Hauptstadtmitte als Ort nationaler Erinnerungskultur?

Die Berliner Denkmäler für Freiheit und Einheit und für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen

Seit den 1990er Jahren wurden im neuen Regierungsviertel in Berlin eine Vielzahl von Erinnerungs- und Gedenkorten initiiert. Dabei prägten immer wieder Kämpfe um Deutungen und Räume die Prozesse. Imke Girßmann nimmt in ihrem Streifzug durch die symbolisch aufgeladene Hauptstadtmitte zwei aktuelle, aber zunächst sehr gegensätzliche Denkmalprojekte genauer in den Blick: Das Denkmal für Freiheit und Einheit und das Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen. In detaillierten Analysen der Diskurse und Praktiken der beteiligten Akteur*innen treten überraschende Verflechtungen zutage, die ein Begehren nach der Herstellung von Gemeinschaft und Nation offenbaren.

39,00 € *

11. November 2020, 284 Seiten
ISBN: 978-3-8376-5450-9

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Imke Girßmann

Imke Girßmann, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Deutschland

1. Warum ein Buch zu diesem Thema?

Weil diese beiden unterschiedlichen Denkmalproduktionen und die sie umgebenden Diskurse und Praktiken bislang noch nicht zusammen im Kontext der Hauptstadtwerdung Berlins und der Gestaltung der ›Mitte‹ ausführlich untersucht wurden. Mich interessiert, welche Unterschiede und welche Verflechtungen die beiden Projekte und Initiativen zeigen und wie über verschiedene Ebenen Narrative zu einem erinnerungskulturellen Zentrum der Hauptstadt entstehen.

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?

Anhand des vielfältigen Materials beider Denkmäler (u.a. Publikationen, Webseiten, Dokumentationen von Debatten) und mit der Kombination aus semiologischen, diskursanalytischen und praxeologischen Methoden habe ich Aussagen, Bilder, Texte, Räume und Aktionen analysiert. Diese legen offen, wie beide Denkmalprojekte mit Identitäts- und Raumpolitiken sowie mit (auch unbewussten) Begehren nach Herstellung und Ordnung eines Nationalkollektivs an der (Re-)Konstruktion der Hauptstadtmitte wirken.

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?

Zunächst bietet natürlich das Jubiläumsjahr 2020 der deutschen Wiedervereinigung einen aktuellen Anlass, gerade jetzt das Freiheits- und Einheitsdenkmal und dessen Durchsetzungsprozess genauer in den Blick zu nehmen.

Mein Buch verstehe ich aber auch als Beitrag, innerhalb des viel besetzten Feldes ›Erinnerungskultur‹ die Analysekategorien ›Raum ‹und auch ›Geschlecht‹ zu stärken.

Welche Rolle spielen sie Anfang des 21. Jahrhunderts bei Versuchen von Vergemeinschaftungen durch Denkmäler, gerade vor dem Hintergrund wiedererstarkender Nationalismen?

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Mit Jan-Holger Kirsch, Aleida Assmann, Corinna Tomberger, Insa Eschebach, Benedict Anderson (posthum), Mieke Bal, Ruth Wodak – und mit Vertreter*innen der Initiativen dieser beiden untersuchten und auch anderer Denkmäler in Berlin sowie mit deren künstlerischen Urheber*innen.

5. Ihr Buch in einem Satz:

Die Leser*innen können entdecken, welche (Ge-)Schichten im symbolisch aufgeladenen Raum der ›Hauptstadtmitte‹ freigesetzt oder überschrieben werden.

Autor_in(nen)
Imke Girßmann
Buchtitel
Hauptstadtmitte als Ort nationaler Erinnerungskultur? Die Berliner Denkmäler für Freiheit und Einheit und für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen
Verlag
transcript Verlag
Seitenanzahl
284
Ausstattung
kart., Dispersionsbindung, 13 Farbabbildungen, 29 SW-Abbildungen
ISBN
978-3-8376-5450-9
DOI
10.14361/9783839454503
Warengruppe
1510
BIC-Code
JFC JFSG JHB RGC
BISAC-Code
SOC022000 SOC026030 SOC026000
THEMA-Code
JBCC JBSD JHB RGC
Erscheinungsdatum
11. November 2020
Auflage
1
Themen
Kultur, Stadt, Erinnerungskultur
Adressaten
Kulturwissenschaft, Kunstwissenschaft, Public History, Stadtforschung sowie Praktiker*innen im Bereich Kunst im öffentlichen Raum
Schlagworte
Denkmal, Erinnerungskultur, Homosexuellenverfolgung, Deutsche Wiedervereinigung, Berlin, Gemeinschaft, Nation, Nationalsozialismus, Regierungsviertel, Raum, Stadtplanung, Kultur, Stadt, Urban Studies, Zeitgeschichte, Kulturwissenschaft

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