Soziologie ohne Mensch?

Umrisse einer soziologischen Anthropologie

Die Entstehung der Soziologie lässt sich durch die berühmte Forderung Émile Durkheims zusammenfassen: Soziales nur durch Soziales erklären. Ihre Geschichte ist also mit dem Versprechen verknüpft, die soziale Wirklichkeit unter Ausschluss alles Nicht-Sozialen zu erforschen – womit die Perspektive auf den Menschen verdrängt wird. Doch kann der Mensch aus der Soziologie überhaupt verdrängt werden? Rafael Alvear Moreno reflektiert diese Frage im Hinblick auf die Beschreibung der Motive und Konsequenzen des genannten Versprechens anhand der Großtheorien von Jürgen Habermas und Niklas Luhmann. Seine Untersuchung wird dabei von der dialektischen Figur durchkreuzt, dass es keine Verdrängung ohne Einbeziehung gibt – was unmittelbar in eine soziologische Anthropologie führt.

40,00 € *

2020-06-25, 324 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5229-1

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Rafael Alvear Moreno

Rafael Alvear Moreno,Universidad Adolfo Ibáñez, Chile

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

In einem Moment, bei dem die geistige Strömung des Anti- bzw. Post-Humanismus der Frage nach dem Menschen innerhalb der Soziologie jede Wichtigkeit zu entnehmen scheint, ist es umso relevanter, über deren kontrafaktischen Bedingungen zu reflektieren. Die Frage nach der Stellung des Menschen – genauso wie der Philosophie – in der Soziologie hat nicht umsonst unsere Disziplin von ihrem Ursprung begleitet. Jetzt geht es also darum, es nochmals zu problematisieren und aktuelle Schlussfolgerungen daraus zu ziehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich denke, die Neuigkeit des Buches liegt in der Kombination seiner drei Hauptthesen, nämlich: dass die Soziologie von Anfang an den Menschen aus ihrem Forschungsbereich verdrängen will (i), um sich von der Philosophie zu distanzieren und dadurch richtig wissenschaftliche Erkenntnisse über die Gesellschaft zu gewinnen (ii). Trotz jenes ununterbrochenen Widerstands ist dieser Versuch zum Scheitern verurteilt: Ohne eine bestimmte Präsupposition des Menschen bleibt seine Ausgrenzung unmöglich (iii). Dieses dreifache Argument – im Rahmen einer ›soziologischen Anthropologie‹ –, ist, was ich gern anbieten möchte.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Obwohl das Thema des Menschen und der Philosophie in der Soziologie einen gewissen Raum gewann, bleiben viele von diesen Versuchen immer noch in der Prämisse gefangen, der Mensch sollte ins Zentrum des soziologischen Denkens rücken. Mit diesem fast moralisierenden Gestus bin ich aber nicht einverstanden. Das geht gegen die positiven, nicht zu vernachlässigenden Gründen des Versuches zur Verdrängung. Eine Sache ist, die ganze wissenschaftliche Situation aufzudecken; eine andere wäre aber, daraus die irrtümliche Schlussfolgerung zu ziehen, dass es besser wäre, den Menschen in soziologisches Denken systematisch einzubeziehen

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit allen Leuten, die sich für das Thema interessieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Es ist die Fiktion der stets zum Scheitern verurteilten ›Verdrängung des Menschen‹, die sowohl die Wissenschaftlichkeit als auch die Unwissenschaftlichkeit der Soziologie erklärt.

Autor_in(nen)
Rafael Alvear Moreno
Buchtitel
Soziologie ohne Mensch? Umrisse einer soziologischen Anthropologie
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
324
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 19 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5229-1
DOI
Warengruppe
1722
BIC-Code
JHBA HP
BISAC-Code
SOC026000 PHI000000
THEMA-Code
JHBA QD
Erscheinungsdatum
2020-06-25
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Mensch, Sozialität
Adressaten
Soziologie, Philosophie, Anthropologie, Politikwissenschaft
Schlagworte
Soziologische Theorie, Verdrängung des Philosophischen, Soziologische Anthropologie, Philosophische Anthropologie, Subjekt, Rohmensch, Kritische Theorie, Kommunikationstheorie, Systemtheorie, Jürgen Habermas, Niklas Luhmann, Positivismus, Autopoiesis, Sozialität, Gesellschaft, Mensch, Soziologie

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