Was ist Behinderung?

Abwertung und Ausgrenzung von Menschen mit Funktionseinschränkungen vom Mittelalter bis zur Postmoderne

Der Behinderungsbegriff spiegelt die menschliche Vielfalt nicht adäquat wider, sondern transportiert das Bild einer scheinbar homogenen Menschengruppe, die symbolisch auf das Piktogramm des Rollstuhlfahrers reduziert wird.

Christoph Egen geht den Fragen nach, was »Behinderung« überhaupt ist und wie sich der gesellschaftliche Blick auf Menschen mit Funktionseinschränkungen vom Mittelalter bis zur Gegenwart gewandelt hat. Dabei greift er auf die Prozesssoziologie von Norbert Elias zurück, um die Abwertungs- und Ausgrenzungsprozesse von Menschen zu untersuchen – und liefert so einen wertvollen Beitrag zur interdisziplinären Fachdiskussion.

49,00 € *

2020-07-08, 270 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5333-5

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Christoph Egen

Christoph Egen, Medizinische Hochschule Hannover, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Zum einen war es mir ein persönliches Anliegen dieses Thema wissenschaftlich zu reflektieren, zum anderen ist mir kein Buch bekannt, das versucht die vielfältigen Sichtweisen auf dieses Thema synthetisch zusammenzuführen und das die Genese in den Vordergrund des Erkenntnisinteresses stellt. Der gesellschaftliche Wandlungsprozess in der Wahrnehmung und Bewertung von sowie der Reaktion auf Menschen mit Funktionseinschränkungen ist es, der mich interessiert.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Es eröffnet eine prozesssoziologische Perspektive, die eben nicht einen Status quo beschreibt und erklärt, sondern das Geworden-Sein in den Fokus rückt, in der Hoffnung – um es mit den Worten von Norbert Elias zu sagen – zukünftig ›weniger blind‹ zu handeln. Es ist die Erkenntnis, dass es im Kern um das sich wandelnde Menschenbild geht, das den Umgang mit Menschen mit Funktionseinschränkungen in den betrachteten Epochen beeinflusste und auf das wir in Zukunft achtgeben sollten.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Das Thema wird vor dem Hintergrund einer zunehmend alternden Gesellschaft immer wichtiger. Im Kern berührt es Ängste vor der eigenen Verletzlichkeit. Eine kritische und bewusste Reflexion unseres an Perfektionismus und Leistungsfähigkeit gekoppelten Menschenbildes ist m.E. von entscheidender Bedeutung für den zukünftigen Umgang mit ›Behinderung‹. Die Relevanz und Aktualität des Themas wird auch an den Diskursen über Inklusion oder Pränatal- bzw. Präimplantationsdiagnostik deutlich.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Gerne mit Bill Hughes von der Glasgow School for Business and Society. Er ist einer der Wenigen, der das Thema ›Behinderung‹ auch durch eine prozesssoziologische Brille betrachtet.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Behinderung ist ein ubiquitäres – natürliches und gesellschaftliches – Phänomen, das die Fragilität und Unkontrollierbarkeit des Lebens ins Bewusstsein ruft.

Besprochen in:
www.lehrerbibliothek.de, 28.07.2020
Autor_in(nen)
Christoph Egen
Buchtitel
Was ist Behinderung? Abwertung und Ausgrenzung von Menschen mit Funktionseinschränkungen vom Mittelalter bis zur Postmoderne
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
270
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 7 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5333-5
DOI
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFFG JFFM HBTB
BISAC-Code
SOC029000 SOC050000 HIS054000
THEMA-Code
JBFM JBFQ NHTB
Erscheinungsdatum
2020-07-08
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Medizin, Körper, Wissenschaft, Kulturgeschichte, Mensch, Biopolitik
Adressaten
Soziologie, Geschichtswissenschaft, Sonderpädagogik, Medizin, Disability Studies, Kulturwissenschaft
Schlagworte
Behinderung, Abweichung, Normalität, Prozesssoziologie, Medizin, Norbert Elias, Devianz, Religion, Mittelalter, Frühe Neuzeit, Zeitgeschichte, Medizingeschichte, Postmoderne, Gesellschaft, Kulturgeschichte, Körper, Soziale Ungleichheit, Sozialgeschichte, Deutsche Geschichte, Geschichtswissenschaft

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