritik von offensichtlichen Gewaltverhältnissen. Post- und dekoloniale, indigene und feministische Debatten tun das schon lange. Von ihnen muss, übrigens auch herrschaftskritische, Wissenschaft noch viel lernen. Transdisziplinäre Begriffsarbeit, wie ich sie in diesem Buch unternommen habe, leistet dazu einen wichtigen Beitrag.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Erstens mit Menschen in Wissenschaft und Bildung, deren Reflexionen zu meinem Text an einem tieferen Verständnis gegenwärtiger Herrschaftsverhältnisse im globalen Kontext orientiert sind; zweitens mit Studierenden, die aus dem Text ihre eigenen Schlüsse ziehen und dessen Inhalte in Theorie und Praxis weiterentwickeln; und drittens mit allen, die auf der Suche nach (Denk-)Werkzeugen zum Abbau sozialer Ungerechtigkeit und zur Transformation von Gewaltverhältnissen sind.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Epistemische Gewalt formt die Welt seit Jahrhunderten – es ist Zeit, sie besser verstehen zu lernen.

Besprochen in:
Wissenschaft & Frieden, 2 (2020)
www.centrum3.at, 6 (2020)
www.frauensolidaritaet.org, 6 (2020)
Autor_in(nen)
Claudia Brunner
Buchtitel
Epistemische Gewalt Wissen und Herrschaft in der kolonialen Moderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
336
ISBN
978-3-7328-5131-7
DOI
Warengruppe
1728
BIC-Code
JFFE JPA JFSL
BISAC-Code
SOC051000 POL010000 SOC031000
THEMA-Code
JBFK JPA JBSL1
Erscheinungsdatum
2020-05-07
Themen
Postkolonialismus, Politik, Rassismus, Gewalt
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Geisteswissenschaft, Politische Theorie, Wissenschaftsforschung, Friedens- und Konfliktforschung, Internationale Beziehungen, Internationale Entwicklung
Schlagworte
Gewalt, Wissen, Kolonialismus, Epistemologie, Internationale Beziehungen, Wissenschaft, Feministische Theorie, Pierre Bourdieu, Judith Butler, Johan Galtung, Postkolonialismus, Dekolonialismus, Episteme, Moderne, Transdisziplinarität, Herrschaft, Krieg, Rassifizierung, Genozid, Eurozentrismus, Orientalismus, Okzidentalismus, Politik, Politische Theorie, Rassismus, Politikwissenschaft

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