Die Formation des literarischen Humors

Ein psychoanalytischer Beitrag zur bürgerlichen Subjektivität

An Texten von Laurence Sterne, Jean Paul, Joseph von Eichendorff und Heinrich Heine untersucht Dieter Hörhammer in seiner interdisziplinären Studie sowohl Form als auch Genese des humoristischen Romans. Die psychoanalytischen Interpretationen entdecken dabei eine Textstruktur, in der sich das Muster bürgerlicher Subjektivität abzeichnet. Deren notorischer Konflikt zwischen konkreter Lebenserfahrung und dem davon mythisch abgehobenen Humanitätsideal bildet den impliziten Angriffspunkt des literarischen Humors. Er gewinnt symptomatische Bedeutung, indem er die chronische Spannung im liberalen Menschenbild vorübergehend aufhebt durch die Präsentation einer Figur, an der die widersprüchlichen Faktoren auf ambivalente Weise exponiert werden.

Der Band erscheint bei transcript in erweiterter Neuauflage mit aktualisierter theoretischer Kontextualisierung.

45,00 € *

19. Mai 2020, 338 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5286-4

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Dieter Hörhammer

Dieter Hörhammer, Lehrer, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Gewissermaßen zur Rehabilitierung des ursprünglichen Humorbegriffs, den die heutige, undifferenzierte Wortverwendung beinahe verdrängt hat. Meine historisch orientierte Studie rekonstruiert seine einzigartige Bedeutung, indem sie die im 18. Jahrhundert entstehende Humorauffassung betrachtet und untersucht, worin ihre hintergründige Komplexität besteht beziehungsweise weshalb ausgerechnet Humor ein Schlüsselbegriff im Identitätsdiskurs des liberalen Bürgertums gewesen ist.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mithilfe des interdisziplinären Zugangs lassen sich Erkenntnisse gewinnen, die einer einfachen Texthermeneutik entgehen müssen. So erscheint, psychoanalytisch interpretiert, an den humoristischen Romanen eine identische Tiefenstruktur, welche nicht nur für den speziellen Heiterkeitseffekt verantwortlich ist, sondern auch konfliktträchtige Merkmale bürgerlicher Subjektivität so verschränkt, dass diese ins Zwielicht der Ambivalenz gestellt und damit problematisiert werden.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Während die idealistischen Ästhetiken Humor noch als distinktives Thema kannten, dominiert gegenwärtig in Soziologie, Psychologie und den Kulturwissenschaften ein Forschungstrend, der salopp ›humor research‹ genannt wird. Diese Sammelbezeichnung ist jedoch missverständlich, da sich die Recherchen wohl mit den verschiedensten formalen, pragmatischen sowie gesellschaftlichen Aspekten von Witz und Komik befassen, das Humorphänomen im eigentlichen Sinn hingegen sträflich vernachlässigen.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Am meisten würde mich natürlich ein ausführliches Gespräch mit Sigmund Freud interessieren, um zu erfahren, wie er die kritische Revision seiner Humortheorie und ihre Anwendung auf literarische Texte beurteilt. (Zwar muss ich auf eine Begegnung noch ein Weilchen warten, aber dann haben wir sicher ewig viel Zeit zur Diskussion.)

5. Ihr Buch in einem Satz:

Meine mit Friedrich Hebbel aphoristisch verdichtete These lautet: Die klassischen Werke des literarischen Humors zielen auf ›Erkenntnis der Anomalien‹.

Autor_in(nen)
Dieter Hörhammer
Buchtitel
Die Formation des literarischen Humors Ein psychoanalytischer Beitrag zur bürgerlichen Subjektivität
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
338
Ausstattung
kart., Klebebindung
ISBN
978-3-8376-5286-4
DOI
10.14361/9783839452868
Warengruppe
1562
BIC-Code
DSB JMAF HBTB
BISAC-Code
LIT000000 PSY026000 HIS054000
THEMA-Code
DSB JMAF NHTB
Erscheinungsdatum
19. Mai 2020
Auflage
1
Themen
Psychoanalyse, Kulturgeschichte, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Psychoanalyse, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Literarischer Humor, Humortheorie, Bürgerliche Identität, Psychoanalytische Kulturwissenschaft, Textstruktur, Humanität, Laurence Sterne, Jean Paul, Joseph Von Eichendorff, Heinrich Heine, Literatur, Psychoanalyse, Kulturgeschichte, Allgemeine Literaturwissenschaft, Literaturtheorie, Literaturwissenschaft

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