Digitalisierung als Distributivkraft

Über das Neue am digitalen Kapitalismus

Nehmen uns Roboter die Arbeit weg? Wer diese Frage stellt, missversteht die Digitalisierung – sie ist keine industrielle Revolution mit anderen Mitteln. Sabine Pfeiffer sucht nach dem wirklich Neuen hinter der Digitalisierung und dem digitalen Kapitalismus. Sie stellt in ihrer Analyse dem Marx'schen Begriff der Produktivkraft die Idee der Distributivkraft zur Seite. Von der Plattformökonomie bis zur künstlichen Intelligenz wird damit verstehbar: Es geht immer weniger um die effiziente Produktion von Werten, sondern vielmehr um deren schnelle, risikolose und auf Dauer gesicherte Realisierung auf den Märkten. Neben der Untersuchung dieser Dynamik und ihrer Folgen wird auch diskutiert, warum die Digitalisierung als Distributivkraft zu einer ökologischen Destruktivkraft zu werden droht.

29,00 € *

19. April 2021, 322 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5422-6

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Sabine Pfeiffer

Sabine Pfeiffer, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Seit den 1990er Jahren ist das Internet kommerziell, seit 10 Jahren reden wir von Industrie 4.0 und aktuell vor allem von Künstlicher Intelligenz. Dabei geht es meist um die sozialen und wirtschaftlichen Folgen der technischen Entwicklung. Viel zu selten wird gefragt, welche sozialen und wirtschaftlichen Dynamiken die Digitalisierung in ihrer vorherrschenden Form prägen und erklären. Es wird Zeit, die Rede vom digitalen Kapitalismus mit einer kapitalismustheoretischen Analyse zu unterfüttern.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Die Digitalisierungsdebatte zieht zurecht oft Vergleiche zur ersten Industrialisierung. Damit konzentriert sich die Analyse auf zwei Ebenen: zum einen die Rationalisierung und Ersetzung von Arbeit, zum anderen kulturell-soziale Folgen digitaler Mediennutzung. Es geht also um Arbeit oder um Konsum. Neu ist die verbindende Perspektive: Marktlogik und Wachstumszwang. Damit erklären sich nicht nur die Effekte, sondern die Gründe für den Erfolg der Plattformökonomie und der Großen im Silicon Valley.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Die Digitalisierungsforschung richtet sich entweder auf die Plattformökonomie und die erfolgreichsten der großen Digitalkonzerne. Oder auf die Nutzungsseite: von der unbezahlten Arbeit bis zu den Echokammern in den sozialen Netzwerken. Das Buch nimmt die Zusammenhänge all dessen in den Blick und entdeckt dafür Karl Polanyi und Karl Marx noch einmal ganz neu: Sehr konkret in Konfrontation mit dem empirischen Hier und Jetzt, aber auch in lebendiger Weiterentwicklung scheinbar alter Theorie.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Diskussion wird fruchtbar in der Reibung, daher: Mit denen, die Digitalisierung technisch über- und ökonomisch unterschätzen. Mit denen, die einzelne Akteure oder Phänomene der Digitalökonomie, aber nicht den Zusammenhang betrachten. Mit denen, die Digitalisierung als Immaterialität missverstehen – und damit Gestaltungsoptionen und -grenzen übersehen. Und mit denen, für die eine soziologische Analyse der Digitalisierung auf das ›Soziale‹ zielt – ohne Blick für die ökonomischen Dynamiken dahinter.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Aktuelle Phänomene der Digitalisierung verstehen und die wirtschaftliche Dynamik erkennen, die ihren Erfolg erst möglich macht.

Autor_in(nen)
Sabine Pfeiffer
Buchtitel
Digitalisierung als Distributivkraft Über das Neue am digitalen Kapitalismus
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
322
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 7 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5422-6
Warengruppe
1724
BIC-Code
JHB PDR
BISAC-Code
SOC026000 TEC052000
THEMA-Code
JHB PDR
Erscheinungsdatum
19. April 2021
Auflage
1
Themen
Gesellschaft, Arbeit, Technik, Wirtschaft
Adressaten
Soziologie, Politikwissenschaft, Gesellschaftsdiagnose sowie Praktiker*innen im Bereich der digitalen Transformation und die interessierte Öffentlichkeit
Schlagworte
Digitale Transformation, Digitalisierung, Kapitalismus, Plattformökonomie, Künstliche Intelligenz, Arbeit, Karl Polanyi, Karl Marx, Markt, Technik, Wirtschaft, Wirtschaftssoziologie, Techniksoziologie, Arbeits- und Organisationssoziologie, Soziologie

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