Tabu, Trauma und Identität

Subjektkonstruktionen von PalästinenserInnen in Deutschland und der Schweiz, 1960-2015

Die seit 1947 andauernden systematischen Vertreibungen der PalästinenserInnen aus Palästina/Israel gehen u.a. auf die europäische Geschichte des britischen Kolonialismus und des deutschen Nationalsozialismus zurück. Dennoch wird die palästinensische Gewalterfahrung aus dem europäischen kollektiven Gedächtnis ausgegrenzt und tabuisiert.

Sarah El Bulbeisi beschäftigt sich mit den Auswirkungen dieser Tabuisierung auf PalästinenserInnen in Deutschland und in der Schweiz und mit ihren Spuren in der Eltern-Kind-Beziehung. Sie zeigt, wie sich in der Erfahrung von deutschem und schweizer Rassismus und in der Konfrontation mit »dem hegemonialen Traum von Unschuld« die traumatische Erfahrung von Siedlerkolonialismus und ethnischer Säuberung fortsetzt.

45,00 € *

2. September 2020, 322 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5136-2

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Sarah El Bulbeisi

Sarah El Bulbeisi, Ludwig-Maximilians-Universität München, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die palästinensische Leidens- und Unrechtserfahrung wird bis jetzt aus dem europäischen Gedächtnis und Bewusstsein abgespalten und tabuisiert, obwohl die palästinensische Geschichte eng verflochten mit der europäischen Geschichte ist. Mehr noch, die bloße Sichtbarkeit palästinensischer Erfahrung wirkt bedrohlich, was in ihrer Repräsentation als anti-semitisch widerhallt. Ich wollte die Gewalt sichtbar machen, die von dieser Repräsentation und Tabuisierung ausgeht, und was das mit Palästinenser_innen in Europa macht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Das Buch ermöglicht einen Blick auf das Erleben von Menschen, die Betroffene der geleugneten und deswegen fortdauernden Gewalt von Siedlerkolonialismus und ethnischer Säuberung sind. Es zeigt auf, wie sich diese Gewalt in Deutschland und in der Schweiz symbolisch fortsetzt: in der Repräsentation von Palästinenser_innen als Antisemiten und als Terroristen, in der Rechtfertigung von staatlicher israelischer Gewalt gegen sie, in der Missachtung ihrer Gewalterfahrung und der Tabuisierung ihrer Identität.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Auseinandersetzung mit der traumatischen Erfahrung von Palästinenser_innen wird in international boomenden Forschungsfeldern wie den memory, trauma, genocide, post conflict, post colonial studies stark vernachlässigt. Dies ist u.a. auf die Anwendung von Theorien zurückzuführen, die v.a. im Zuge des Holocaust entwickelt wurden. Mein Ansatz – psychoanalytische Theorie und Methode mit post colonial studies zu verknüpfen und auf Palästina/Israel anzuwenden – ist deshalb ungewöhnlich.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich denke, das Buch kann einen Beitrag zu einer differenzierteren Antisemitismusdebatte in Deutschland leisten, in der linke, nicht weiße oder muslimische Positionen noch immer marginal sind.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Welche Spuren hinterlässt die Missachtung und Tabuisierung ihrer Gewalterfahrung und Identität in Deutschland und der Schweiz bei Palästinenser_innen?

Autor_in(nen)
Sarah El Bulbeisi
Buchtitel
Tabu, Trauma und Identität Subjektkonstruktionen von PalästinenserInnen in Deutschland und der Schweiz, 1960-2015
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
322
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 12 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5136-2
DOI
10.14361/9783839451366
Warengruppe
1559
BIC-Code
HBTB HBLW3
BISAC-Code
HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHTB
Erscheinungsdatum
2. September 2020
Auflage
1
Themen
Postkolonialismus, Migration, Erinnerungskultur, Kulturgeschichte
Adressaten
Psychoanalyse, Oral History, Sozial- und Kulturanthropologie, Zeitgeschichte, Ethnologie, Migrationsforschung, Memory Studies, Diasporaforschung, Postcolonial Studies, Gender Studies
Schlagworte
Palästina, Israel, Europa, Gewalterfahrung, Deutschland, Schweiz, Vertreibung, Shoa, Gewalt, Verantwortung, Postkolonialismus, Identität, Trauma, Psychoanalyse, Oral History, Selbstbild, Eltern-Kind-Beziehung, Erinnerungsarbeit, Kulturgeschichte, Migration, Erinnerungskultur, Zeitgeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Globalgeschichte, Geschichtswissenschaft

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