Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit

Kollektivierungsdiskurse und ihre Codes der Verräumlichung

Unter dem ungewissen Erwartungshorizont spätmoderner Gesellschaften treten verschiedene Vorstellungen kollektiver Identität in Konflikt. Jochen Kibel zeigt: Im Streit um das Neue Museum in Berlin und das Militärhistorische Museum in Dresden artikulierten sich unterschiedliche Kollektivierungsdiskurse, in denen die Vergangenheit nach den Anforderungen der Gegenwart umgeformt wurde. Der retrospektive Blick gewährt damit immer auch die prospektive Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit. Die dynamischen Verhältnisse der Gegenwart bringen schließlich eine Form reflexiver Identitätsbildung hervor, in der auch die Fähigkeit anhaltender Selbstkritik in der Vergangenheit ›wiedergefunden‹ wird. Die Vorstellung einer wandlungsfähigen Identität gewährleistet dann ein Gleichbleiben im Strom der Zeit, durch beständige Kurskorrekturen.

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15. März 2021, ca. 380 Seiten
ISBN: 978-3-8394-5429-9
Dateigröße: ca. 7.66 MB

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Jochen Kibel

Jochen Kibel, Technische Universität Berlin, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Wir erleben derzeit in nahezu allen Gegenwartsgesellschaften eine Polarisierung unterschiedlicher normativer Vorstellungen darüber, was ›uns‹ als Gesellschaft ausmacht. Kurz: Es geht um konkurrierende Imaginationen kollektiver Identitäten. Im Kontext des baukulturellen Erbes finden diese Debatten einen zentralen Artikulationsraum, aber auch wichtige ›Arenen‹, in denen Deutungskämpfe um den Stellenwert der Vergangenheit ausgetragen werden. Denken Sie nur an die Denkmalstürze in Charlottesville und die Black Lives Matter-Bewegung.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Mit meinem Buch möchte ich eine Perspektive auf Architekturen anbieten, die für Bedeutungszuschreibungen sensibilisiert, die unterschiedliche Personengruppen diesen beimessen. Außerdem zeigt sich deutlich, dass zunehmend gerade die ›kritische Auseinandersetzung‹ mit der Vergangenheit zu einer zentralen Identitätsressource ganz unterschiedlicher gesellschaftlicher Institutionen geworden ist.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Wie bereits gesagt, ist die Verbindung zwischen symbol- und geschichtsträchtigen Architekturen und unterschiedlichen Behauptungen von Identität ein wichtiges und breit diskutiertes Thema. Allerdings wird dabei oft übersehen, dass es auch unter den Bedingungen spätmoderner, hochgradig differenzierter Gesellschaften möglich ist, ein ›Wir‹ zu imaginieren.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Prinzipiell mit allen, die sich Zeit nehmen, es zu lesen. Gerne hätte ich das Buch mit Reinhart Koselleck diskutiert, dessen Studien zur Historik so etwas wie ein Hintergrundthema des Buches bilden. Außerdem waren seine kritischen Kommentare zu den großen Berliner Denkmaldebatten der 1990er Jahre eine wichtige Inspiration. Allerdings glaube ich auch, dass sich über seine These von der Geschichte als Mythenzerstörerin vor dem Hintergrund meines Buches vortrefflich streiten ließe.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Gegenwart bringt eine Identitätskonstruktion hervor, die Dynamik integriert und durch die Institutionalisierung anhaltender Kurskorrekturen erneut Konstanz erzeugt.

O-Ton: »Über kollektive Identitäten durch Museumsbauten« – Jochen Kibel im Podcast ‹Das Neue Berlin› am 13.04.2021.
Das Neue Berlin
Autor_in(nen)
Jochen Kibel
Buchtitel
Hoffnung auf eine bessere Vergangenheit Kollektivierungsdiskurse und ihre Codes der Verräumlichung
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
ca. 380
Ausstattung
5 Farbabbildungen, 35 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8394-5429-9
DOI
10.14361/9783839454299
Warengruppe
1729
BIC-Code
JFC JHB RGC
BISAC-Code
SOC022000 SOC026000
THEMA-Code
JBCC JHB RGC
Erscheinungsdatum
15. März 2021
Themen
Museum, Architektur, Erinnerungskultur, Raum
Adressaten
Soziologie, Kulturwissenschaft, Heritage Studies, Memory Studies, Architektur, Denkmalpflege
Schlagworte
Kollektive Identität, Soziale Gedächtnisse, Erbe, Raum, Architektur, Museum, Museumsinsel Berlin, Bundeswehr, Diskurs, Reflexive Moderne, Kritik, Erinnerungskultur, Kultursoziologie, Soziologie

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