Leben weben

(Auto-)Biographische Praktiken russischer Autorinnen und Autoren im Internet

Das Internet als das Medium der Selbstdarstellung schlechthin wird auch von russischen Autorinnen und Autoren gerne genutzt. Sie übernehmen Bilder der Schriftstellerin bzw. des Schriftstellers aus der russischen Literaturtradition, passen sie auf die kommunikativen Gegebenheiten des Web an und erschaffen sie in medialen Experimenten neu.

Doch wie lassen sich die unter der Oberfläche des Web 2.0 operierenden kreativen Mechanismen identifizieren und im Kontext der Literaturtheorie verorten? Gernot Howanitz verschränkt in seinem Buch qualitative und quantitative Verfahren im Sinne der Digital Humanities, um den (auto-)biographischen Praktiken im russischsprachigen Internet (Runet) nachzuspüren.

Die dem Buch zugrundeliegende Dissertation wurde ausgezeichnet mit dem Gustav-Figdor-Preis für Literaturwissenschaften, verliehen durch die Österreichische Akademie der Wissenschaften (2018), dem Dissertationspreis der Universität Passau (2018) sowie dem DARIAH-DE Digital Humanities Award (2018).

45,00 € *

14. Februar 2020, 376 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5132-4

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Gernot Howanitz

Gernot Howanitz, Universität Passau, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Um endlich eine Frage beantworten zu können, die mir im Laufe meiner mittlerweile zehnjährigen Beschäftigung mit dem russischsprachigen Internet (Runet) unzählige Male gestellt worden ist: ›Was ist jetzt wirklich neu an der Internetliteratur?‹. Der Schlüssel zur Beantwortung dieser Frage ist im Dialog zwischen Autorin oder Autor und Publikum zu suchen: Internetliteratur funktioniert vor allem dann, wenn das Publikum ›mitspielt‹, trotzdem braucht es auch den Autor oder die Autorin als ›Anker‹.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Quantitative Zugänge zu literarischen Texten wurden in den letzten Jahren immer wieder ausprobiert; in der Regel sind das aber bessere Spielereien. In meinem Fall hingegen strukturieren die Erkenntnisse der quantitativen Untersuchung das ganze Buch und demonstrieren, wie hilfreich diese Zugänge tatsächlich sein können. Darüber hinaus sägt das Buch weiter am traditionellen Verständnis von Autobiographie, wie es im multimodalen Umfeld des Internets einfach notwendig geworden ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Runet schafft es zwar immer wieder in die Schlagzeilen, allerdings vor allem mit politischen Hiobsbotschaften: Immer stärker nimmt der russische Staat Einfluss auf das Netz. Auch im wissenschaftlichen Diskurs stehen in der Regel politische Aspekte des Runet im Vordergrund. Mein Buch erinnert hoffentlich daran, dass das Netz nach wie vor spielerische, kreative und vor allem literarische Seiten hat, die aber natürlich auch politische Brisanz aufweisen können.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Vertreterinnen und Vertretern des Russischen Formalismus. Mich fasziniert, wie Theorien, die vor hundert Jahren formuliert worden sind, helfen können, die Situation im russischsprachigen Internet zu beleuchten. Jurij Tynjanov und Boris Tomasevskij würde bestimmt noch mehr zum Verhältnis zwischen Text und Leben einfallen, wenn sie russische Blogs am Computer durchscrollen könnten – und ich bin überzeugt, dass ihnen dabei auch die vielen medialen Experimente gefallen würden.

5. Ihr Buch in einem Satz:

»Leben weben« untersucht, wie russische Autorinnen und Autoren gemeinsam mit ihrem Publikum die Grenzen zwischen Leben und Text weiter auflösen.

Autor_in(nen)
Gernot Howanitz
Buchtitel
Leben weben (Auto-)Biographische Praktiken russischer Autorinnen und Autoren im Internet
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
376
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 18 SW-Abbildungen, 11 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5132-4
DOI
10.14361/9783839451328
Warengruppe
1568
BIC-Code
DSB JFD
BISAC-Code
LIT004110 SOC052000
THEMA-Code
DSB JBCT1
Erscheinungsdatum
14. Februar 2020
Auflage
1
Themen
Popkultur, Medien, Internet, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Medienwissenschaft, Digital Humanities
Schlagworte
Autobiographie, Biographie, Russland, Internet, Autorschaft, Blogs, Soziale Netzwerke, Digital Humanities, Literatur, Medien, Slavistik, Social Media, Literaturtheorie, Literaturwissenschaft

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