Metaphorologie des Kinos

Sprachbilder und Intermedialität im literarischen Kinodiskurs der Klassischen Moderne

In der Anfangszeit des Kinos stellte die Filmrezeption ein außergewöhnliches Erlebnis dar. Der Überschuss an Wahrnehmung versetzte die Zuschauer in die Situation von »Mängelwesen« (Hans Blumenberg), die sich der Metapher als epistemischer Strategie bedienen müssen. So tauchen in den literarischen Dokumenten von Begegnungen mit dem Film verschiedene metaphorische Figuren auf, die häufig als Bildmotive über die Mediengrenze hinweg auf die Leinwand zurückkehren. Daisuke Yanagibashi demonstriert die Bandbreite der kinobezogenen Metaphernfelder, um die Diskursivierungswege dieses neuen Mediums zu beleuchten und die breite Textgrundlage des Kinodiskurses systematisch zu überblicken.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Vorwort

    Seiten 9 - 10
  4. Einleitung

    Seiten 11 - 32
  5. I Das Kino und seine Metapher. Überlegungen zu einer Wahlverwandtschaft

    Filmbeschreibung – neue Ekphrasis? Zur Einführung in die Problematik

    Seiten 35 - 42
  6. 1 Der ›lebende Schatten‹ als metaphorisches Paradigma

    Seiten 43 - 60
  7. 2 Vom ›Memento mori‹ zum ›Antichrist‹. Literarische Variationen einer Leitmetapher

    Seiten 61 - 90
  8. II ›Regressionsmaschine‹ Kino? Zur subjektbezogenen Metaphorik des Kinos

    Rückwärtsprojektion. Einführung in die regressive Zeitstruktur der Metapher

    Seiten 93 - 96
  9. 3 Zwischen Abgrenzung und Sehnsucht. Der Stellenwert des Regressiven in psychologischen Bildtheorien

    Seiten 97 - 116
  10. 4 Das ›naive‹ Kind vor der Leinwand. Zum Regressiven als Leitmetapher des frühen Kinodiskurses

    Seiten 117 - 156
  11. 5 Über die Regression zur Reflexion. Der Kinozuschauer als ›barbarisches Kind‹

    Seiten 157 - 186
  12. Weimarer Filmtheorie als Plädoyer für die reflektierte Regression

    Seiten 187 - 190
  13. III Das Kino einverleiben. Zur objektbezogenen Metaphorik des Kinos

    Metapher zwischen Intro- und Projektion. Zur Diätetik des Kinos

    Seiten 193 - 198
  14. 6 Ambivalente Transsubstantiation oder: Kino trinken, Film essen

    Seiten 199 - 242
  15. 7 Von der ›Kinopest‹ zur ›Flimmeritis‹. Stationen einer diskursiven Immunisierung gegen die ansteckende Krankheit des Kinos

    Seiten 243 - 290
  16. 8 Die kinematographische ›Ansteckung‹ des Theaters. Zum ›intermedialen Bezug‹ der Literatur auf den Film

    Seiten 291 - 332
  17. Die reflektierte ›Kinopest‹. Zur Ansteckungsmetapher in der Weimarer Zeit

    Seiten 333 - 336
  18. Schlussbetrachtung oder: Ausblick auf eine Metaphorologie des Films

    Seiten 337 - 348
  19. Literaturverzeichnis

    Seiten 349 - 372
  20. Abbildungsverzeichnis

    Seiten 373 - 374
  21. Filmverzeichnis

    Seiten 375 - 376
  22. Index

    Seiten 377 - 386
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50,00 € *

8. Oktober 2020, 386 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5207-9

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Daisuke Yanagibashi

Daisuke Yanagibashi, Freie Universität Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Spricht man von der Intermedialität zwischen Literatur und Film, so geht es immer wieder um die narratologischen Verfahren, die in den beiden Medien gleichermaßen bzw. unterschiedlich umgesetzt werden. Indem ich den frühen literarischen Kinodiskurs heranziehe, versuche ich aber für die Intermedialitätsforschung einen anderen Weg einzuschlagen, der gerade nicht von der literarischen oder filmischen Produktion, sondern vielmehr von der Filmrezeption der Schriftsteller ausgeht.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Beschäftigung mit den Metaphern soll einen gleich mehrfachen Erkenntnisgewinn bringen. Anhand ihrer Gefühlswerte kann man beleuchten, welche Vorstellungen das Kino bei dessen Diskursivierung erweckt. Mithilfe der Zirkulation der Figuren in verschiedenen Diskursen lassen sich auch interdisziplinäre Zusammenhänge um den Kinodiskurs verfolgen. Eingegangen wird schließlich auf die Funktion der Metapher als Vehikel, das intermediale Bezüge zwischen Literatur und Film herstellt.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Indem mein Buch einige Leitmetaphern aus der Fülle des Quellenmaterials herausarbeitet, verschafft es der einschlägigen Forschung einen systematischen Überblick, der für weitere Diskussionen als Stütze dienen kann. Diese Denkfiguren – vom ›naiven‹ oder ›barbarischen Kind‹ über den ›Alkohol‹, die ›Nahrung‹ und das ›Gift‹ bis hin zur ›Pest‹ bzw. der ›Ansteckung‹ – können auch zu interdisziplinärem Dialog zwischen Medienkulturwissenschaft, Literaturanthropologie und Wissensgeschichte beitragen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit all denjenigen, die sich für die Diskursgeschichte der Medien sowie die ›Literatur und Film‹-Problematik interessieren. Im Besonderen aber mit den Menschen, die bereit sind, sich mit den Klassikern der Film- und Medientheorie aus der metaphorologischen Perspektive auseinanderzusetzen. Darüber hinaus bin ich gespannt auf die Diskussion mit Wissenschaftler*innen, die über andere Zeit- und Sprachräume berichten können, um eine komparatistische Mediendiskursgeschichte in die Wege zu leiten.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch widmet sich einer doppelten Projektion – den Bildern, die man auf die Bilder projiziert, die ihrerseits auf die Leinwand projiziert werden.

Besprochen in:
www.hhprinzler.de, 12.11.2020, Hans Helmut Prinzler
Autor_in(nen)
Daisuke Yanagibashi
Buchtitel
Metaphorologie des Kinos Sprachbilder und Intermedialität im literarischen Kinodiskurs der Klassischen Moderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
386
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 11 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5207-9
DOI
10.14361/9783839452073
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB JFD APFA
BISAC-Code
LIT004170 SOC052000 PER004030 LIT000000
THEMA-Code
DSB JBCT ATF
Erscheinungsdatum
8. Oktober 2020
Auflage
1
Themen
Literatur, Film
Adressaten
Neuere Deutsche Literatur, Filmwissenschaft, Medienwissenschaft, Rhetorik, Literarische Anthropologie, Philosophie
Schlagworte
Literatur, Film, Metapher, Intermedialität, Medienkultur, Kinodebatte, Kino, Ekphrasis, Metaphorologie, Theater, Weimarer Zeit, Hollywood, Germanistik, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturgeschichte, Literaturwissenschaft

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