Stuttgart 21 – eine Rekonstruktion der Proteste

Soziale Bewegungen in Zeiten der Postdemokratie

Die Konflikte um das Großprojekt »Stuttgart 21« verdeutlichen exemplarisch, wie Protestbewegungen das postdemokratische Zusammenspiel von Staat und Wirtschaft herausfordern. Bürgerbeteiligung und Kostentransparenz sind seither nahezu obligatorisch, dabei hat die Bewegung gegen »S21« ihr eigentliches Ziel, das Bahn- und Immobilienprojekt zu stoppen, verfehlt, trotz scheinbar positiver Ausgangslage. Anhand von Schlüsselereignissen im Konflikt um das Großprojekt rekonstruiert Julia von Staden die Dynamiken und Diskurse dieser sozialen Bewegung. Diese Untersuchung stellt in ihrer Art eine Neuheit in der Protest- und Bewegungsforschung dar und ist gleichzeitig ein Lehrstück für andere soziale Bewegungen.

30,00 € *

2020-06-27, ca. 256 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5158-4

Erscheint voraussichtlich bis zum 27. Juni 2020

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Julia von Staden

Julia von Staden, Goethe-Universität Frankfurt am Main, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Der Protest gegen das Großprojekt Stuttgart 21 machte weltweit Schlagzeilen. Anschließend wurde viel über Partizipation und die sogenannten ‹Wutbürger› diskutiert. Was bei dieser Debatte außer Acht gelassen wird: Am Konflikt gegen S21 lässt sich exemplarisch erkennen, wie postdemokratische Logiken funktionieren und neoliberale Großprojekte durchgesetzt werden – und welche Chancen Protestbewegungen dennoch haben, um gesellschaftlichen Wandel zu bewirken. Darum geht es in meinem Buch.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit meinem Buch erschließe ich tiefe Einblicke in die Strukturen und Strategien einer sozialen Bewegung. Und zwar aus der Perspektive der Bewegung heraus. Das ist in der Art eine Neuheit in der Forschung zu sozialen Bewegungen. Wenn sich bereits bestehende Organisationen in sozialen Bewegungen einbringen und dort den Ton angeben, werden oft Strategien gewählt, von denen die einzelnen Gruppen profitieren, die aber dem Ziel der Bewegung wenig zuträglich sind. Dieser Aspekt wird beispielsweise oft unterschätzt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Soziale Bewegungen sind und bleiben ein wichtiges Mittel demokratischen Engagements. Das gilt gerade in postdemokratischen Zeiten, wenn demokratische Instanzen an Bedeutung verlieren und Wirtschaftsinteressen gegen die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgespielt werden. Oder wenn Mehrheitsinteressen zulasten von Minderheiten und ökologischen Aspekten durchgesetzt werden sollen. Insofern sind das Thema des Buchs und vor allem die neuen Erkenntnisse hochaktuell.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit der Bewegung gegen S21 - vor 10 Jahren, damit sie reflektiertere Entscheidungen an den wichtigsten Weggabelungen treffen kann. Und heute? Mit allen, die sich weltweit für eine solidarische, ökologische Lebensweise engagieren. Und mit politischen Entscheidungstragenden. Denn es existiert ein Irrglaube, dass es bei der Planung von Großprojekten nur an feinfühliger Einbindung der Bevölkerung mangelt. Ernstgemeinte Partizipation jedoch wäre ein ergebnisoffener Aushandlungsprozess auf Augenhöhe.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Auseinandersetzung um das Großprojekt Stuttgart 21 als Lehrstück postdemokratischer Herrschaftskonflikte.

Autor_in(nen)
Julia von Staden
Buchtitel
Stuttgart 21 – eine Rekonstruktion der Proteste Soziale Bewegungen in Zeiten der Postdemokratie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 256
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 12 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5158-4
DOI
Warengruppe
1721
BIC-Code
JPWF JHB JFSG
BISAC-Code
POL003000 POL010000 SOC026000 SOC026030
THEMA-Code
JPWG JHB JBSD
Erscheinungsdatum
2020-06-27
Auflage
1
Themen
Stadt, Politik, Zivilgesellschaft
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Bewegungsforschung, interpretative Policy-Forschung, Diskursanalyse, objektive Hermeneutik sowie Politiker*innen und Praktiker*innen im Bereich soziale Bewegungen und Bürgerbeteiligung
Schlagworte
Stuttgart 21, Großprojekte, Postdemokratie, Bürgerbeteiligung, Soziale Bewegungen, Protest, Ziviler Ungehorsam, Zivilgesellschaft, Stadt, Politik, Politische Soziologie, Urban Studies, Raum, Politikwissenschaft

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