Geflüchtete im Betrieb

Integration und Arbeitsbeziehungen zwischen Ressentiment und Kollegialität

Wie kann die Integration von Geflüchteten in die Arbeitswelt gelingen? Werner Schmidt beschäftigt sich ausführlich mit dieser vielgestaltigen Frage und gibt durch zahlreiche Interviews mit betrieblichen Akteuren, Beschäftigten und Geflüchteten direkte Einblicke in alltägliche Chancen und Konfliktfelder. Dabei wird deutlich, dass die gegenwärtigen Bedingungen anders, aber keineswegs schlechter sind als bei der ersten »Gastarbeiter«-Generation. Größtes Problem ist heute jedoch das Eindringen rechtspopulistischer Diskurse. Die alltägliche Zusammenarbeit und die Anwendung gleicher Regeln für alle sind dagegen nützliche Mittel und sorgen für die Entwicklung von Kollegialität und Respekt unter Beschäftigten unterschiedlicher Herkunft.

25,00 € *

2020-03-02, 252 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5204-8

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Werner Schmidt

Werner Schmidt, Forschungsinstitut für Arbeit, Technik und Kultur (F.A.T.K.), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Die berufliche Integration in die Arbeitswelt und die soziale Integration im Betrieb werden zu Recht zum Kern gesellschaftlicher Integration gerechnet. Was jedoch tatsächlich passiert, wenn sich Geflüchtete und ›etablierte Beschäftigte‹, darunter auch frühere Migrantinnen und Migranten, in den Betrieben begegnen, darum haben sich die Sozialwissenschaften jahrelang kaum gekümmert. Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz könnte man schon fast von einem Wissenschaftsversagen sprechen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Bemerkenswert ist, dass Integration im Betrieb oft besser funktioniert als in der Gesellschaft. Vor allem dort, wo bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Zu diesen gehören die Gültigkeit gleicher Regeln für alle und herkunftsunabhängige Beteiligungschancen. Ein Beispiel dafür ist, dass das aktive und das passive Wahlrecht bei Betriebsratswahlen auch für Beschäftigte ohne deutsche Staatsbürgerschaft gilt. Aus betrieblichen Erfahrungen ließe sich gesellschaftlich viel lernen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Studien zur Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten gibt es inzwischen einige. Sie konzentrieren sich jedoch oft auf den Qualifizierungsbedarf. Das Thema ist wichtig, oft wird jedoch eine Perspektive eingenommen, die einem Rückfall in die eigentlich überwundene Assimilationsperspektive gleichkommt. An Studien und einem breiten Diskurs zur wechselseitigen betrieblichen Sozialintegration von Herkunftsverschiedenen und zu den institutionellen Rahmenbedingungen fehlt es jedoch noch immer.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mitbestimmung, Betriebsräte, Tarifverträge und gesetzlicher Mindestlohn spielen eine wichtige Rolle für Integration. Der ›Integrationsfunktion‹ institutionalisierter Arbeitsbeziehungen scheinen sich jedoch etliche Forscherinnen und Forscher, die sich mit Arbeitsbeziehungen beschäftigen, und Betriebsräte, aber selbst viele Gewerkschafts- und Arbeitgebervertreter kaum bewusst zu sein. Wichtig wäre es darüber hinaus, gesellschaftspolitische Schlüsse aus dem Befunden zu ziehen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Alltägliche Zusammenarbeit und gleiche Rechte helfen bei der Integration im Betrieb, doch prekärer Aufenthalt und rechte Diskurse wirken entgegen.

Besprochen in:
Mitbestimmung, 3 (2020)
Autor_in(nen)
Werner Schmidt
Buchtitel
Geflüchtete im Betrieb Integration und Arbeitsbeziehungen zwischen Ressentiment und Kollegialität
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
252
Ausstattung
kart.
ISBN
978-3-8376-5204-8
DOI
Warengruppe
1724
BIC-Code
JHBL JFFD JFFM
BISAC-Code
SOC026000 SOC007000 SOC050000
THEMA-Code
JHBL JBFG JBFQ
Erscheinungsdatum
2020-03-02
Auflage
1
Themen
Flucht, Zivilgesellschaft, Arbeit
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Berufspädagogik, Europäische Ethnologie, Arbeitssoziologie, Migrationsforschung sowie Gewerkschaft und Arbeitgeberverbände, Kammern, Betriebsräte und die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Flüchtlinge, Integration, Desintegration, Migration, Arbeit, Arbeitsbeziehungen, Deutschland, Rechtspopulismus, Kollegialität, Herkunft, Arbeitsmarkt, Sozialintegration, Soziale Schließung, Zivilgesellschaft, Flucht, Arbeits- und Industriesoziologie, Flüchtlingsforschung, Soziale Ungleichheit, Soziologie

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