Zeitgefühle – Wie die DDR ihre Zukunft besang

Eine Emotionsgeschichte

»Wir singen schon heute die Lieder von Morgen« erklang es 1964 auf dem Deutschlandtreffen der Jugend in Ostberlin. Mit neuen Liedern legte die DDR ihren Kindern und Jugendlichen die Hoffnung auf eine bessere sozialistische Zukunft in den Mund und wollte sie auf emotionaler Ebene den »Hausherren von Morgen« einschreiben. Die DDR als »modernes Zeitregime« gedacht, erzählt Juliane Brauer die Geschichte einer versprochenen Zukunft und der Folgen ihrer Nichteinlösung. Denn anfängliche Fortschrittsgläubigkeit wurde abgelöst von Misstrauen und Enttäuschung über eine Jugend, die ihre eigenen Träume hatte. Deutlich wird hierbei, wie sich die erwünschten Gefühle von Vertrauen und Heimatliebe um konkrete sozialistisch geprägte Vorstellungen von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gruppieren lassen.

44,99 € *

27. Oktober 2020, 430 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5285-1
Dateigröße: 15.43 MB

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Juliane Brauer

Juliane Brauer, Stiftung Universität Hildesheim, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Warum hat die DDR 40 Jahre existiert? Wir wissen sehr genau, warum der sozialistische Staat 1989 zusammenbrach, jedoch nicht, warum anscheinend seine Bürger*innen den Sozialismus unterstützen und zu seiner zeitweisen Stabilität beitrugen. Das lässt sich nicht allein mit Überwachung und Kontrolle erklären. Daher sehe ich mir genauer an, mit welchen Versprechen und Hoffnungen der Staat seine Heranwachsenden erzog und wie genau das gemeinschaftliche Singen neuer Lieder als Strategie einer sehr offensichtlichen Erziehung zu ›sozialistischem Fühlen funktionieren sollte.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Ich kombiniere Methoden aus der Emotionsgeschichte und Historischen Zukunftsforschung, um die Geschichte der DDR entlang ihrer Zukunftsentwürfe zu schreiben. Das bedeutet, Hoffnungen, aber auch Enttäuschung als historische Gefühlshaltungen zu analysieren sowie die Handlungsrelevanz dieser spezifischen Zeitgefühle ernst zu nehmen. Dazu nutze ich konsequent Lieder als neue historische Quellen und sehe mir Gesangspraktiken an, mit denen diese Zeitgefühle vermittelt aber auch immer ausgehandelt wurden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Thematisch beschreibe ich die DDR (mit punktuellen Vergleichen zur Bundesrepublik) als ein radikales ›Zeitregime der Moderne‹. Damit zeige ich, dass die DDR-Geschichte bei weitem nicht ausgeforscht ist. Stattdessen ermöglicht ein methodisch neuer Blick auf bisher ignorierte Quellen, die Modi der ›Herrschaft als sozialer Praxis‹ darzustellen. Weiterhin nehme ich die DDR als ›Fall‹, um eben ein neues methodisches Instrumentarium, wie das der Zeitgefühle, auf sein Potenzial hin zu befragen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Ich würde das Buch gern mit den Menschen diskutieren, die in der DDR aufgewachsen sind, die Lieder immer noch im Kopf haben und nicht so richtig wissen, was sie damit umgehen sollen: verdammen oder glorifizieren. Weiterhin würde ich auch gern mit den Kollegen*innen diskutieren, die der Meinung sind, dass die Geschichte der DDR längst erschöpfend erforscht sei und sich damit selbst die Chance eines Perspektivwechsels auf Nuancen des täglichen Lebens in der DDR nehmen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Das Buch schreibt eine Geschichte der DDR entlang von Zukunftshoffnungen und -enttäuschungen, von Stabilität und Erosion.

Autor_in(nen)
Juliane Brauer
Buchtitel
Zeitgefühle – Wie die DDR ihre Zukunft besang Eine Emotionsgeschichte
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
430
Ausstattung
54 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5285-1
DOI
10.14361/9783839452851
Warengruppe
1558
BIC-Code
HBJD HBTB HBLW3
BISAC-Code
HIS014000 HIS054000 HIS037070
THEMA-Code
NHD NHTB
Erscheinungsdatum
27. Oktober 2020
Themen
Bildung, Musik, Kulturgeschichte, Biopolitik
Adressaten
Geschichtswissenschaft, Musikwissenschaft, Kulturwissenschaft, Historische Bildungsforschung, Erziehungswissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Deutsche Geschichte Nach 1945, Zukunftsforschung, Lieder, Singen, Fühlen, Gefühl, Jugend, Musik, Emotion, Freie Deutsche Jugend, Sowjetische Besatzungszone, Bundesrepublik Deutschland, Jugenderziehung, Jugendpolitik, Gefühlserziehung, Herrschaft, Macht, Regime, Kulturgeschichte, Bildung, Biopolitik, Deutsche Geschichte, Emotionsgeschichte, Zeitgeschichte, Geschichte des 20. Jahrhunderts, Geschichtswissenschaft

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