Napoleon und der »Vaterländische Krieg« in Russland

Funktionen populärer Geschichtsdarstellungen im Jubiläumsjahr 1912

Der Krieg Russlands gegen Napoleon im Jahr 1812 lieferte einen entscheidenden Impuls für die Herausbildung der russischen nationalen Identität. Anhand der Entwicklung der russischen historischen Prosa sowie am Beispiel der bisher kaum untersuchten pädagogischen, populärwissenschaftlichen und literarischen Geschichtsdarstellungen im Jubiläumsjahr 1912 lassen sich unterschiedliche Funktionen des Gedenkens an den »Vaterländischen Krieg« in Russland 100 Jahre später aufzeigen. Konstantin Rapps Analyse gewährt einen Einblick in die Konstruktion von Eigen- und Fremdbildern und vermittelt einen differenzierteren Blick auf das Verhältnis von Russland und dem Westen und somit auch auf aktuelle politische Prozesse.

Kapitel-Übersicht

  1. Frontmatter

    Seiten 1 - 4
  2. Inhalt

    Seiten 5 - 8
  3. Vorwort

    Seiten 9 - 10
  4. 1 Einleitung. Zur Bedeutung des »Vaterländischen Krieges« in der russischen Kultur

    Einleitung

    Seiten 11 - 13
  5. 1.1 Ziele und Fragestellungen der Arbeit

    Seiten 13 - 14
  6. 1.2 Vom »napoleonischen Mythos« zum »napoleonischen Narrativ«: Zur Entwicklung eines methodologischen Modells

    Seiten 14 - 21
  7. 1.3 Zum Begriff des Populären und zur Bildung des Quellenkorpus

    Seiten 21 - 26
  8. 1.4 Gliederung und Aufbau der Arbeit. Technische Hinweise

    Seiten 26 - 28
  9. 2 Zur Inszenierung der Macht: Das 100-jährige Jubiläum des »Vaterländischen Krieges«

    2.1 Die Institutionalisierung des Gedenkens an die Epoche von 1812

    Seiten 29 - 33
  10. 2.2 Die Logik der medialen Geschichtsrepräsentation

    Seiten 33 - 35
  11. 2.3 Die Aufwertung des ›russischen Volkes‹: P.M. Andrianovs Jubiläumsbroschüre »Velikaja Otečestvennaja vojna. (Po povodu 100-letnego jubileja)« (1912)

    Seiten 35 - 42
  12. 2.4 Die Inszenierung von Authentizität: A.I. Bachmet'evs »historische Chronik« »Dvenadcatyj god« (1912)

    Seiten 42 - 45
  13. 2.5 Zwischenbilanz und Ausblick 2012

    Seiten 46 - 48
  14. 3 Zwischen Subversion und Affirmation: Zur populärwissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem »Vaterländischen Krieg« im Rahmen der »Gesellschaft für die Verbreitung des technischen Wissens« (ORTZ)

    Einleitung

    Seite 49
  15. 3.1 Gründung, Struktur und Publikationen des ORTZ im Kontext des 100-jährigen Jubiläums

    Seiten 50 - 56
  16. 3.2 Napoleon und der »Vaterländische Krieg« in Chrestomathien und Geschichtslesebüchern der Lehrabteilung des ORTZ

    Seiten 56 - 94
  17. 3.3 Zwischenbilanz

    Seiten 94 - 98
  18. 4 Der »Vaterländische Krieg« in der russischen historischen Prosa des 19. Jahrhunderts

    Einleitung

    Seiten 99 - 103
  19. 4.1 Zur Synthese von ›Fakt‹ und ›Fiktion‹ im historischen Roman: M.N. Zagoskin und A.S. Puškin

    Seiten 104 - 111
  20. 4.2 Die Trennung von ›Fakt‹ und ›Fiktion‹: R.M. Zotov und D.S. Dmitriev

    Seiten 111 - 116
  21. 4.3 Subjektiver Blick auf die nationale Epopöe: L.N. Tolstojs »Vojna i mir«

    Seiten 117 - 122
  22. 4.4 Zur Adaption von Tolstojs Ästhetik in den 80er Jahren: G.P. Danilevskijs »Sožžennaja Moskva« (1886)

    Seiten 122 - 137
  23. 4.5 »Die einheitliche Bühne« der Geschichte: Der »Vaterländische Krieg« in der Prosa D.L. Mordovcevs

    Seiten 137 - 145
  24. 4.6 Zwischenbilanz

    Seiten 145 - 148
  25. 5 Der »Vaterländische Krieg« in literaturkritischen und literarischen Diskursen des Jubiläumsjahres 1912

    Einleitung

    Seiten 149 - 150
  26. 5.1 Der »Vaterländische Krieg« im historischen und literaturwissenschaftlichen Diskurs der 1890er Jahre

    Seiten 150 - 154
  27. 5.2 Der »Vaterländische Krieg« in literaturkritischen und pädagogischen Diskursen des Jubiläumsjahres 1912

    Seiten 154 - 169
  28. 5.3 Die Chronik eines großen Abenteuers: Zur Funktion der biographischen Perspektive bei der Popularisierung des »Vaterländischen Krieges« im Werk von V.P. Avenarius (1839-1923)

    Seiten 170 - 207
  29. 5.4 Zwischen Abenteuer und psychischer Deformation: Der »Vaterländische Krieg« in der Prosa von I.A. Ljubič-Košurov

    Seiten 207 - 250
  30. 6 Napoleon und der »Vaterländische Krieg« zwischen Unterhaltung und offizieller Propaganda

    Einleitung

    Seiten 251 - 252
  31. 6.1 B.A. Ščetinin: »Otrublennyj palec (Ėpizod iz ėpochi Otečestvennoj vojny)« (1912)

    Seiten 252 - 260
  32. 6.2 Der »Vaterländische Krieg« in musikalischen Medien des Jahres 1912

    Seiten 260 - 275
  33. 6.3 Der »Vaterländische Krieg« im russischen Kinofilm des Jahres 1912

    Seiten 275 - 287
  34. 6.4 Zwischenbilanz

    Seiten 288 - 312
  35. 7 Schlussbemerkungen: Napoleon und der »Vaterländische Krieg« in Russland

    Seiten 313 - 322
  36. Literaturverzeichnis

    Seiten 323 - 374
  37. Verzeichnis der Illustrationen

    Seiten 375 - 376
  38. Autoren-, Werk- und Institutionenregister

    Seiten 377 - 400
Mehr
64,99 € *

2020-05-07, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5235-6
Dateigröße: 6.57 MB

als Sofortdownload verfügbar

* = Preise inkl. Mehrwertsteuer.

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Konstantin Rapp

Konstantin Rapp, Universität Freiburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Auch nach mehr als 200 Jahren ist die Erinnerung an den ›Vaterländischen Krieg‹ gegen Napoleon in der russischen Kultur weiterhin präsent. Durch die Konfrontation mit dem kulturellen Vorbild Frankreich im Jahr 1812 wurden in Russland wirkungsmächtige Ideologeme geschaffen, die das komplexe Verhältnis zwischen Russland und dem ›Westen‹ bis heute prägen. Somit lassen sich am Beispiel Russlands die Prozesse der nationalen

Identitätsfindung in Osteuropa besser verstehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Anhand der Repräsentation des ›Vaterländischen Krieges‹ in den pädagogischen, populärwissenschaftlichen und literarischen Texten des Jubiläumsjahres 1912 lässt sich die Formung der staatsoffiziellen Kriegsinterpretation im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts nachverfolgen. Die Analyse dieser Medien erlaubt es, nicht nur die Herausbildung von Ideologien genauer zu beleuchten, sondern auch die Strategien kritischer Auseinandersetzung mit dem staatsoffiziellen Kriegsnarrativ, die heute nicht mehr so präsent sind, zu untersuchen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch leistet einen Beitrag zur Erforschung der medialen Selbstinszenierung moderner Nationalstaaten und beleuchtet die Rolle der Populärkultur bei den Prozessen nationaler Identitätsfindung. Dabei lassen sich nicht nur dichotome Denkmodelle wie ›Hoch‹- und ›Niederkultur‹, ›Fakt‹ und ›Fiktion‹ oder ›Klassiker‹ und ›Belletristen‹ relativieren, sondern auch die Prozesse des intermedialen Transfers und der Adaption der ›hohen‹ Kultur für den ›einfachen‹ Leser näher beleuchten.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Die Ergebnisse der interdisziplinär angelegten Untersuchung richten sich an alle, die sich für Literatur/Kulturwissenschaft und Geschichte interessieren, sowie an Leserinnen und Leser, die durch eine kritische Betrachtung von Eigen- und Fremdbildern zu einem differenzierteren Blick auf die Mechanismen des kulturellen Gedächtnisses und die Bildung von Stereotypen gelangen wollen, die unsere Vorstellungen von Geschichte bis heute prägen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Unsere Geschichtsvorstellungen werden in großem Maße durch populäre Medien geprägt, die die Geschichte stets aus der Perspektive der Gegenwart zeigen.

Autor_in(nen)
Konstantin Rapp
Buchtitel
Napoleon und der »Vaterländische Krieg« in Russland Funktionen populärer Geschichtsdarstellungen im Jubiläumsjahr 1912
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
400
Ausstattung
12 Farbabbildungen, 22 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5235-6
DOI
10.14361/9783839452356
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD JFC DSB
BISAC-Code
HIS010010 SOC022000 LIT004110
THEMA-Code
NHD JBCC DSB
Erscheinungsdatum
2020-05-07
Themen
Kulturgeschichte, Literatur, Erinnerungskultur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Geschichtswissenschaft, Medienwissenschaft, Imagologie, Kulturtransferforschung
Schlagworte
Russland, Napoleon I., Vaterländischer Krieg 1812, Jubiläumsmedien, 1912, Nationale Identität, Osteuropa, Frankreich, Gedenken, Erinnerungskultur, Ost-West-Konflikt, Literatur, Kulturgeschichte, Osteuropäische Geschichte, Slavistik, Geschichtswissenschaft

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