Das unzufriedene Volk

Protest und Ressentiment in Ostdeutschland von der friedlichen Revolution bis heute

Ostdeutsche stilisieren sich im öffentlichen Diskurs gern als Opfer der deutschen Einheit. Tatsächlich haben sie sich aber von der friedlichen Revolution bis heute als mächtiger politischer Akteur erwiesen. So ging im revolutionären Umbruch von 1989 die Dynamik nicht von der kleinen Schar der Bürgerrechtler und Bürgerrechtlerinnen aus, sondern von der Bevölkerung. Und heute beherrscht die ostdeutsche Bevölkerung durch ihr Wahlverhalten und nicht zuletzt durch ihren Opferdiskurs die öffentlichen Debatten. Am ostdeutschen Protestverhalten lässt sich begreifen, wie sich eine Bevölkerung zum Volk konstituiert – unter den Bedingungen einer Diktatur – und wie in der Demokratie die kollektive Selbstermächtigung zum Ressentiment verkommt.

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2020-09-17, 232 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5238-3

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Detlef Pollack

Detlef Pollack, Universität Münster, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Welche Bedeutung kam der Bevölkerung Ostdeutschlands im politischen Umbruch 1989/90 zu? Hat sie die friedliche Revolution aktiv mitgestaltet oder war sie nur ihr Profiteur? Sind die Ostdeutschen nach 30 Jahren in der bundesdeutschen Ordnung angekommen? Oder sind sie nach wie vor Bürger zweiter Klasse? Die kontroverse Vielfalt der Antworten auf diese Fragen zeigt, wie aktuell die Auseinandersetzung um die Rolle der ostdeutschen Bevölkerung von den 1989er Ereignissen bis heute noch immer ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Mehrheit der Ostdeutschen beurteilt ihre wirtschaftliche Lage in der Bundesrepublik positiv, ist zufrieden mit ihrem Leben, unterstützt die Demokratie, fühlt sich sozial anerkannt und möchte keinesfalls zurück zur DDR. Und sie wählt nicht AfD. Das Buch nimmt sich vor, den Blick von der sich lautstark beklagenden Minderheit, die – vertreten durch rechte und linke Wortführer – ihren Opferdiskurs pflegt, auf die leise Mehrheit der Ostdeutschen zu lenken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Buch greift eine Reihe von soziologisch umstrittenen Forschungsfragen auf und untersucht diese am ostdeutschen Fall, etwa die Frage, ob eine Revolution politischer Führer bedarf, wie hoch die Beteiligung der Massen sein muss, um eine gesellschaftliche Ordnung zum Einsturz zu bringen, wie stark im untergegangenen System erworbene Mentalitäten weiterwirken, inwieweit sich der Aufstieg des rechten Populismus ökonomisch erklären lässt und welche Rolle kulturelle Anerkennungsprobleme dabei spielen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am liebsten wären mir theoretisch versierte Kolleginnen und Kollegen aus der Soziologie und der Politikwissenschaft, die in der Lage sind, die richtigen Frage zu stellen: Fragen, die dazu herausfordern, im Lichte theoretisch inspirierter Einsichten über die gewonnenen empirischen Befunde noch einmal nachzudenken. Am wenigsten reizt es mich, im kleinen Kreis der DDR-Forschung zu bleiben, denn eine Person, die ihr gesamtes wissenschaftliches Leben mit der DDR verbracht hat und mit ihrem Gegenstand eng verwoben ist, steht in der Gefahr, von ihren persönlichen Überzeugungen nicht abrücken zu können.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Volk, was auch immer das sein mag, ist ein unterschätzter Akteur. Es lohnt sich, ihm aufs Maul zu schauen.

Besprochen in:
www.uni-muenster.de, 31.08.2020
Humanistischer Pressedienst, 01.09.2020
Autor_in(nen)
Detlef Pollack
Buchtitel
Das unzufriedene Volk Protest und Ressentiment in Ostdeutschland von der friedlichen Revolution bis heute
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
232
Ausstattung
französische Broschur, Dispersionsbindung, 6 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5238-3
Warengruppe
1728
BIC-Code
JHB JPW
BISAC-Code
POL010000 SOC026000 POL003000 SOC041000
THEMA-Code
JHB JPW
Erscheinungsdatum
2020-09-17
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Zeitdiagnose, Politik, Zivilgesellschaft
Adressaten
Soziologie, Geschichtswissenschaft, Politikwissenschaft sowie die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Friedliche Revolution, 1989, Demokratieforschung, Politische Kultur, Soziale Bewegung, DDR, Protest, Wiedervereinigung, Religionssoziologie, Wende, Sozialer Wandel, Soziale Ungleichheit, Leben, Soziale Bewegungen, Soziologie, Politik, Zivilgesellschaft, Politische Soziologie

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