Gilles Deleuze und die Anyone Corporation

Übersetzungsprozesse zwischen Philosophie und Architektur

Der US-amerikanische Architekturdiskurs der 1990er Jahre ist entscheidend von den Theorien Gilles Deleuzes geprägt. Die Aneignung seiner philosophischen Konzepte und jener, die er gemeinsam mit Félix Guattari entwickelt hat, findet vor allem innerhalb des architekturtheoretischen Netzwerks der »Anyone Corporation« statt: In ihren Diskursen wimmelt es von glatten Räumen, organlosen Körpern, Rhizomen, Falten, abstrakten Maschinen und Diagrammen. Frederike Lausch zeigt auf, wie sich die »Anyone Corporation« durch die Bezugnahme auf Deleuze als intellektuelle Elite der Architekturdisziplin inszeniert und wie im Zuge der Entpolitisierung seiner Theorien die »Post-Criticality«-Bewegungen entstehen.

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22. Februar 2021, 276 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5326-7

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Frederike Lausch

Frederike Lausch, Center for Critical Studies in Architecture (CCSA), Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ende des 20. Jahrhunderts wurde Architektur nicht nur in Bezug auf theoretische Konzepte diskutiert, sondern Theoriebildung ist in der Architektur selbst zu einer entwerferischen Leistung geworden. Die Anyone Corporation und die Übersetzung der Theorien Gilles Deleuzes in die Architektur sind hierfür das beste Beispiel. Mit der Jahrtausendwende habe eine Gegenreaktion eingesetzt: weg von philosophischen Konzepten hin zur Praxis das Planens und Bauens. Diesen Bruch galt es zu hinterfragen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Zunächst liefert es in Bezug auf die Verwendung philosophischer Konzepte von Deleuze die bis dato fehlende Analyse des Architekturdiskurses der Anyone Corporation in den 1990er Jahren. Ausgehend von Übersetzungstheorien entwickle ich ein Modell bestehend aus Kontakt-, Transformations- und Konfliktzonen. Letztlich bietet das Buch einen Teil der Entstehungsgeschichte für das um die Jahrtausendwende proklamierte ›Ende der Theorie‹ und der affirmativen Hinwendung zur Praxis.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Momentan wird in der Architektur viel über hegemoniale Praktiken und Diskurse diskutiert. Mir ging es um Theorie als Mittel zur Durchsetzung von Diskurshoheit. Die Anyone Corporation nutzte ›poststrukturalistische‹ Theorie, um sich als internationale, architekturtheoretische Elite zu etablieren. Die Akteurinnen und Akteure übten damit erheblichen Einfluss im Architekturdiskurs aus. Mein Buch lenkt den Fokus auf den institutionellen Rahmen: die Anyone Corporation.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit einer ganzen Reihe von Architekturtheoretikerinnen und Architekturtheoretikern, vor allem mit Peggy Deamer, Nadir Lahiji, Mary McLeod und Douglas Spencer. Ihren Forschungen verdanke ich viel. Sie verstehen es Politik, Philosophie und Architektur zusammenzudenken.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Eine kritische Analyse des Umgangs mit Philosophie, in der Hoffnung, dass eine zukünftige Übersetzung von Philosophie in Architektur andere, sozio-politischere Schwerpunkte setzt.

https://www.arcguide.de, 31.08.2021
Autor_in(nen)
Frederike Lausch
Buchtitel
Gilles Deleuze und die Anyone Corporation Übersetzungsprozesse zwischen Philosophie und Architektur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
276
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 16 SW-Abbildungen, 3 Farbabbildungen
ISBN
978-3-8376-5326-7
DOI
10.14361/9783839453261
Warengruppe
1584
BIC-Code
AM JFC HP
BISAC-Code
ARC010000 PHI034000
THEMA-Code
AM JBCC QD
Erscheinungsdatum
22. Februar 2021
Auflage
1
Themen
Kultur, Architektur
Adressaten
Architekturtheorie, Architekturgeschichte, Philosophie sowie Architekt*innen
Schlagworte
Architektur, Philosophie, 1990er Jahre, USA, Post-Criticality, Gilles Deleuze, Félix Guattari, Raum, Körper, Rhizom, Theorie, Kultur, Kulturphilosophie, Poststrukturalismus

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