Abfallverbindungen

Verworfenes und Verwerfungen in Erzähltexten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur

Was sind die Begleiterscheinungen einer Industriegesellschaft, die in immer größerem Ausmaß Abfälle produziert, die räumliche und zeitliche Grenzen sprengen? Wie hängt deren Entstehung mit Imaginationen und Phantasmen zusammen? Was wissen literarische Texte über die Transformationen, die den Wandel von Abfällen begleiten? Christina Gehrlein nimmt sich diesen Fragen an und betrachtet Akte der Verschiebung – zwischen Wert und Unwert, Nutzen und Unnutzen, Kultur und Natur, Nichtabfall und Abfall. Damit eröffnet sie ein Panorama an Reflexionsangeboten auf individueller wie gesellschaftlicher Ebene, in Bezug auf Handlungsweisen, aber auch dichotome Perspektiven.

45,00 € *

2020-09-09, 472 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5407-3

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Christina Gehrlein

Christina Gehrlein, Universität Mannheim, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir alle werfen weg, verwerfen, entsorgen. Dabei geschehen diese Entsorgungsakte oftmals routiniert, werden kaum wahrgenommen. Zugleich hat eine professionalisierte Entsorgungsindustrie zum Ziel, dass dies schnell, problemlos und verborgen geschieht. Das es sich hierbei um eines der zentralen Phantasmen der Moderne handelt, zeigt ›Abfallverbindungen‹. Es analysiert Verwerfungs- und Bewahrungsakte mit und durch Gegenwartsliteratur und fragt nach dem Wissen von Literatur über Abfälle.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit Akten des Stillstellens und Zauderns, des (Er-)Gehens und des Spuckens werden sowohl alltagsrelevante wie auch in literarische Texte eingeschriebene ›Gegenbewegungen‹, wie ich sie nenne, zu dominanten abfallproduzierenden und -versteckenden Bewegungen diskutiert. Dabei widmet sich die Arbeit den ältesten Abfällen – Körperabfällen – ebenso wie neuen, etwa Kunststoffabfällen oder Atommüll. Zugleich zeigt sie Möglichkeiten und Verbindungen neuer Stoffe auf – und fragt nach deren Erzählpotenzial.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Ein Zusammenlesen von historischen und aktuellen Debatten und Entwicklungen im Bereich Abfall und Texten der (deutschsprachigen) Gegenwartsliteratur beginnt gerade erst. »Abfallverbindungen« möchte Impulse liefern, um die (kritische) Abfallforschung, die Discard Studies, im deutschsprachigen Raum bekannter zu machen und zugleich zeigen, welchen Beitrag die Literatur(wissenschaft) hier leisten kann.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Literatur- und Kulturwissenschaftler*innen mit Interesse an aktuellen drängenden Fragestellungen. Mit Abfallforscher*innen, die bisher literarische Texte als Medium von Debatten über Wegwerfen und Bewahren, über Recycling und Kunststoffe kaum wahrgenommen haben. Mit allen, die tagtäglich wegwerfen - und sich wundern, ob die neue Qualität und Quantität von Abfällen sich weiterhin potenzieren wird.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Mit und durch Gegenwartsliteratur können die Leser*innen nach der Lektüre von »Abfallverbindungen« Verworfenes – und Akte des Verwerfens – mit neuen Augen sehen.

Autor_in(nen)
Christina Gehrlein
Buchtitel
Abfallverbindungen Verworfenes und Verwerfungen in Erzähltexten der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
472
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung
ISBN
978-3-8376-5407-3
Warengruppe
1563
BIC-Code
DSB
BISAC-Code
LIT004170 LIT000000
THEMA-Code
DSB
Erscheinungsdatum
2020-09-09
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Kultur, Literatur
Adressaten
Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Germanistik
Schlagworte
Gegenwartsliteratur, Abfall, Müll, Discard Studies, Germanistik, Kindheit, Franz Kafka, Heinrich Böll, Recycling, Kreislauf, Inka Parei, Siegfried Lenz, Evelyn Grill, Uwe Timm, Thomas Meinecke, Popliteratur, Plastik, Utopie, Radioaktivität, Literatur, Kultur, Gesellschaft, Allgemeine Literaturwissenschaft, Kulturwissenschaft, Literaturwissenschaft

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