Religiöse Gewalt an Tieren

Interdisziplinäre Diagnosen zum Verhältnis von Religion, Speziesismus und Gewalt

Die drei großen monotheistischen Religionen eint ein überwältigender und bis heute nahezu ungebrochener Konsens über die strukturelle Gewalt an (nicht-menschlichen) Tieren. Diese Gewalt kann ritueller Natur sein, aber auch als Deutungsgewalt gegenüber den vermeintlich seelenlosen Tieren Wirkung entfalten. Beide Formen stellen nicht nur das friedliche Selbstverständnis der Religionen in Frage, sondern verlangen insbesondere nach analytischen Antworten, die die über lange Zeit hinweg als selbstverständlich aufgefasste Gewaltförmigkeit der Religionen problematisieren. Auf diesem Weg tragen sie zugleich zur Überwindung dieses theologisch- und religiös-legitimierten Speziesismus bei.

50,00 € *

27. April 2021, ca. 332 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5346-5

Erscheint voraussichtlich bis zum 27. April 2021

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Simone Horstmann

Simone Horstmann, Technische Universität Dortmund, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Ganz einfach: Weil es zu diesem Thema bislang fast keine Debatte und auch kaum Literatur gibt, die nicht apologetisch ist. Religiöse Gewalt ist heute Gegenstand wissenschaftlicher Analyse, solange sie Menschen betrifft – die Formen der Gewalt, die Religionen anderen Tieren gegenüber entwickelt haben, unterliegen hingegen einer diffizilen Ausblendungsgeschichte. Dass sie vielfach noch immer als sakrosankt gelten, ist ein theologisches, vor allem aber ein moralisches und politisches Desaster.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Beiträge untersuchen die Facetten & Intersektionen religiöser Gewalt an Tieren: Sie kann rituelle Form annehmen, vor allem aber besteht sie in Deutungsmustern, die bis heute die Überzeugung stabilisieren, dass das Leben anderer Tiere nicht einfach nur ›minderwertiger‹, sondern schlichtweg bedeutungslos sei. Diese religiös-konnotierte Bedeutungslosigkeit wird heute aber auch von säkularen Akteuren durchexerziert: Es gibt gute Gründe, die Tierindustrie als religiöse Konfiguration zu verstehen.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Mir fällt auf, dass dieses Thema häufig gemieden oder voreilig rationalisiert wird. Die Theologie nimmt sich so die Chance, etwas über sich selbst zu lernen. Das ist beinahe tragisch – nicht nur wissenschaftlich, sondern vor allem gemessen an dem Leid, das damit unsichtbar bleibt. Hinzukommt auch, dass diese Konstellation voreilig darüber hinweggeht, dass die vornehmste Aufgabe von Theologie immer noch die – binnenreligiös zu leistende – Religionskritik ist. An diese Tradition knüpft der Band an.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mich würden die Antworten nichtmenschlicher Tiere auf die hier diskutierten Diagnosen interessieren: Werden die vorgeschlagenen Problembeschreibungen dem wahren Ausmaß der Gewalt gerecht, die andere Tiere bis heute durch Menschen erleiden? Diese Antwort würde mich sehr interessieren, weil sie auch jene blinden Flecken aufzeigen könnte, die sicher auch immer noch diesen Band, unsere menschliche Sicht, prägen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Gewalt an anderen Tieren ist die vielleicht elementarste Form von Gewalt, von der sich Religionen endlich emanzipieren müssen.

Autor_in(nen)
Simone Horstmann (Hg.)
Buchtitel
Religiöse Gewalt an Tieren Interdisziplinäre Diagnosen zum Verhältnis von Religion, Speziesismus und Gewalt
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 332
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5346-5
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFFZ HRA HPQ
BISAC-Code
SOC000000 NAT039000 REL000000 PHI005000
THEMA-Code
JBFU QRA QDTQ
Erscheinungsdatum
27. April 2021
Auflage
1
Themen
Kultur, Religion, Gewalt, Tier
Adressaten
Religionswissenschaft, Theologie, Philosophie, Human-Animal Studies, Geschichtswissenschaft, Kulturwissenschaft, Soziologie
Schlagworte
Human-Animal Studies, Speziesismus, Strukturelle Gewalt, Postcolonial Studies, Tiertheologie, Theologische Zoologie, Tierethik, Anthropozentrismus, Anthropozän, Deutungsmacht, Ritual, Monotheismus, Religion, Tier, Gewalt, Human-animal Studies, Religionswissenschaft, Ethik, Kulturwissenschaft

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